Rundgang durch „Billstedt Downtown“

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Ein Modell für die städtebauliche Vision „Billstedt an der Bille“ gibt es schon seit 2012, es steht in der Geschichtswerkstatt und kann dort angesehen werden Foto: Geschichtswerkstatt Billstedt
 
Die Abzweigung der Möllner Landstraße von der Billstedter Hauptstraße vor 75 Jahren, eine beschauliche, hübsche Straße Foto: Geschichtswerkstatt Billstedt

Geschichtswerkstatt zeigt städtebauliche Visionen für ihren Hamburger Stadtteil

Billstedt Die Billstedter Hauptstraße soll schöner werden, dafür kämpfen viele Anwohner seit Jahren. Doch die Behörden-Mühlen mahlen langsam. Der neue Bebauungsplanentwurf der Stadt will immerhin die Spielhallen begrenzen (das Wochenblatt berichtete), doch die ganz großen Veränderungen stehen bisher nicht auf der Agenda. Kein Grund für die engagierten Bürger rund um die Geschichtswerkstatt Billstedt und ihren Leiter Ralph Ziegenbalg, die Hoffnung auf eine Umgestaltung des Billstedter Zentrums aufzugeben. Seit 2012 sind die Anwohner am Ball, entwickeln immer neue Vorschläge. Sogar ein Modell für einen ganz großen Wurf wurde erstellt: Dabei soll ein Deckel über der Schnellstraße B5 zwischen Moorfleeter Brücke und Spökelbarg die Anwohner vor Lärm und Abgasen schützen, Platz für neuen Wohnungsbau schaffen und dem Billstedter Zentrum eine reizvolle Wasserkante erschließen. „Billstedt an der Bille“ heißt diese städtebauliche Vision, die der Leiter der Geschichtswerkstatt Billstedt besonders reizvoll findet, denn historisch betrachtet war die Billstedter Hauptstraße eine Einkaufsstraße: „Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wandelte sich die Billstedter Hauptstraße von einer attraktiven Einkaufsstraße zu einer Verkehrsschneise, die allein auf die Bedürfnisse des Autoverkehrs zugeschnitten ist“, erzählt Ralph Ziegenbalg. Vier Fahrspuren für die Autos, die Fußgänger und Radfahrer drängen sich auf schmalen Bürgersteigen. Absperrbügel hindern am Überqueren der Straße und die Fußgängerbrücke sei auch nicht gerade eine Schönheit. Rund 20.000 Autos pro Tag sausen die Straße entlang. „Das ist wirklich ein denkbar schlechtes Bild, das die Billstedter Hauptstraße abgibt“, sagt Ziegenbalg, „und das ist besonders tragisch, weil die Straße eine der Visitenkarten des Stadtteils ist und so Vorurteile über Billstedt bestätigt.“

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Abhilfe schaffen würde nach Ansicht der Anwohner bereits ein Rückbau der Straße auf zwei Fahrspuren. Zusätzlich sollten breite Radwege angelegt werden. Im Herbst 2015 war es wieder die Geschichtswerkstatt, die die Vorschläge der Anwohner zu einem neuen Entwurf zusammenfasste: Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, Pflanzung einer Allee, mehr Parkraum und der Abbruch der Fußgängerbrücke. Auf der Nordseite der Billstedter Hauptstraße zwischen Schiffbeker Weg und der Abzweigung Möllner Landstraße soll nach dem Willen der Anwohner ein breiter begrünter Anger mit viel Platz für Gastronomie, einem Spielplatz und einem Café entstehen. Klingt prima, doch das Bezirksamt Hamburg-Mitte muss erst die Kosten für ein solches Bauprojekt aufbringen.

Gute Aussichten für Projekt


Eine Testphase im Jahr 2012/2013 mit einer Verengung der Fahrbahn und Radwegen brachte gute Ergebnisse und daher will die Politik die Umgestaltung in Angriff nehmen, sobald die Finanzierung komplett steht. „Die Aussichten für das Projekt Billstedter Hauptstraße sind gut“, heißt es in einer Stellungnahme des Bezirksamts Mitte gegenüber dem Wochenblatt: „Das Zentrum Billstedt soll als Sanierungsgebiet und Stadtumbaugebiet festgelegt werden. Derzeit laufen vorbereitende Untersuchungen.“ Vorsichtiger ist die Behörde beim Thema „Deckel über der B5“, zwar kommt auch diese Idee gut an, aber eine Verwirklichung sei frühestens in 20 bis 25 Jahren möglich (sehr hohe Kosten, hoher technischer Aufwand, Gewerbebetriebe müssten möglicherweise umgesiedelt werden). Ralph Ziegenbalg lässt sich trotzdem nicht entmutigen, wirbt weiter für eine umfassende Neugestaltung. In Vorträgen informiert er über den Stand der Dinge – der nächste ist am Dienstag, 13. September. Bei einem gut zweistündigen Rundgang ab 18.30 Uhr berichtet er über „Städtebauliche Möglichkeiten und Unmöglichkeiten in Billstedt Downtown“. Start ist am Kulturpalast im Öjendorfer Weg 30a. Dabei erfahren die Besucher nicht nur den neusten Stand im Kampf um ein schöneres Zentrum, sondern auch viel Interessantes über die Vergangenheit Billstedts. Wer einen Ausflug in die Geschichte des Stadtteils unternehmen und dabei auch Neues über die aktuellen Veränderungsdiskussionen erfahren möchte, sollte sich dem Spaziergang anschließen. (sh)

„Billstedt Downtown“: 13. September, Geschichtswerkstatt Billstedt, Treffpunkt: Kulturpalast im Öjendorfer Weg 30a, Teilnahmegebühr 5 Euro, ermäßigt 3 Euro

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