Pkw-Schleichwege durch Hamburgs Kleingärten

Anzeige
Das Billufer und angrenzende Straßen werden als Schleichweg benutzt Foto:Timm
 
Thomas Ahrens klagt über zu viel Verkehr in der Gartensiedlung Foto: Timm

Gefährlicher Abkürzungsverkehr durch Billbrooker Gartenstraße. Bis zu 1.500 Fahrzeuge täglich

Von Frank Berno Timm
Horn
Die Kleingärtner an der Bille sind verärgert: Wenn die B5 verstopft ist, nehmen die Autofahrer eine Abkürzung durch die Kleingartensiedlung in Billbrook. Doch die Straßen dort sind für den Durchgangsverkehr nicht vorgesehen. Jörg Wiencken (49) und Thomas Ahrens (53) wirken, gemessen an dem Ärger, den sie haben, noch vergleichsweise ruhig. Die beiden Vorsitzenden zweier Kleingartenvereine an der Bille haben mit einem Problem zu kämpfen, das alles andere als harmlos ist. Autofahrer, die der verstopften Bundesstraße B5 ausweichen wollen, nehmen eine Abkürzung durch ihre Kleingartensiedlungen am Rand von Billbrook. Morgens zwischen 7 und 9 Uhr und nachmittags von 15 bis 19 Uhr geht das so. Die Kleingartenvereine an der Bille schlagen sich schon Ewigkeiten mit dem Problem herum: Einer der Vereine, erzählen die Männer, habe seine Straße geschlossen – „da sind 1.500 Fahrzeuge am Tag durchgefahren“, sagt Ahrens.

Autofahrer fahren schneller als erlaubt


Problematisch ist der Schleichverkehr durch das Billufer, die Schurzallee-Mitte und die Süderstraße, weil die Gartenstraßen schmal sind und keine Fußwege haben. Knapp 380 Gärten bewirtschaften die beiden Vereine, über 900 Menschen könne man als Betroffene rechnen, sagen die Vorsitzenden. Darunter seien viele Kinder, wenn die auf die Straße laufen, könnten gefährliche Situationen entstehen.
Zwar ist Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben, das halte die Autofahrer aber nicht davon ab, auf einer längeren, geraden Strecke sogar zu überholen. Und wer fährt hier durch? „Das sind meistens Fremde“, sagt Wiencken, dass einer sich an die Höchstgeschwindigkeit halte, sei selten. Bei Unfällen hat es schon schwere Verletzungen gegeben: die Männer erzählen von einem Mann aus der Siedlung, der nun ein kaputtes Bein habe; außerdem sei mal ein Autofahrer in eine rastende Kindergruppe gefahren. Folgt man den Schilderungen der beiden Vereinsvorsitzenden, reichen die zwei- bis dreimal jährlich stattfindenden Geschwindigkeitskontrollen der Polizei nicht aus. Sie hoffen, dass ein Papier aus der Bezirksversammlung, das jetzt auf dem Weg durch die Instanzen ist, wenigstens ein bisschen Abhilfe schafft. Demnach soll geprüft werden, ob die Schurzallee-Mitte und das Billufer Anliegerstraßen für Pkw und Motorrad werden, Ausschilderungen sollten an der Horner Rampe, dem Daniel-Bartels-Weg und in der Süderstraße (Tierheim) erfolgen. Statt Tempo 30 sollten nur noch Tempo 20 gefahren werden und die Schurzallee-Mitte und das Billufer mit aufgeschraubten Schwellen langsamer gemacht werden.

Polizei setzt Fokus auf Schleichwege


Ansgar Hagen, Chef des Polizeikommissariats 41, erläutert zunächst, dass sein Revier für das Billufer nicht und für die Schurzallee-Mitte und die Süderstraße schon zuständig ist. Hagen zufolge läuft derzeit eine gemeinsame Betrachtung mit dem Bezirk Mitte, „ob verkehrsrechtliche Maßnahmen einzuleiten sind“.
Der Fokus sei gesetzt, so Hagen, die Polizei nicht tatenlos. Seine Beamten hätten in der Kleingartensiedlung keine Tempokontrollen durchgeführt, diese seien auf Unfallschwerpunkte des Reviers, wie etwa die Eiffestraße, konzentriert. Nach Aussagen des Revierchefs ist die Gartensiedlung kein solcher Unfallschwerpunkt: Schwere Unfälle seien der Polizei nicht bekannt, sagt Hagen und räumt zugleich ein, dass man darüber, was „schwer“ sei, diskutieren könne. Die zweimalige Stichprobe des Hamburger Wochenblatts an Ort und Stelle des Geschehens zeigt indes, dass die Kritik der Kleingärtner nicht aus der Luft gegriffen ist. Zwar lässt sich aus der Beobachtung nicht ohne weiteres nachvollziehen, welches der vorbeikommenden Fahrzeuge sein Ziel in der Gartensiedlung hat, sicher ist aber, dass immer wieder Autofahrer die tatsächlich nicht allzu breite Straße nutzen.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige