Spekulationen um Kreuzkirche in Billstedt

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Die Kreuzkirche Schiffbek liegt etwas zurückgebaut von der Straßenfront Foto: Timm
 
Will die evangelische Gemeinde das Haus Billstedter Hauptstraße 86 separat verkaufen? Foto: Timm

Geplanter Verkauf der evangelischen Kirche spaltet Gemeinde

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Die im Frühjahr bekannt gewordenen Pläne, die Kreuzkirche Schiffbek an die Christlich-Aramäische Gemeinde (CAG) zu verkaufen, scheinen sich nicht wunschgemäß zu entwickeln. Aus der aramäischen Gemeinde ist zu hören, ein Kauf wäre nur sinnvoll, wenn die CAG auch das Pfarrhaus mit erwerbe, weil sonst Mieteinnahmen fehlten. Und gleich aus mehreren Quellen kommen Hinweise, dass es sich bei der Privatperson, die das Pfarrhaus kaufen will, um David Erkalp handeln soll. Der ist nicht nur CDU-Abgeordneter in der Bürgschaft, sondern selbst syrisch-orthodoxer Christ und gehört zu einer Familie, die eine Reihe von Juweliergeschäften betreibt. Heinrich König, der früher im Schiffbeker Kirchenvorstand war, berichtet, es habe wieder eine Sitzung des Kirchengemeinderates gegeben, dessen Mitgliedern „Schweigen auferlegt“ worden sei. Nach seiner Meinung kann ein Baudenkmal, das aus drei Gebäuden besteht, gar nicht an unterschiedliche Besitzer veräußert werden. König betont: „Mir geht es darum, dass keine evangelisch-lutherische Kirche in Norddeutschland verkauft wird.“ Dass die Zahl der Gemeindemitglieder sinke, könne er nicht nachvollziehen – die Kirchensteuereinnahmen seien hoch. Auch deshalb könne man keine Kirchen verkaufen. Gemeindepastor Gerhard Bothe will sich gegenüber dem Hamburger Wochenblatt nicht äußern: „Das sage ich nochmal entschiedener“, so der Theologe, der bislang Stellungnahmen zu diesem Thema immer abgelehnt hat und es diesmal damit begründet, dass man „mitten im Geschäft“ sei. Im Kirchenkreis Hamburg-Ost, zu dem die Kreuzkirche gehört, wird erläutert, für den Verkauf der Kirche sei eine „kirchenaufsichtsrechtliche Genehmigung“ notwendig. Diese, so Sprecher Remmer Koch, müsse beim Kirchenkreis eingereicht werden, gehe zum Kirchenkreisrat und letztlich zur Landeskirche. Bislang, fügt Koch hinzu, liege für die Kreuzkirche kein solcher Antrag vor. Das Grundstück gehöre der evangelischen Kirchengemeinde. Die Schweigsamkeit in der Gemeinde selbst erklärt Koch mit dem Umstand, dass noch nicht klar sei, wie das Grundstück nach dem Verkauf genutzt werde.

Spaltung der Gemeinde


Dafür spricht auch, was Elias Baylan, Kirchenvorstand der Aramäer, sagt. Vor sechs Wochen habe eine Versammlung seiner Gemeinde, zu der 83 Familien gehören, mehrheitlich entschieden, die Schiffbeker Kirche zu kaufen – allerdings das gesamte Paket. Nach Baylans Worten kann der Verkauf nicht zustande kommen, wenn das Haus Billstedter Hauptstraße 86 herausgelöst werde. Baylan berichtet von einer Gruppe um David Erkalp mit 15 bis 20 Mitgliedern und von separaten Gesprächen dieser Gruppe mit der evangelischen Gemeinde. Die Verbitterung ist deutlich zu hören: Offensichtlich droht eine Spaltung der Aramäer. Dies werde deren Erzbischof aber nicht erlauben. Vor sieben Jahren habe sich seine Gemeinde von syrischen Christen in Harburg getrennt, es sei sein Ziel gewesen, die Billstedter zusammen zu führen. Auch in der evangelischen Gemeinde wolle man diese Spaltung nicht.Kirchenvorstand Christoph Bohlen von der evangelischen Gemeinde ist sichtlich darum bemüht, sich sehr zurückhaltend zu äußern. Bohlen macht aber keinen Hehl daraus, dass er selbst nicht für den Verkauf des Gebäudekomplexes eintritt, dass es bei den aramäischen Christen unterschiedliche Meinungen gibt, hat er auch gehört. Erneut bringt Bohlen den Gedanken einer Erbpacht ins Spiel. Bohlen findet es wichtig, dass die evangelische Kirche weiter in Schiffbek präsent ist und Gottesdienste gefeiert werden; in einer Volkskirche sei es doch normal, dass manche nicht regelmäßig teilnehmen. David Erkalp seinerseits dementiert, dass er etwas mit dem Thema zu tun hat. Ihm sei bekannt, dass die evangelische Kirchengemeinde in Schiffbek und Öjendorf „derzeit Gespräche mit mehreren Aramäisch-Christlichen Gemeinden über einen möglichen Verkauf“ der Kirche und/oder ihrer Immobilien führe, erklärt der Bürgerschaftsabgeordnete dem Wochenblatt. Erkalp selbst hat nach seinen Angaben nicht an diesen Gesprächen teilgenommen und ist auch nicht zu ihnen eingeladen worden.
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