Plädoyer für die Tonne

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Monika Böhm, Stadtreinigungs-Chef Rüdiger Siechau und Umweltsenator Jens Kerstan (v.l.) nehmen Hamburgs 150.000ste Papiertonne in Empfang Foto: lan

Umweltsenator macht bei der Recycling-Offensive Druck

Von Johanna Landeck
Hamm
Wenn ein Umweltsenator im feinen Zwirn eine Mülltonne mit einem Fassungsvermögen von 1.100 Litern eigenhändig eine Einbahnstraße im Norden Hamms entlang rollt und dabei auch noch lächelt, dann muss es dafür einen besonderen Grund geben. In der Tat handelt es sich hierbei nicht etwa um irgendeine Tonne. Vielmehr verfrachtete Umweltsenator Jens Kerstan am vergangenen Donnerstag die 150.000ste Hamburger Altpapiertonne an ihren Bestimmungsort: Eine mit Eisentoren verschlossene Müllbox. Mit seinem Einsatz unterstrich der Politiker die Wichtigkeit der im Jahr 2011 gestarteten Recycling-Offensive. „Altpapier ist ein wichtiger Rohstoff. Papierrecycling schützt die Wälder und das Klima. Schon ein Kilogramm recyceltes Altpapier spart etwa zwei Kilogramm des schädlichen Kohlenstoffdioxids. Und bei der Herstellung von Papierprodukten aus Altpapier wird rund 50 Prozent an Strom und Wasser gespart“, betonte Kerstan. Papier- und Biomülltonnen aufzustellen, das sei seit der ebenfalls 2011 in Kraft getretenen Wertstoffverordnung für jeden Hauseigentümer Pflicht. Tatsächlich konnte die Anzahl der Restmülltonnen, aktuellen Daten der Stadtreinigung zufolge, seitdem um zwei Prozent auf 28.6500 Tonnen heruntergeschraubt werden. Die Zahl an grünen, blauen und gelben Tonnen kletterte hingegen auf rund 360.900 Exemplare. Von den rund 915.000 Hamburger Haushalten haben demnach aktuell 65 Prozent Zugang zu einer Papiertonne, die sich damit zum Star unter den Wertstofftonnen gemausert hat. Nicht ohne Grund: „Wir haben gut 120.000 Euro für die Umrüstung auf die Wertstoffverordnung investiert“, bilanzierte Monika Böhm, Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft von 1904. Und trotzdem: „Gerade für Mietshäuser stellen viele Hauseigentümer und Wohnungsgesellschaften keine Papier- und Biotonnen auf“, kritisierte Andree Möller, Pressesprecher der Stadtreinigung Hamburg. Auch Rüdiger Siechau, Chef der Stadtreinigung, sieht hier ganz klar „Nachholbedarf“. „Daher werden wir jetzt mit Phase zwei starten“, kündigte Umweltsenator Kerstan an. Die Stadtreinigung werde in den nächsten Wochen gezielt jene Wohnungsgesellschaften anschreiben, die für ihre Mieter bisher keine Altpapier- und Biotonnen zur Verfügung stellen. Denn mit dem Vorantreiben der Recycling-Offensive soll es auch in Zukunft heißen: Weg mit dem Müll. Aber bitte in die richtige Tonne.
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 10.11.2015 | 14:23  
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