Rote Karte für SC Europa?

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Jenny Milos will für ihre Jungs bessere Bedingungen erreichen Foto: fbt
 
Pfützen bleiben stehen: Das Wasser kann nicht abfließen Foto: fbt

Platz in Mümmelmannsberg immer wieder gesperrt. Mütter starten Petition

Von Frank Berno Timm
Mümmelmannsberg
Sie wollen ihre Kinder von der Straße holen. Und ihnen die Gelegenheit geben, Fußball zu spielen – abseits von übertriebenen Leistungsgedanken. Aber der Platz, auf dem die Jungs vom SC Europa spielen, ist immer wieder gesperrt. Deshalb haben die Mütter nun eine Petition gestartet. Der Bezirk Mitte wendet ein, alle derartigen Plätze seien in der kalten Jahreszeit nur schwer bespielbar. Viele Jungs und Mädchen tun es. Sie eifern den großen Namen nach: Götze, Müller, vielleicht sogar Uwe Seeler. Sie rennen unermüdlich über den Platz, holen sich aufgeschlagene Knie und freuen sich wie die Weltmeister, wenn ihnen denn ein Tor gelingt. Aber wenn, wie am letzten Mittwoch beim SC Europa, der Platz gesperrt ist, dann ist es nichts mit dem Training. Jenny Milos und Christine Tiffert, zwei engagierte Mütter aus dem Verein, regt das auf: Sie haben nun eine Petition gestartet und bereits mehr als 3.000 Unterschriften im Internet gesammelt, damit die fünf Jugendmannschaften endlich regelmäßig trainieren können. Bevor die Petition ins Netz ging, haben die Vereinsmitglieder die Büsche auf dem Gelände gepflegt – das Bezirksamt, dem der Platz gehört, habe das nicht notwendig gefunden, dem Verein die Rote Karte gezeigt, so Jenny Milos.
Der Zustand des Platzes ist desolat. Die Drainage sei defekt, Regenwasser könne nicht abfließen, sagen die Fußballmütter. Der SC Europa muss Freundschaftsspiele absagen, weil der Platz nicht zugänglich ist. „Man könnte viel machen“, sagt Jenny Milos, durch Werbung an den Zäunen Gelder einspielen, die dann in den Platz fließen. Erste Zusagen von Sponsoren für einen Kunstrasen – die Rede ist von 5.000 bis 6.000 Euro – habe es gegeben. „Der Verein ist wie eine große Familie“, schwärmt Jenny Milos und ihre Freundin Christine Tiffert fügt hinzu, der Name des Clubs erkläre sich aus der multikulturellen Arbeit. Auf dem Sportplatz in Mümmelmannsberg, so die beiden Frauen, dürften auch Jungs spielen, die in anderen Vereinen wegen mangelnder Leistung nicht zum Zuge kommen. Vorstandsmitglied Dennis Sari ergänzt, dem 200 Mitglieder starken SC Europa gehe es darum, die Kinder von der Straße zu holen. Die Anlage macht einen heruntergewirtschafteten und ungepflegten Eindruck. Pfützen stehen, das einstige Gästeumkleidegebäude ist marode. An einem Baum ist ein Zweig heruntergebrochen, er setzt schon Moos an. Gerade die Mannschaftsbänke sind noch intakt. Die Fußballkinder kommen bis aus Billstedt, außerdem gibt es noch eine Kampfsportabteilung. „Ich gebe jetzt nicht auf“, sagt Jenny Milos. Sie ist empört, dass gesagt wird, die Kinder könnten ja zu einem anderen Mümmelmannsberger Verein wechseln. Jetzt pflegen die Kinder ihren Platz selbst: Einmal im Monat sammeln sie nach dem Training herumliegende Stöcke und Steine auf. Und das Bezirksamt? Dessen Chef Falko Droßmann weist schon mal darauf hin, dass die Bezirksversammlung Töpfe habe, aus denen Sportvereinen geholfen werden könne. Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland sagt dem Hamburger Wochenblatt, alle derartigen Plätze seien im Winter schlecht bespielbar. „Wir kümmern uns“, betonte sie, der Platz werde regelmäßig abgezogen, dies sei aber in der kalten Jahreszeit nicht möglich, weil damit mehr kaputtgehe als verbessert werde. Ein Kunstrasen koste 500.000 Euro. Das Engagement der Mütter sei positiv, aber „nicht immer zielführend“.
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2 Kommentare
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Erich Heeder aus Billstedt | 07.04.2016 | 09:23  
397
Rainer Stelling aus St. Georg | 07.04.2016 | 14:15  
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