Schleichwege bleiben

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Die Linie 232 verkehrt manchmal mit Gelenkbussen durch den Fuchsbergredder Fotos: fbt
 
Dass der Hasenbanckweg als Abkürzung genommen wird, gefällt den Nachbarn gar nicht

Polizei will keine Einbahnstraßenschilder aufstellen

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Es ist nicht gefährlich genug. So liest sich die Antwort der Polizei auf einen Beschluss des Regionalauschusses Billstedt, der für den Hasenbanckweg und die Rehkoppel „unechte“ Einbahnstraßenregelungen verlangt hatte.
„Morgens zwischen vier und fünf geht es los“. Anwohnerin Christina Schulenburg (75) schimpft in drastischen Worten über den Verkehr in ihrer Straße, dem Hasenbanckweg: „Die kajüten hier durch“, sagt sie, die kleine Straße werde als Abkürzung von Autofahrern benutzt, die aus Barsbüttel kämen. „Ich finde, dass hier was getan werden muss.“ Dass die Hasenbanckweg-Nachbarin entschiedene Ansichten hat, kann man sehr wohl nachvollziehen, wenn sie daran erinnert, dass sie als Anwohnerin den Bau der Straße mitfinanziert hat. Hier seien Leute zu Fuß zum Einkaufen unterwegs und Kinder gingen zur Schule, sagt sie.
„Mit 70 gurken die hier durch“, schimpft auch Stefanie Eckert-Amft (33) über die Autofahrer.
Die Hintergründe sind schnell erklärt: Nach dem Bau der Siedlung Haferblöcken wollen noch mehr Menschen durch den Fuchsbergredder fahren, der in die Siedlung führt. Autos parken hier, die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) fahren mit ihrem 232er Linienbus durch die Straße und setzen teilweise Gelenkbusse ein. Auch der – viel größere – Schiffbeker Weg ist belastet. Wie einer Vorlage aus dem Regionalausschuss zu entnehmen ist, suchen sich die Autofahrer Schleichwege – überden Öjendorfer Friedhof und die anschließende Siedlung – so umfahren sie teilweise den Fuchsbergredder.

Zahlen sprechen gegen Einbahnstraßen

Kommt der Expresswohnungsbau östlich Haferblöcken, wird der Verkehr noch weiter zunehmen. Weder Hasenbanckweg noch Rehkoppel sind mit fünf Meter Straßenbreite gut als Durchgangsstraßen geeignet.
Der Regionalauschuss Bill-stedt machte sich im März die Forderungen einer ortsansässigen Bürgerinitiative zu eigen und verlangte, beide Parallelstraßen des Schiffbeker Wegs zu unechten Einbahnstraßen zu machen, in dem an der Ecke Hasenbanckweg/Daniel-Frese-Straße und an der Kreuzung Fuchsbergredder/Rehkoppel das Verkehrszeichen „Verbot der Einfahrt“ aufgestellt wird. Damit, so die Hoffnung, würde sich der Schleichverkehr durch die beiden Straßen unterbinden lassen. Schneller als 30 km/h darf hier schon jetzt nicht gefahren werden.

Gefahr „nicht über Gebühr hoch“

Die Polizei sieht die Umstände offensichtlich anders. In der Antwort des zuständigen Billstedter Kommissariats an den Regionalausschuss ist zu lesen, im Hasenbanckweg seien an einem Tag 2.427 Fahrzeuge registriert worden – dies entspreche
31 Autos pro Stunde und Richtung. Die Zeit zwischen 15 und 19 Uhr sei mit 74 Autos/Stunde am stärksten belastet. Zählungen im vergangenen September hätten in etwa die gleichen Werte ergeben. Die Rehkoppel sei mit 16 Fahrzeugen/Stunde weit niedriger in Anspruch genommen. Im Hasenbanckweg werde durchschnittlich 39 km/h und in der Rehkoppel 38 km/h gefahren. Zwischen 2011 und 2015 hat die Polizei im Hasenbanckweg zwischen Manshardtstraße und Fuchsbergredder fünf Unfälle in ihren Listen. Fußgänger und Radfahrer seien daran nicht beteiligt gewesen. In der Rehkoppel registrierte die Polizei im selben Zeitraum elf Unfälle mit zwei Leichtverletzten – auch hier ohne die Beteiligung von Radfahrern und Fußgängern. Dies zeige, dass die Gefahr in beiden Straßen „nicht über Gebühr hoch“ ist. Da die Polizei Verkehrszeichen nur dort anordnen dürfe, „wo dies aufgrund der besonderen Umstände zwingend geboten ist“ und die Gefahrenlage das „allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung erheblich übersteigt“, würden die „angeregten einschränkenden Maßnahmen nicht befürwortet“.
Ob der zuständige Regionalauschuss dennoch auf den Verkehrsschildern besteht, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
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