Politiker wollen Spielhallen stoppen

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Kerstin Gröhn (SPD) Unser Antrag basiert auf der jüngsten Änderung des Glückspielsvertrages, der besagt, dass Mehrfachkonzessionen für Spielhallen in einem Gebäude untersagt sind.

Bezirksversammlung: Einstimmiger Beschluss

Von Mike Neschki

Billstedt. Große Koalition gegen die Spielhallen: Einstimmig hat die Bezirksversammlung Mitte am vergangenen Donnerstag beschlossen, alle Möglichkeiten zu nutzen, um einen Spielhallenkomlex an der Möllner Landstraße zu verhindern. Jetzt ist Bezirksamtsleiter Andy Grote in der Pflicht. Er muss zusammen mit den Rechtsabteilungen prüfen, ob diese Konzessionen für Wettbüros und Spielhallen verweigert werden können. Am gestrigen Dienstag hielten Bürger vor der geplanten Fläche eine Mahnwache ab. Dem Beschluss lagen ein Dringlichkeitsantrag der Grünen und ein Gegenantrag der SPD zugrunde. Der Hintergrund für das Aufbegehren ist nicht nur das schon vorhandene Überangebot an Spielhallen in Billstedt, sondern vor allem die Spielsucht die daraus entsteht. Sie ist eine in der Bevölkerung noch nicht wirklich erkannte Sucht, doch gibt es laut Angaben der Hamburgischen Landesstelle gegen Suchtgefahren allein in der Hansestadt rund 8000 Fälle, in ganz Deutschland rund 200.000, die aufgrund ihrer Spielsucht beratungs- und behandlungsbedürftig sind. „Leidtragende dieser Sucht sind die Familien, deren schwer erarbeitetes Hab und Gut manchmal in sekundenschnelle in den Automaten der Spielhallenbetreiber verschwinden,“ sagte Gisela Alberti von der “Aktiven Suchthilfe“ auf einer Podiumsveranstaltung der Grünen in Billstedt. Nicht ohne Grund siedelten sich rund um Spielhallen zuhauf Pfandleiher an, bei denen das Familiensilber, manchmal auch Gold zu Geld gemacht werde, damit es in die Automaten gesteckt werden könne, so Alberti. „An der Möllner Landstraße sind die Jugendlichen und Kinder allein durch die Nähe von Schulen und Jugendeinrichtungen sehr gefährdet durch eine weitere Spielhalle an dieser Stelle“, so Murat Gözay, Grünen- Bezirksabgeordneter für Billstedt.
Was die Suchthelfer besonders erschüttert: Das Durchschnittsalter der Jugendlichen betrage 16,1 Jahre, obwohl kein Spieler unter 18 Jahren eine Spielhalle betreten dürfe, so Alberti. Und im Ranking der Suizidtoten stünden Glücksspieler an vorderster Stelle.
Die Rechtslage sei zwar durch die verschiedenen Antragsverfahren und Gesetzesänderungen sehr komplex, hieß es von Seiten der Politiker. Doch der Glückspielstaatsvertrag sage eindeutig, dass eine Mehrfachkonzession für Spielhallen in einem Gebäudekomplex nicht erlaubt sei. Zudem dürften Wettbüros, in diesem Falle in dem geplanten “Sportcafé“, nicht im selben Gebäude wie die Spielhalle untergebracht werden.
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