Schüler fragen kritisch zu Olympia

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Yannick Regh (SPD, v.l.), Staatstrat Christoph Holstein, Constance Manzke (CDU), Harald Singler (Linke), Andy Grote, Lothar Knode (Grüne) Foto: Landeck
 
Waddan Maiwand (17, l.) meint: „Ich bin nicht naiv, mir ist klar, dass Olympia teuer wird. Aber die Stadt wird dadurch neu belebt.“ Auch Kevin Bieber (16) will für„Ja“ stimmen Foto: Landeck

Bei der ersten Jugendkonferenz in Hamm wurde die mögliche Bewerbung Hamburgs für die Spiele heiß diskutiert

Von Johanna Landeck
Hamm
Andy Grote, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte, fasste die Dimension der Olympischen Spiele, die 2024 in Hamburg stattfinden könnten, am vergangenen Mittwoch mit einem knappen Satz zusammen: „Das ist kein Hafengeburtstag, das wird schon ein bisschen größer.“ 230 Schüler hörten bei der ersten „Jugendkonferenz“ den Ausführungen der Referenten zu – und stellten unbequeme Fragen. Neben Grote informierte der Staatsrat für Sport und Olympia, Christoph Holstein, die Schüler ab der elften Klas-se rund um die aktuellen Pläne für die Großveranstaltung. Er ging auch auf den Punkt Finanzen ein: „Wir gehen davon aus, dass die Spiele insgesamt 11,2 Milliarden Euro kosten werden“, so Holstein. „Auf die Stadt Hamburg entfallen da-von aber nur 1,2 Milliarden.“ Trotzdem: „Oh, Gott“, stöhnte eine Schülerin in der zweiten Reihe. Denn: Aktuellen Berechnungen der Stadt zufolge müssen die Steuerzahler, den Erlös von 3,8 Mrd. abgerechnet, noch 7,4 Mrd. Euro berappen. Grote hob hervor, dass vor allem die östlichen Stadtteile Hamburgs mit Olympia attraktiver würden: „Das Projekt Stromaufwärts an Elbe und Bille wird vorangetrieben, die Infrastruktur wird aufgebaut. Dazu kommt, dass die Stadtteile Hamm, Horn und Billstedt durch einen zusätzlichen Wohnungsbau näher ans Zentrum der Stadt heranrücken.“
Tatsächlich brannte der Aspekt Wohnen den Schülern ganz besonders unter den Nägeln. Ein Entwurf, der zeigt, dass in die unteren Tribünenränge des neu zu bauenden Olympia-Stadions nach den Spielen Wohnungen eingebaut werden sollen, sorgte für ein lautes Murren. „Warum müssen wir denn überhaupt Olympia nach Hamburg holen, um den Wohnungsbau anzuschieben? Davon abgesehen glaube ich nicht, dass ich mir die neuen Wohnungen die beispielsweise mit dem neuen Stadtteil Olympia City entstehen sollen, überhaupt leisten kann“, kritisierte etwa Christina (16) aus Horn.
Und für die Frage, warum die 11,2 Mrd. Euro denn für Olympia und nicht für die vielen Flüchtlinge ausgegeben würden, gab es gar lautstarken Applaus. „Die Spiele sorgen auch für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dadurch entstehen konkrete Jobperspektiven, auch für Flüchtlinge. Außerdem werden auf einen Schlag viele neue Wohnungen gebaut, die wir nun dringend brauchen“, erklärte daraufhin der Leiter des Bezirksamtes. Grote verwies ferner darauf, dass 3.000 der neuen Wohnungen gefördert werden sollen.

Mehr Sicherheit?


Über das Thema Wohnen hin-aus wollten die Schüler unter anderem wissen, ob die Sicherheitskosten nach den jüngsten Terroranschlägen in Paris neu berechnet werden müssen, wie hoch die Umweltbelastung im Zuge der Spiele sei und wie der heimische Güterverkehr gesichert werden könne. Am Ende stellten sich auch die Mit-glieder der Parteien CDU, SPD, die Linken und die Grünen den kritischen Fragen der Jugendlichen. Nach der rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung, die von der Bezirksversammlung mit 3.000 Euro gefördert wurde, resümierte Holstein: „Ja, es war anstrengend. Ganz einfach, weil die Schüler ein unglaubliches Hintergrundwissen mitbrachten und so viele vielschichtige Fragen stellten. Das war wirklich Wahnsinn.“
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1 Kommentar
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Michael Kühn aus Billstedt | 26.11.2015 | 19:23  
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