Sport in Rothenburgsort: Gerangel um Hallenzeiten

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Kinder müssenim Winter draußen Fußball spielen, weil die Sport-halle belegt ist Foto: Schmidt
 
Jugendtrainer Robert Hillbrecht Foto: Schmidt

Jugendtrainer des FTSV Lorbeer schlägt Alarm: Kinder können nicht trainieren

Von Sonja Schmidt
Rothenburgsort
Viele Telefonate, mehrere Emails und aufgebrachte Eltern: Der Ärger über das mangelhafte Sportangebot in Rothenburgsort ist groß. Vor allem die Trainingszeiten in der Sporthalle der Fritz-Köhne-Schule sind ein knappes Gut und aktuell Streitpunkt zwischen Betriebssportgruppen und dem FTSV Lorbeer. „Es kann nicht sein, dass Kapazitätsprobleme auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden“, schimpft Jugendtrainer Robert Hillbrecht. Fünf Stunden Hallenzeit pro Woche für acht Kinder- und Jugendmannschaften – das sei viel zu wenig, findet der 29-Jährige. Weitere „kinderfreundliche Zeiten“ sind den Mitgliedern der Siemens-Betriebssportgemeinschaft Hamburg von 1956 e.V. und der Betriebssportgemeinschaft Hamburg Wasser e.V. für Trainings- und Punktspielbetrieb vorbehalten. An drei Tagen die Woche spielen sie ab 17 Uhr bis in den späten Abend hinein Volleyball und Tischtennis. „Erwachsene könnten problemlos ab 19 Uhr mit ihrem Sport anfangen. Oder sie suchen sich eine Alternative in der Umgebung, zum Beispiel in Hamm“, schlägt Hillbrecht vor. „Kinder können weder Auto fahren, noch haben sie nach Einbruch der Dunkelheit etwas auf der Straße zu suchen.“ Bereits im Oktober 2014 habe er die Problematik dem Bezirksamt und den Betriebssportgruppen gemeldet. 2015 brachte er seinen Ärger auch auf der Stadtteilratssitzung zum Ausdruck.

Kompromiss nicht in Sicht


„Bis heute habe ich keinen vernünftigen Vorschlag gehört. Die Betriebssportgruppen wollen weder die Zeiten tauschen, noch auf eine andere Halle ausweichen“, erklärt der Trainer. Ein Kompromiss ist bis jetzt nicht in Sicht. Auf Nachfrage erklärte Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland: „Es mangelt uns nicht am guten Willen, aber die Kapazitäten sind leider voll ausgeschöpft. Das, was machbar war, wurde zur Verfügung gestellt. Nun müssen die Vereine mit diesen Zeiten möglichst effektiv umgehen und intern nach Lösungen suchen.“
Die Betriebssportvereine vermelden Verständnis und zeigen sich gesprächsbereit. Doch die Sorge um die eigenen Mitglieder ist groß. Manfred Pleschka, der Erste Vorsitzende der Siemens-Betriebssportgemeinschaft, sagt: „Ich verstehe das Anliegen von Herrn Hillbrecht, aber es ist für unsere Mitglieder nicht zumutbar, den Spielbetrieb später aufzunehmen. Die Uhrzeiten und Tage sind fester Bestandteil ihrer terminlichen Planung.“ Betriebssport lebe von guter Erreichbarkeit vom Arbeitsplatz aus, in diesem Fall vom Berliner Tor. Zudem müsse man Mitgliederschwund entgegenwirken. „Ich kann nicht auf starke Sparten wie Tischtennis oder Volleyball verzichten“, so Pleschka. Die Betriebssportgemeinschaft Hamburg Wasser e.V. verweist auf das Bezirksamt. Letztendlich müsse dort über die Zeiten entschieden werden, lässt der Vorsitzende Thomas Calmer über die Pressestelle verkünden. Robert Hillbrecht kann das nicht verstehen: „Es kann nicht sein, dass auf Gewohnheiten gepocht wird. Breitensport hat Vorrang vor Betriebssport. Und Kinder haben Vorrang vor Erwachsenen.“
Über 200 Kinder und Jugendliche spielen im FTSV Lorbeer regelmäßig Fußball. Hillbrecht: „Es wäre noch viel mehr möglich, denn wir haben einen regen Zulauf. Aber wo sollen wir die Kinder unterbringen?“ Mittlerweile hat der Projektmanager, der sein Traineramt ehrenamtlich ausübt, eine Arbeitsgruppe aus Lokalpolitikern und Eltern gegründet. Das Hauptziel: alle Kinder- und Jugendmannschaften unterbekommen, vor allem im Winter. Sobald der neue Kunstrasenplatz an der Marckmannstraße 125 wegen Vereisung gesperrt ist, müssen Kinder zuhause bleiben. „Es geht uns hauptsächlich um vier Monate zwischen Oktober und März in denen wir die Halle brauchen. Für diese Zeit sollte sich doch eine Lösung finden lassen“, so Hillbrecht. Mit der Frisbee- und Cheerleader-Abteilung hat er sich bereits auf eine Verlegung der Hallenzeiten geeinigt. „Aus Kulanz machen sie für uns erst nach 19 Uhr Sport.“ Bis zumSpätsommer hofft der Jugendtrainer auf weitere Unterstützung. „Wenn sich dann nichts getan hat, werden wir die Politik über eine Petition mit in die Verantwortung nehmen.“
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