Probleme verhindern – ein Besuch in Horn

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Shafi Sadiqi mit der Jacke und dem Logo der Kiezläufer Foto: Mayer
 
Lydia Pusunc (v.l.), Dogan Kilickaya und Shafi Sadiqi Foto: Mayer

Unterwegs mit den Kiezläufern der Horner Geest. „Es geht um Vertrauen“

Von Friederike Mayer
Horn
Das Projekt Kiezläufer gibt es seit zwei Jahren in Hamburg Horn. Junge Erwachsene, ausgebildet in Konfliktmanagement und Mediation, werden dabei zu Vertrauenspersonen für die Jugendlichen in ihrem Stadtteil. Ein gewaltpräventives Projekt, das Probleme verhindern soll, bevor sie entstehen. Die Kiezläufer gehen immer abends los, zwei bis dreimal die Woche. Sie gehen durch den Stadtteil, in dem sie aufgewachsen sind und sprechen auf der Straße die Jugendlichen an, die noch draußen sind. Fragen, wie es ihnen geht, hören ihnen zu. Es geht darum, Vertrauen aufzubauen, bei Konflikten zu schlichten oder die Jugendlichen mit ihren Problemen an soziale Einrichtungen weiter zu vermitteln.

Wichtiges Bindeglied


„Die Kiezläufer sollen ein Bindeglied zwischen Jugendlichen, Anwohnern und sozialen Einrichtungen sein“, sagt Dogan Kilickaya vom Jugendzentrum Horner Geest, der das Projekt in Horn begleitet. Dafür wurden die jungen Erwachsenen, die meisten zwischen 20 und 30 Jahren, durch das Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation (IKM) ausgebildet. Regelmäßig finden Fortbildungen statt. „Ein typischer Rundgang sieht ganz harmonisch aus“, sagt Shafi Sadiqi (25), einer der Horner Kiezläufer. „Wir waren lange in der Kennenlernphase und haben uns vorgestellt.“ Mittlerweile kennen sie nicht nur die meisten Jugendlichen, sondern auch die Anwohner, die anfangs erst einmal ihre Funktion verstehen mussten. „Wir laufen schließlich nicht Patrouille, sind keine Nachbarschaftswache“, sagt Sadiqi. Stattdessen „gehe es um Vertrauen“ – und um eine Vorbildfunktion. „Wir sind hier aufgewachsen, verbinden was mit dem Stadtteil“, sagt Lydia Pusunc (26).

Drogen und häusliche Gewalt


„Ich kann mich mit den Jugendlichen hier identifizieren“. Sie ist wie Sadiqi für die Straße Kroogblöcke zuständig, ein anderes Team betreut die Gegend um die Dannerallee. Gefährliche oder eskalierende Situationen haben die beiden Studenten bisher noch nicht erlebt. Meist sind sie mit Drogenproblemen oder häuslicher Gewalt konfrontiert. Auf ihren Rundgängen haben die Kiezläufer außerdem bemerkt, dass in vielen Spielotheken Minderjährige Zutritt haben – und Spielsucht ein Problem bei den Jugendlichen ist. Sie sprachen mit Betreibern und Polizei und erreichten, dass die Betreiber sich nun an die gesetzlichen Vorschriften halten. „Es fühlte sich sonst nie jemand verantwortlich, etwas zu sagen“, meint Kiezläuferin Lydia Pusunc. Das erste Kiezläufer-Projekt begann 2010 auf der Veddel, mittlerweile gibt auch in Bergedorf und Neugraben Kiezläufer. In Horn wurde das Projekt anfangs vom Hamburger Spendenparlament finanziert, Lücken wurden mit Zuschüssen des Bezirks aus dem Verfügungsfonds gefüllt.

Finanzierung gesichert


Mit den Geldern werden die Weiterbildungen der Kiezläufer und ihre Aufwandspauschalen bezahlt. Für dieses Jahr war die Finanzierung der Kiezläufer in Horn lange unsicher. Trotz der Erfolge und großer Akzeptanz in der Bevölkerung wurde die Finanzierung zwischen den Bezirksausschüssen hin- und hergeschoben. Erst vergangenen Dienstag entschied der Hauptausschuss, das Projekt mit Mitteln aus dem Förderfonds Bezirke und der Jugendhilfe zu finanzieren. Ein wichtiges, überfälliges Signal – umso mehr, weil es seit Ende letzten Jahres auf der Horner Geest auch keine Straßensozialarbeit mehr gibt.
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