Schule wird 100 Jahre alt

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Die Schule im Jahr 1912. Sie steht heute unter Denkmalschutz. Damals waren in einem Teil Mädchen, in einem anderen Teil Jungen untergebracht. Die Turnhalle (links) wurde im II.Weltkrieg zerstört.Foto: Staatsarchiv

Rhiemsweg gehört heute zur Stadtteilschule Horn

Von Matthias Röhe

Horn. „In ihrer Anfangszeit war die Schule nach Jungen und Mädchen getrennt. Die „Morathschule“ war für Jungen, die „Volksschule für Mädchen“ am Rhiemsweg war fürs weibliche Geschlecht“, sagt Dirk Reinke. Der Sport- und Geografie-Lehrer unterrichtet seit acht Jahren an der Stadtteilschule Horn und hat sogar ein Buch über die Schule geschrieben. Der Standort Rhiemsweg wird jetzt 100 Jahre alt. Während der umfangreichen Recherchearbeiten stieß der junge Lehrer auf interessante Besonderheiten: „In unserer Schule existiert ein Nagelbrett, auf das Bürger unterschiedlich große Nägel geschlagen haben. Für 10, 50 oder 100 Pfennig konnten sie sich Nägel kaufen, die ins Brett gehämmert wurden.
40 Schüler pro Klasse
Der Verkaufserlös kam den Kriegsopfern zugute“, erklärt Dirk Reinke. Viele Menschen – insbesondere mit verwundeten Kindern – seien mit dem Geld unterstützt worden. Noch heute ist das Nagelbrett im Besitz der Schule, allerdings wird es zurzeit im Museum für Hamburgische Geschichte instandgesetzt. Als weitere Besonderheit hebt Reinke hervor, dass die Klassenstärke früher mit 40 Schülern beziffert war. Das Schulgesetz erlaubte damals sogar eine Klassenstärke bis zu 80. Heute sind es im Regelfall 25 Schüler. Auf die Schule im Rhiemsweg 6 gingen auch Persönlichkeiten. Auf die Schule im Rhiemsweg 6 gingen auch Persönlichkeiten. Erna Mohr war von 1914 bis 1919 Lehrerin an der Volksschule für Mädchen am Rhiemsweg, wechselte aber später in die Zoologie, die sie bundesweit bekannt machte. Schauspieler Uwe Bohm absolvierte von 1967 bis 1974 seine Schulzeit dort.
In diesem Jahr hat der Standort Rhiemsweg 6 einen runden Geburtstag: er wird 100 Jahre alt. Grund genug am 13. November ab 18 Uhr in einer kleinen Feier in der Pausenhalle das Jubiläum zu feiern. „Da Dirk Reinke Klassenlehrer der 11 a ist, lag es auf der Hand, dass er und seine Klasse auch die 100-Jahr-Feier organisiert“, sagt Schulleiter Dieter Koch. Die 25 Schüler wurden in sechs Gruppen aufgeteilt. Drei Gruppen führten Interviews mit ehemaligen Schülern, die heute über 80 Jahre alt sind. „Ein Schüler hat früher im Unterricht nicht mitgesungen – er war ein Jude“, sagt Nico Wennefehr, der bei dem 91-Jährigen Zuhause war. Auch am Fahnenappell hätte er damals nicht teilgenommen, sein Bruder sei von der Schule geschmissen worden – nur weil er Jude war. „Ich war beeindruckt von seinen Erzählungen“, ergänzt Nico Wennefehr. (mr)
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