P+R in Hamburg jetzt kostenpflichtig

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Janine Barthel (27): „Ich finde es nicht gut, dafür zu bezahlen. Alles wird teurer und soll extra kosten. Die Fahrkarte kostet schon über 80 Euro im Monat. Dann noch 20 Euro für das Parken. Das ist eine Menge Geld bei meinem geringen Gehalt.“

Ab 28. Juli zwei Euro täglich an der Station Steinfurther Allee

Von Mathias Sichting
Hamburg. Jeder Autofahrer kennt die blauen „P+R“-Schilder am Straßenrand. Noch sind die Parkplätze kostenlos, doch in wenigen Tagen ist Schluss damit. Ab kommenden Montag, 28. Juli sind die ersten zehn P+R-Anlagen kostenpflichtig, darunter auch die Station an der Steinfurther Allee. Die Tageskarte kostet dann 2 Euro. Eine Monatskarte 20 Euro, für ein Jahr P+R zahlen Pendler 200 Euro. Das gilt ab Montag auch für die Stationen in Bergedorf, Harburg, Meiendorfer Weg, Nettelnburg, Neugraben, Neuwiedenthal, Rahlstedt, Veddel und Volksdorf in die Tasche greifen. Bis Ende 2017 sollen alle Stationen umgerüstet sein. Durch
die Entgelte sollen außerdem bis zu 1,5 Millionen Euro in die Kassen fließen – bisher gab es ein Defizit von 500.000 Euro. Die Einnahmen aus den Gebühren sollen jedoch ausschließlich in den Erhalt der Standorte fließen. Die P+R-Betriebsgesellschaft, ein städtisches Unternehmen, plant jeden Parkplatz mit Videokameras, Beleuchtung und einer Notrufsäule auszustatten.
Aus dem Hamburger Umland pendeln täglich etwa 300.000 Berufstätige über das ÖPNV-Netz zur Arbeit nach Hamburg. In die andere Richtung fahren täglich etwa 96.000 Hamburger mit Bus und Bahn zu ihrem Arbeitsplatz. Wünschenswert wäre für viele Fachleute aus den Nachbargemeinden, ein Modell, das die HVV-Grenzen berücksichtigt und vom Rand zum Zentrum die Gebühren staffelt. „Außen günstiger, innen teurer“, fasst Marion Köhler, Pressesprecherin der Metropolregion, die Diskussion zusammen. Bereits jetzt zahlen Pendler beispielsweise in Lüneburg, Stade und Reinfeld Entgelte.
Citynahe P+R-Anlagen fallen weg, da sie dem eigentlichen P+R-Ziel, möglichst außerhalb zu parken, widersprechen. Konkret betrifft das in Hamburg Stellplätze innerhalb vom Ring 2.

700 neue Parkplätze bis 2017

Neun P+R-Anlagen mit insgesamt rund 425 Stellplätzen unter anderem am Berliner Tor, in Barmbek und Hagenbeck-Lokstedter Höhe werden geschlossen. Neue Anlagen mit 700 Plätzen sollen bis 2017 in Poppenbüttel, Ochsenzoll, Rissen oder Harburg gebaut oder optimiert werden. Weitere Flächen sind bis 2021 in Bergedorf, Berne, Billwerder-Moorfleet, Hagenbecks Tierpark, Harburg, Nettelnburg, Rissen, Steinfurther Allee und Tonndorf (insgesamt bis zu 1.500 neue Stellplätze) geplant. „Die Erfahrungen zeigen es: Wenn Stellplätze sehr dicht am Bahngleis sind und eine gute Qualität vorweisen, sind die P+R-Nutzer durchaus bereit, etwas dafür zu zahlen“, so Christiane Jochims vom Hamburger Verkehrsverbund überzeugt.
Bei einer Blitzumfrage an der P+R-Anlage an der Steinfurther Allee äußerten die Passanten wenig Verständnis für die Einführung der P+R-Gebühr. Edith L. (72): Ich finde es nicht gut, dass man jetzt dafür bezahlen soll. Immerhin will man doch, das wir nicht mit dem Auto in die Innenstadt fahren, damit es dort nicht so voll wird. Also sollten uns dann auch kostenlose Parkplätze zur Verfügung stehen
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1 Kommentar
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Erich Heeder aus Billstedt | 14.08.2014 | 10:58  
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