Sensation beim Derby!

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Nur das Siegerpferd Pastorius fehlte bei der Ehrung: Besitzer Prinz Franz von Auersperg, Trainer Mario Hofer, Jockey Terence Hellier (von links). Foto: Frank Sorge/pi
 
Siegerehrung beim Hutwettbewerb: Konni Fuentes aus Rethwisch gewinnt mit ihrer Kopfbedeckung, die nur aus Schleifen besteht. Foto: Frank Sorge/pi

Krasser Außenseiter gewinnt den Galopp-Klassiker in Horn

Von Hans-Eckart Jaeger
Horn. Die Stimme von Manfred Chapman, seit vielen Jahren Rennbahnsprecher in Horn, überschlug sich: „Novellist, Novellist, die Alster brennt!“ Der erfahrene Pferdemann, der am Mikrofon immer für einen Scherz gut ist, sah den haushohen 17:10-Favoriten Novellist im 143. Deutschen Derby vorn. Doch Chapman hatte sich diesmal geirrt.
Ganz außen an den Rails mogelte sich noch der dreijährige Hengst Pastorius mit Jockey Terence Hellier an der galoppierenden Konkurrenz vorbei und gewann als 321:10-Außenseiter das bedeutendste Rennen des Jahres in Deutschland. Dritter wurde Girolamo (Andrasch Starke).
Eingerahmt von zwei Schimmeln, kehrte Pastorius von seiner wilden Jagd zurück zur Tribüne. Jockey Hellier, der schon 21-mal im Derby ritt, aber zuvor noch nie gewann, streckte immer wieder jubelnd seinen rechten Arm in die Höhe und ließ sich von den 15.000 Zuschauern auf der Horner Rennbahn feiern.
Trainer des Siegerpferdes ist Mario Hofer aus Krefeld, der zuvor das Derby auch noch nie gewonnen hatte, Besitzer von Pastorius der Vollblutzüchter Franz Prinz von Auersperg aus Österreich. Der in München tätige Immobilienkaufmann erhält damit rund 447.000 Euro vom Gesamtpreisgeld (745 000 Euro). „Ich hatte immer großes Vertrauen in das Leistungsvermögen meines Pferdes“, sagte der 46 Jahre alte Jockey Terence Hellier bei der Siegerehrung. „Im Rennen habe ich mich immer knapp hinter Novellist aufgehalten, das war die richtige Taktik.“ Der Besitzer von Auersperg, gerade von einem Herzinfarkt genesen, wollte Pastorius eigentlich gar nicht laufen lassen.
Die äußerste Startbox 15 erschien ihm ungünstig, außerdem hatte das Pferd eine leichte Erkältung. Jockey Eduardo Pedroza, Reiter des bisher in vier Rennen noch unbesiegten Novellist, nahm die unverhoffte Niederlage gelassen hin. „Es gibt noch andere große Rennen, die man gewinnen kann“, sagte der Panamese. Die Rennleitung bestrafte ihn wegen zu häufigen Peitschengebrauchs noch mit einer Sperre von sechs Renntagen. Enttäuscht waren auch die Fußballprofis Claudio Pizarro und Tim Borowski, deren Hengst Black Arrow mit Starjockey Frankie Dettori im Sattel Fünfter wurde.
Albert Darboven, der Vizepräsident und Repräsentant des Hamburger Renn-Clubs, hätte sich für seinen Hengst Russian Song, der aus eigener Vollblutzucht stammt, einen besseren Rennverlauf gewünscht. „Ein kleines Platzgeld ist möglich“, sagte der Hamburger Kaffeekaufmann. Nur einmal, unmittelbar nach dem Start, war sein Pferd an der Spitze zu sehen. Dann wurde Russian Song nach hinten durchgereicht und landete unter 14 Startern auf dem vorletzten Platz. Dennoch stand die Familie Darboven im Blickpunkt. Albert Darboven bei den Siegerehrungen und im Waagegebäude, Ehefrau Edda als Schirmherrin des traditionellen Hutwettbewerbes. Mit einer Kopfbedeckung, die hauptsächlich aus Schleife bestand, gewann Konni Fuentes aus Rethwisch und darf jetzt in ein Wochenende in einem Mercedes SLK starten.
Der Kreativität und Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Viel Beifall erhielt Maria Güldner aus Klein Rönnau, deren Hut dem aufgeklappten Fächer eines Pfaus ähnelte. Die Hamburgerin Elke Schuschan zog mit ihrem mit Blüten und Accessoires bedeckten Hut alle Blicke auf sich. Das galt auch für viele andere Besucherinnen, die mit ihren bunten Kreationen auf der Rennbahn auf und ab gingen. (hej)

i Endspurt beim Derbymeeting in Horn: Am Mittwoch (ab 16.30 Uhr) werden beim Hamburg-Dresden-Pokal über 3200 Meter Pferde mit Steherqualitäten gesucht. Dieses Rennen wird als 144. Langer Hamburger gelaufen und ist sogar noch ein Jahr älter als das Derby, das im Jahre 1869 erstmals in Hamburg entschieden wurde. Weiterer Höhepunkt ist das traditionelle Seejagdrennen. Am Donnerstag (ab 16.30 Uhr) steht der Große Preis von Lotto Hamburg, ein Stutenrennen der Gruppe III (2200 m, 55 000 Euro) auf dem Programm.
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