Schon wieder Weihnachten

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Illustration: Silvia Kühn

Eine beschwingliche Geschichte zum Fest

Von Detlef Wutschik alias Werner Momsen
Wann Weihnachten kommt, weiß eigentlich keiner so genau. Irgendwann steht es vor der Tür. Und wenn es klingelt ist es da, dann kann man es auch nicht mehr verdrängen. Offiziell geht es mit dem Adventskalender und den vier Kerzen für den Kranz los. Inoffiziell wohl viel früher.
(…)
Die Erklärung mit den viel zu frühen Lebkuchenherzen bei Aldi und Co. ist zwar schön, aber leider nur eine Ausrede. Wir werden älter und deswegen ist immer häufiger Weihnachten. Ab einem gewissen Alter besteht das Leben dann nur noch aus Tannenbaum rein und Tannenbaum raus. Dann macht man Türen vom Adventskalender lieber zu als auf.

Wo im Laufe des Lebens kommt das eigentlich abhanden, dieses besondere Weihnachtsgefühl? Ist das weg, wenn man weiß, dass die Weihnachtsgeschenke nicht das Christkind sondern Mutti unter den Tannenbaum legt? Oder geht es erst dann verloren, wenn man merkt, dass die 20 Euro von Tante Gerda deren Erscheinen am 1. Weihnachtstag nicht wieder wett machen können? Die Vorfreude auf ein Feiern im „Kreise der Lieben“ hält sich bei mir echt in Grenzen. Der Mensch ist das nicht mehr gewohnt, im Rudel zu leben. Aber zu Weihnachten kommen diese Rudel immer noch zusammen.
(…)
Und die Sehnsucht nach dem Weihnachtsgefühl lässt uns das immer wieder aufs Neue versuchen.
Ein Stück davon glaubt man sich mit den Geschenken zu kaufen.
(…)
Am wenigsten kann man natürlich mit Bargeld falsch machen. Aber das treibt dann auch seine Blüten, wenn sich nämlich innerhalb der Familie das Geld nur hin und her gereicht wird:
Oma schenkt Vaddern ne Buddel mit 30 Euro und Muddern 30 Euro auf einer Schachtel Pralinen. Wenn Vadderns Buddel allerdings teurer war als Mudderns „edle Tropfen“, packt Oma gern noch mal ne Anturie dabei. Die halten sich so schön lange. Das sind diese Blumen die aussehen wie aus Plastik mit diesem Wurm, der da aus dem Blatt rausguckt. Dass die leben, merkt man spätestens dann, wenn die Pflanze Durchblutungsstörungen kriegt und der Wurm sich langsam absenkt. Die Enkel kriegen von Oma auch jeder 30 Euro mit Toffifee oder Rochers, wobei Oma sich nicht merken kann wer von den beiden was lieber mag. Ihr könnt die ja tauschen... Muddern und Vadddern schenken Oma 20 Euro und ne Flache Buerlecithin, gabentischfertig im festlichen Geschenkstülper - weil mit dem Kreislauf hat Oma das nicht mehr so.

Außerdem schenken Kinder immer weniger als die Eltern und zwar unabhängig von Einkommensgrenzen und Spareinlagen. Die Kinder bekommen von Muddern, auch im Namen des Vaters, beide 50 Euro und einen bunten Teller. Was machen die Kinder nachdem sie dreimal miteinander telefoniert haben? Sie schenken Mutti und Vaddi zusammen einen Gutschein zur Übernachtung im Hotel Löwen für 100 Euro und Oma ne Flasche Doppelherz mit 20 Euro, weil Buerlecithin hat sie ja schon. Dementsprechend haben also alle 120 Euro ausgegeben und wiederbekommen. Da der Gutschein nicht eingelöst wird, bleiben am Ende nicht getrunkene Flaschen und alte Süßigkeiten übrig.
Das ist Weihnachten!

Dieser Textauszug ist dem Buch „Hamburger Weihnachtsgeschichten“ entnommen, herausgegeben von Gerd Spiekermann, (Sutton Verlag, ISBN 978-3-95400-432-4, 120 Seiten, 31 Abbildungen, gebunden, 19,99 Euro)
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