Schiffbeker Berg im Wandel der Zeit

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Die frisch umgestaltete Kreuzung nach der Entfernung der Schienen Foto: Hans Bünning
 
Am Geesthang 17 entstanden große Wohnhäuser Foto: Gerd von Borstel

Wie sich ein Hamburger Stadtteil verändert. Teil 18 der Serie „Horn – damals und heute“

Von Gerd von Borstel
Horn
In der 18. Folge unserer Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn blicken wir an der Ecke Washingtonallee/Legienstraße/Horner Landstraße hinüber zum „Schiffbeker Berg“. Die drei Wohnhäuser in der Bildmitte – früher die Hausnummern Horner Landstraße 480 bis 496 – würden heute auf Billstedter Grund stehen. Zwar verlief die Grenze zu Preußen von 1874 bis 1937 hinter den Häusern und auch danach war es Horner Gebiet, aber bei einer Gebietsreform mit Errichtung der Neubauten wurde die Stadtteilgrenze zwischen Billstedt und Horn hier 1978 auf die nördliche Seite der Horner Landstraße verlegt. Das kleine weiße Haus rechts mit der alten Holsten-Reklame an der Wand wurde 1894 mit zwei Ladenbereichen im Erdgeschoss errichtet. Im linken eröffnete eine Gastwirtschaft, die bis zum Abriss bestand. Letzter Gastwirt war Bernhard Dahl. Das mittlere Wohnhaus konnte im Spätherbst 1905 bezogen werden. Hier gab es einen Grünwarenladen, der bis in die 1930er Jahre existierte und das „Caffeegeschäft“ von W. Greve. Dieser Laden war seit mindestens 1912 eine Filiale der Bäckerei-Kette von Bernhard Seestädt. In den 1950er und 1960er Jahren wurde dann der Laden von der Bäckerei „Corelli“ genutzt. Das linke, 1903 errichtete Großwohnhaus, war seinerzeit das letzte südlich der Straße. Der Eigentümer H.F. Krohn betrieb bis 1932 im obersten Stockwerk ein „Photographie-Atelier“. Ihm verdanken wir zahlreiche Horner Postkarten. Danach wurde das Atelier zu einer Wohnung zurückgebaut. Viele Horner erinnern sich bei diesem Haus auch noch an die „Roßschlachterei“ von Hans Seidler – der letzte Laden auf Horner Gebiet in östlicher Richtung, der mit Abbruch der Häuser weniger Meter weiter nach Billstedt zog. Alle Häuser wurden vom Krieg verschont und mussten erst 1976 der Großwohnanlage „Schiffbeker Berg“ weichen, die 1978 bezogen wurde. Seit der Korrektur der Stadtteilgrenze liegt sie nun komplett auf Billstedter Gebiet, wie seitdem auch die Häuser ab Nummer 384. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite am rechten Bildrand ist noch der Wohnblock an der Ecke zur Washingtonallee zu erkennen. Der Laden im 1931 erbauten Haus hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich: Es begann als Gaststätte „Zum alten Zoll“ (von 1874 bis 1930 stand hier an der Stadtgrenze ein Zollhaus), wurde nach dem Krieg Filiale der „Hamburger Sparcasse von 1827“ und danach u.a. ein Möbelgeschäft und dann Matratzenladen. Heute bietet ein türkischer Kiosk seine Waren darin an. Auf dem Dach des Hauses war während des Krieges eine Flugabwehrkanone installiert, die jedoch nicht verhindern konnte, dass beträchtlicher Schaden am Haus entstand. Die über viele Jahre am Wohnblock installierte Veedol-Motoröl-Werbung ist noch heute in ihren Konturen dank der weißen Farbreste zu erkennen.

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