Sport statt Gewalt in Hamburg

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Kristina Krahn und Ghasem Spili auf der Matte während einer Übungsstunde Foto: Möller

„Spili-Team“ vermittelt Respekt und hilft

Von Christa Möller
Hamburg. Das Mitarbeiterteam rund um Ghasem Spili hilft Kindern und Eltern gleichermaßen. „Wir arbeiten auf humanistischer Basis“, sagt der gebürtige Perser. Wertschätzung, Toleranz und Offenheit sind für ihn wichtige Tugenden, die er auch anderen vermitteln möchte. Vor fünf Jahren gründete er das „Spili-Team“, das mittlerweile an der Billstedter Hauptstraße 69 ansässig ist und noch eine Vereinszweigstelle am Lattenkamp hat. Sieben Sozial- und Sportpädagogen sowie Diplompychologen leisten dort sozialpädagogische Familienhilfe und Erziehungsbeistand. Außerdem sind sie in der Sozialen Gruppenarbeit aktiv. Letztere bringt den Kindern soziale Kompetenzen nahe, damit sie sich durchsetzen können und nicht alles gefallen lassen beziehungsweise nicht andere Jugendliche angreifen.
Die jungen Gruppenteilnehmer, Täter wie Opfer, bekommen durch sportliche Aktivitäten neue Perspektiven: „Wir möchten, dass sie sich selbst achten und stark sind, ohne andere zu verletzen“, sagt Ghasem Spili. Dabei will das Team mit den Kindern kommunizieren und auch mit den Eltern auf Augenhöhe sein. Manche Eltern müssten erst lernen, Grenzen zu setzen und den Kindern mehr Zeit zu schenken.

„Sport als Integrationshilfe“

Seit seinem 16. Lebensjahr betreibt Ghasem Spili Kampfkunst. Mit 23 Jahren kam er nach Deutschland. Er integrierte sich schnell, wobei ihm der Sport half. Auch sein Studium der Sport- und Erziehungswissenschaften in Hamburg trug dazu bei. Der verheiratete Vater eines Sohnes möchte weitergeben, was auch ihm geholfen hat. So bietet er neben der Arbeit im Spili-Team unter anderem Kurse in Zusammenarbeit mit dem Frauenhaus Norderstedt mit Gewalterfahrung für Jungen an und leitet Sportkurse bei der Volkshochschule und in Sportvereinen. Außerdem ist er Integrationsbeauftragter beim Deutschen Ju-Jutsu-Verband.
Die Lehrer auffälliger Kinder, ob extrovertiert wie der Klassenkasper oder eher introvertiert und isoliert, wenden sich bei Problemen an die Eltern, die vom Jugendamt an das Spili-Team verwiesen werden können. Konfliktlösungen werden vom Spili-Team gemeinsam mit Eltern und Schule gesucht. „Die genauen Ziele unserer Hilfe werden nach einem halben Jahr zusammen mit dem Jugendamt besprochen“, sagt Sozialarbeiterin Kristina Krahn aus dem Spili-Team.
Die Kinder besuchen die Gruppen durchschnittlich ein Jahr lang. Hier gilt ein Ehrenkodex: Respekt, Bescheidenheit und Selbstkontrolle über Körper und Emotionen. Im vereinseigenen Dojo können Kinder sich auf den Judo-Matten richtig austoben und außerdem Kampfkunst wie Aikido, Judo, Karate oder Ju-Jutsu erlernen, aber auch, sich selbst, andere Menschen und die Natur respektvoll zu behandeln. Die Mehrzahl der Kinder in den Gruppen sind Jungs. „Wir haben jetzt erst mit einer Mädchengruppe angefangen. Überwiegend betreuen wir Jungs“, so Kristina Krahn.

Psychotherapie in Einzelfällen erforderlich

„Das Leben besteht aus lernen und lehren“, so Spili. „Wenn die Kinder auf den Geschmack kommen und ihnen eine Sportart gefällt, gehen wir mit ihnen in örtliche Vereine.“ Es werden aber auch musikalische oder andere kreative Talente gefördert. So finden die Teilnehmer neben dem Sport ihren Ausgleich und können sich verwirklichen. „Wir sind im Stadtteil gut vernetzt. Die Kinder müssen nicht raus aus ihrer gewohnten Umgebung“, erläutert Kristina Krahn.
Das Spili-Team leistet außerdem Erziehungsbeistand in Form der Einzelfallhilfe. Diese konzentriert sich auf Kinder und deren Eltern und hat die gesamte Familie im Blick. In manchen Fällen ist neben der Betreuung noch zusätzlich eine Psychotherapie erforderlich, weiß Psychologin Diana Bauer. Es gebe Einzelfälle, bei denen eine regelmäßige sozialpädagogische Familienhilfe installiert werden muss. Bei der Anzahl der Einzelfallhilfen sind Mädchen und Jungen gleichermaßen vertreten.

Fünfter Geburtstag am 5. September

Im Jahr werden insgesamt etwa 100 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und siebzehn Jahren betreut. „Jeder Bürger kann Hilfe zur Erziehung beantragen, der Staat zahlt diese. Es gibt keine zusätzlichen Kosten für die Eltern“, erklärt Ghasem Spili, der betont, dass sein Team kein Antiaggressionstraining anbietet. Am 5. September feiert das Spili-Team sein fünfjähriges Bestehen mit einem kleinen Fest für Vertreter von Jugendamt, Schulen der Sozialen Netzwerke sowie betreuter Eltern und Kinder.
Tel.: 040/ 38 65 44 68 oder spili-team.de
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