Praxisklinik vor dem Aus

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Die Praxisklinik an der Oskar-Schlemmer-Straße Foto: Betz

Stadtteil in Aufruhr. Bürgerverein setzt sich für Erhalt ein

Von Malte Betz
Hamburg. Die angekündigte Schließung eines Teilbereichs der Praxisklinik Mümmelmannsberg bereitet Anwohnern und betroffenen Ärzten immer größere Sorgen. Zu Risiken und Nebenwirkungen des Vorhabens sollen am kommenden Montag die Betroffenen, Beteiligte, Politiker und Bürger im Gemeindezentrum Mümmelmannsberg befragt bzw. gehört werden.
Angesichts des drohenden Endes der Bettenstation und des OP-Bereichs in der Praxisklinik hat der örtliche Bürgerverein ‚aktiv wohnen‘ zu der Podiumsdiskussion eingeladen, auf der über den Stand der Dinge informiert und nach Lösungswegen gesucht werden soll. Neben Ärzten der Praxisklinik und Vertretern der in der Bürgerschaft sitzenden Parteien sowie des Amts für Gesundheit sind auch Bezirksamtsleiter Andy Grote und Klinikbetreiber Guth eingeladen.

Info-Veranstaltung

Darum geht es: In dem vier-stöckigen Gebäudekomplex an der Oskar-Schlemmer-Straße, das der Klinikgruppe Dr. Guth gehört, betreiben rund zwei Dutzend Mediziner eigenständige Praxen, vom Chirurgen bis zum HNO-Arzt. Das Besondere, das das Ärzte-Haus zur Praxisklinik macht: Für kleinere Operationen und stationäre Betreuung steht ihnen ein OP-Bereich und eine Bettenstation mitsamt fest angestelltem Personal zur Verfügung. Noch, denn im Sommer wurde bekannt, dass diese beiden Sektionen, die der Vermieter selbst betreibt, zum Oktober 2014 geschlossen werden sollen. Begründung: unrentabel! „Da in diesem Fall auch mit einer Aufgabe der Arztpraxen zu rechnen wäre, würde dies einen Zusammenbruch der medizinischen Betreuung im Stadtteil bedeuten“, befürchtet Birgit Sokolowski. Sie leitet den Bürgerverein ‚aktiv wohnen‘ und organisiert die Info-Veranstaltung. Fakt ist: Krankenhäuser mit vergleichbarem Leistungsangebot wie das der Praxisklinik sind kilometerweit entfernt: Bethesda Krankenhaus Bergedorf (8,5 km), Klinik Wandsbek (9,5km), Klinik St. Georg und Marienkrankenhaus (je 11 km).
Während ansässige Ärzte von einer „medizinischen Katastrophe“ sprechen ist man bei der Klinikgruppe Dr. Guth um eine sachliche Auseinandersetzung bemüht.
„Wir können die Befürchtung nicht teilen, dass die Ärzte den Standort aufgeben und die Versorgung gefährdet ist“, sagt Denise Kley, Pressesprecherin der Klinikgruppe Guth. Als Besitzer der Immobilie habe man ein Interesse am Fortbestand jeder Praxis im Haus. Bereits jetzt würden ansässige Ärzte viele ihrer Operationen in anderen Krankenhäusern durchführen. Nur vier Mediziner der Praxisklinik nutzen aktuell die Belegbetten der Station. Die Kapazitäten seien für ein Mehrfaches ausgelegt.
Für einige Ärzte im Haus ist die Unrentabilität der Stationen das Ergebnis für verkehrtes Management. „Man könnte so viel aus den exzellenten Möglichkeiten machen“, sagt ein Mitarbeiter, der ungenannt bleiben möchte. „Das Personal ist top. Betreuung und Organisation eher dilettantisch.“ Kooperationen mit anderen Krankenhäusern und umliegenden Praxen seien Mangelware; die Kosten für die Ärzte zudem viel zu hoch. „Die Mieten haben ein Niveau wie auf dem Jungfernstieg“, so der Mediziner zum WochenBlatt. Dass Kollegen in umliegenden Krankenhäusern operieren, weil es kostengünstiger sei, könne man ihnen nicht vorwerfen. Bei Guth sei diese Kritik bisher nicht angekommen, so die Sprecherin auf Nachfrage. Zwischen den Fronten glimmt ein Hoffnungsschimmer. „Wir führen zur Zeit Gespräche mit Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich, die Interesse daran haben, die Stationen zu übernehmen“, erklärte Kley dem WochenBlatt. Zu den Erfolgsaussichten, wollte sie sich nicht äußern. (Bez)


Podiumsdiskussion „(K)eine Zukunft für die Praxisklinik Mümmelmannsberg“, 18. Nov., ab 19.30 Uhr, Gemeindezentrum, Havighorster Redder
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