Ratten, groß wie Karnickel

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Christine Siggelkow mit Sohn Jan-Peer und Helga Bogner (r.), von der Initiative Hamburgs Wilder Ostern, boykottieren dieses Jahr die Aufräumaktion der Stadt Foto: Grell
 
Jan-Peer hat im vergangenen Jahr mit gesammelt und sogar ein Fotobuch dazu erstellt Foto: Grell

Bürger und Gastronomen schlagen Alarm: Ausschläger Deich vermüllt total!

Von Karen Grell
Rothenburgsort
Die Stadtteilinitiative „Hamburgs Wilder Osten“, die sich für mehr Lebensqualität im Quartier einsetzt, macht in diesem Jahr bei der Aktion „Hamburg räumt auf“ zum ersten Mal nicht mit. „Wir haben uns ganz bewusst gegen das Sammeln entschieden“, so Sprecherin Helga Bogner, „weil wir der Meinung sind, dass die Stadt hier selber zum Einsatz kommen müsste“.

Boykott der Räumaktion


Ab dem 20. März ruft die Stadtreinigung Hamburg wieder Bürger dazu auf, sich an der gemeinschaftlichen Aktion zu beteiligen. „Damit ist jetzt Schluss“, sagen die Mitglieder der Initiative und das aus überzeugtem Protest. Das Gebiet rund um den Ausschläger Elbdeich könne ein Prunkstück aller Naherholungsgebiete sein und sei „einfach nur absolut verdreckt“, beschweren sich die Aktivisten, die auch schon selbst Büsche zurückgeschnitten und Abfall weggeräumt haben.
„Sitzbänke verrotten, Spielplätze vermüllen, Papierkörbe verschwinden, defekte Beleuchtung wird nicht ersetzt“, sagt Helga Bogner. Gehwege verkämen zu Stolperfallen. Insbesondere Senioren im Stadtteil seien deswegen immer wieder zu Schaden gekommen.
Wiederholtes Nachfragen beim Bezirk Mitte habe in den letzten Jahren gerade einmal zu einer Erneuerung eines einzigen Mülleimers geführt. „Zu wenig“, findet auch Jan-Peer (6), der bisher immer dabei war, wenn es ans Sammeln ging. Doch mit der Lage am Deich ist auch der Vorschüler absolut nicht zufrieden. „Hier liegen überall Glasscherben rum, die sind doch gerade für Kinder ganz gefährlich“. Ganz allein scheinen die Mitstreiter des Stadtteilinitiative, die sich jetzt gegen die Vermüllung wehren wollen, nicht mit ihrer Meinung zu stehen, denn auch das Ehepaar Kusel, Besitzer des Lokals Entenwerder Fährhaus, klagen seit Jahren über Dauermüll.

„In Grillsaison wird’s schlimm“


Seit 1972 seien sie vor Ort und noch nie sei das Müllproblem so massiv gewesen wie in diesem Jahr. „Die Ratten, die der Unrat anzieht, sind schon so groß wie Karnickel“, bedauern die Lokalbetreiber. „Die Leute werden einfach alles in die Büsche“. Noch sei die Sitation nicht einmal auf dem Höhepunkt, meinen die Kusels, „richtig los mit dem Müll geht es, wenn die Grillsaison beginnt“. Den Kampf mit der Stadtreinigung haben sie bereits aufgeben.
„Ich räume hier vor meiner Tür selber auf“. Alle paar Wochen komme mal ein Wagen vorbei, der die überfüllten Mülleimer abhole. „Wenn es regnet, dann fahren die Herren aber gern auch mal vorbei“, beschreibt er seine Beobachtungen. Schon deshalb haben die beiden Eigenengagement gezeigt und sich bereits einen Rasenmäher, Müllsäcke, Handschuhe und Mäusefallen gekauft. „Gegen die Ratten hilft das aber auch nicht“, bedauert der Geschäftsinhaber.
Die Bürgerinitiative macht – neben der Verursachern – den Bezirk Mitte für den Müll mit verantwortlich und fordert von der Stadt mehr Einsatz in Sachen Sauberkeit. „Wir wollen hier ein paar erholsame Momente am Deich verbringen und das ohne den Blick auf weggeworfene Klamotten, zerbrochene Bierflaschen und liegengelassene Verpackungen. Wir räumen hier nicht mehr auf, bis den Ämtern für die Pflege und Unterhaltung der öffentlichen Flächen ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden.!“
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1 Kommentar
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Tanja Beta aus Horn | 17.03.2015 | 23:25  
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