Problemzone U-Bahnhof Billstedt

Anzeige
Zelten ist verboten, doch hinter dem U-Bahnhof Billstedt schlafen Menschen in Gebüschen und trocknen Wäsche Foto: ms
 
Überdacht: unter der Brücke zum Einkaufszentrum liegen Matratzen bereit Foto: ms

Anwohner beklagen Verwahrlosung

Von Mathias Sichting
Billstedt
Eingeschlagene Scheiben, zerstörte Sitzbänke, Wildpinkler und Fäkalien an jeder Ecke. Dazu eine große Trinkerszene und Nachtlager unter Brücken und in Gebüschen. Die Umgebung rund um den Billstedter U-Bahnhof ist verwahrlost, die Liste der Mängel lang.
Der Billstedter Hans-Werner Garbe (74) fühlt sich hier schon lange nicht mehr sicher. Er hat die Welt als Seefahrer bereist. Zustände wie im Umfeld des U-Bahnhofs Billstedt habe er aber „bisher nirgendwo gesehen“. Der Rentner fordert „menschenwürdige Verhältnisse“ rund um das Tor zu seinem Stadtteil: „Ich wohne seit 25 Jahren in Billstedt und sorge mich einfach um meine Umgebung. Seit April beobachte ich im Maukestieg Menschen, die im Gebüsch liegen und dort nächtigen. Man kann tagsüber ganz deutlich die abgeknickten Äste als Tarnung über den Lagern sehen und die Trampelpfade bis zu den Nachtlagern und Freilufttoiletten verfolgen“, so Garbe. Polizeisprecher Andreas Schöpflin bestätigt: „In den wärmeren Monaten nächtigen auf der Brücke vom ZOB Billstedt zum Einkaufszentrum insbesondere im Bereich einer Überdachung Personen, vornehmlich aus Osteuropa. Die Schlafstätten, meist Matratzen oder ähnliche Unterlagen, werden in der Regel gegen 21 Uhr ausgelegt und bereits in den frühen Morgenstunden wieder entfernt. In der Spitze wurden schon bis zu 20 Personen dort angetroffen.“

Unmögliche Verhältnisse


Schon mehrfach hat sich Hans-Werner Garbe beim Bezirksamt, der Polizei und der Hochbahn über die Missstände beschwert. Zuständigkeiten werden laut Garbe hin und her geschoben. Auch dem Bezirksamt-Mitte ist die Problematik bekannt. „Das Bezirksamt hat dort wiederholt vor Ort gereinigt, es wurden Gebüsche zurückgeschnitten, um die Lage transparenter zu machen. Die Kollegen vom Ordnungswidrigkeiten-Management waren im letzten Jahr wiederholt vor Ort. 2015 gab es bisher noch keine Bürgerbeschwerde“, so Norman Cordes vom Bezirksamt-Mitte. Ordnungswidrigkeiten wie Urinieren oder das Vermüllen der Umgebung werden laut Cordes vom Bezirksamt und auch von der Polizei bei Feststellungen geahndet.
Der Regionalausschuss Bill-stedt hat in einer Sitzung im Oktober 2014 bereits auf die Missstände hingewiesen. In der Drucksache 21-0314.2 hieß es: „Schon seit Monaten beklagen sich Anwohner, aber auch Billstedter Bürger über die starke Vermüllung und die unmöglichen Zustände am Maukestieg.“ „Hinzu kommt die Ansammlung von wohnungslosen Menschen, die zwischen U-Bahn und Maukestieg übernachten und dabei nicht selten Passanten bepöbeln. Frauen meiden insbesondere in den Abendstunden diesen Weg. Hinterlassener Müll und Alkoholflaschen fördern nicht gerade die Bemühungen des Bezirksamtes, Billstedts Bild in der Öffentlichkeit zu verbessern“, heißt es in dem Schriftstück.

„Wir versuchen auf allen Ebenen die Beteiligten zusammen zu bringen und im Rahmen der legalen Möglichkeiten Verbesser-ungen zu erzielen.“ Rainer Vohl

Es werden unter anderem Maßnahmen der Polizei, der Stadtreinigung Hamburg und der Behörde für Inneres beschrieben, die sich gegen diese Verwahrlosung richten sollen. Gebracht haben sie bis heute nichts. HVV-Pressesprecher Rainer Vohl weist darauf hin, dass aufgrund der Missstände sogenannte Haltestellen-Umfeld-Koordinatoren benannt wurden. Hamburgweit gibt es zwei Mitarbeiter des HVV, die die 159 U- und S-Bahnstationen durch Dokumentation der Missstände verbessern sollen. „Die haben aber nur begrenzt Einfluss, da sie koordinieren und die Beteiligten an einen Tisch bringen. Viele Dinge, die nachvollziehbarer Weise von den Fahrgästen moniert werden, sind schwer strafrechtlich zu verfolgen. Trinkergruppen und Obdachlose dürfen sich im öffentlichen Raum aufhalten. Wenn diese Personen dort nachts urinieren oder ihre Flaschen wegwerfen, ist es schwierig, es ihnen nachzuweisen. Es sei denn, es steht ständig ein Polizist neben ihnen. Das sind leider die Rahmenbedingungen, die es uns so schwer machen“, sagt Vohl. Und weiter: „Wir versuchen auf allen Ebenen die Beteiligten zusammenzubringen und im Rahmen der legalen Möglichkeiten Verbesserungen in Billstedt zu erzielen.“
Wenn es nach Hans-Werner Garbe geht, sollte das Endstück der Brücke über den Busbahnhof einfach abgerissen werden. „Ich habe beim Bezirksamt-Mitte dafür plädiert, dass die Brücke teilweise abgerissen wird. Man sollte das Endstück abbauen, damit die zeltähnlichen Unterstände, Sitzmöglichkeiten und Schlafplätze wegfallen“, fordert der Rentner rigoros. Sorina Weiland vom Bezirks-amt-Mitte dagegen sagt: „Ein Abriss steht nicht zur Diskussion. Das würde in unseren Augen auch nichts bringen und nur zu Verschiebungen des Problems an andere Orte führen.“
Klar ist: Billstedt hat ein Problem am und um den U-Bahnhof. Polizei, Bezirksamt und HVV sind in der Pflicht, dort menschenwürdige Verhältnisse zu schaffen. Auch Politiker sind gefragt. Das Wochenblatt bleibt am Thema dran.
1
Anzeige
Anzeige
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
1 Kommentar
803
Erich Heeder aus Billstedt | 11.06.2015 | 08:54  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige