So dicht kommt Verdichtung

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Mehr Nachbarn, weniger Sonne: Magda Melitz bekommt die Nachverdichtung in der Legienstraße zu spürenFoto: mt
 
Im vergangenen Jahr war an der Legienstraße 45 noch alles grün. Vertreter der SAGA GWG und Anwohner maßen damals die Abstände zu den Nachbargrundstücken genau nachFoto: mt

Legienstraße: Wie bei Nachbarn die Wohnqualität sinkt

Von Marco Thielcke
Hamburg. Das Wohnungsbauprogramm der SPD in Hamburg soll jährlich 6000 Wohnungen schaffen. „Nachverdichtung“ ist ein Schwerpunkt, mit dem das ehrgeizige Programm erfüllt werden soll. Wie dicht Neubauten trotz eingehaltener Mindestabstände an bestehende Gebäude heranreichen und wie sehr Anwohner drunter leiden, zeigt ein Ortstermin an der Legienstraße 45. Hier erleben Anwohner die innerstädtische Nachverdichtung näher mit als ihnen lieb ist.:
Magda Melitz steht auf ihrem Balkon und schaut auf eine graue Wand, Baulärm ist von allen Seiten zu hören. Die 77-Jährige streckt den Arm aus und hat das Gefühl, die nur wenige Meter entfernte Wand fast berühren zu können. „Als wir die Pläne vor einem Jahr gesehen haben, ahnten wir, dass der Neubau sehr nah an unsere Wohnung kommt. Jetzt steht der Rohbau. Durch die Höhe des Hauses wirkt alles noch viel näher“, sagt Melitz, die ihr Leben lang in Horn wohnt. Die unverputzte graue Wand ist Teil einer Seniorenwohnanlage der SAGA GWG, die Mitte kommenden Jahres bezugsfertig sein soll.
Der Neubau ist rund 15 Meter hoch und gut sechs Meter vom Haus von Magda Melitz entfernt. Die sechs Meter entsprechen dem Mindestabstand zwischen Gebäuden, festgeschrieben in der Hamburgischen Bauordnung. Demnach müssen Neubauten pro Höhenmeter 40 Zentimeter vom Nachbargrundstück entfernt sein. Für Magda Meltiz bedeuten diese sechs Meter vor allem eine Menge neuer Nachbarn die auf ihren Balkon schauen können und weniger Sonnenstunden.

„Im Sommer können wir uns das Mittagessen mit den Nachbarn teilen
und einfach rüberreichen.“ Magda Melitz


„Im Sommer können wir uns das Mittagessen mit den Nachbarn teilen und einfach rüberreichen“, sagt Magda Melitz nicht ohne Galgenhumor. Als sie 2010 mit ihrem Mann in die Drei-Zimmer-Wohnung gezogen sind, blickten sie noch auf eine Grünfläche mit zahlreichen Bäumen. Der Balkon ist nach Südwesten ausgerichtet und versprach damals viele Sonnenstunden auf dem Balkon. Durch den rund 15 Meter hohen Neubau ist das Vergangenheit. „Zwischen halb eins und halb drei am Nachmittag scheint bei uns noch die Sonne auf den Balkon. Dann verschwindet sie hinter dem neuen Wohnhaus“, sagt Melitz.
Wilfried Lehmpfuhl, Jurist beim Mieterverein zu Hamburg, kennt die Probleme, die eine Nachverdichtung nach sich ziehen kann: „Anwohner sollten sich so früh wie möglich politische Unterstützung suchen und Kontakt mit der Bezirksversammlung aufnehmen. Die Bürgerfragestunde bietet eine solche Möglichkeit.“ Das Problem dabei ist jedoch, dass Anwohner viel zu spät von Bauvorhaben vor ihrer Tür erfahren. Meist werden Sie informiert, wenn der Bauantrag schon eingereicht ist. Magda Melitz und ihre Nachbarn wurden gar nicht informiert.
Richtfest
Dennis Thom, ein Nachbar aus dem Erdgeschoss, wurde hellhörig als an seinem Vorgarten im April vergangenen Jahres Vermessungen durchgeführt wurden. Für Gespräche war es da schon zu spät, die SAGA GWG informierte lediglich auf drei Terminen die Anwohner über die Seniorenwohnanlage.
Am Montag feierte die SAGA GWG Richtfest für die Seniorenwohnanlage und zwei weitere Wohnanlagen in der Legienstraße. Insgesamt werden auf drei Grundstücken in der Nachbarschaft 122 Wohnungen gebaut. Kerstin Matzen von der SAGA GWG versteht den Unmut der Anwohner nicht: „Wir haben auf Terminen vor Ort den Anwohnern den Neubau vorgestellt. Die Abstände im gesetzlichen Rahmen.“ Melitzs sehen es pragmatisch und freuen sich auf die Fertigstellung im kommenden Jahr: „Dann hört zumindest der Baulärm wieder auf.“ (mt)
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