„Stadtspiel“ für mehr Miteinander

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Christina Saunus (l.), erste Vorsitzende und Ingrid Möller, Mitglied, haben sich ein Brettspiel in den Verein geholt und hoffen jetzt auf Mitspieler Foto: Grell
 
Die schmucken Häuschen, die noch aus der Nachkriegszeit stammen, wurden mit den Jahren zu Einzelhäusern Foto: Grell

Neue Initiative des Kleingartenvereins Horner Marsch

Von Karen Grell
Horn
Der Kleingartenverein Horner Marsch ist zwar nicht der älteste in Hamburg, dafür aber der größte. Mit knapp 1000 Parzellen gibt es hier mehr Pächter als in jeder anderen Laubenkolonie der Stadt. Das ganz Besondere auf dem Gelände südlich der Horner Rennbahn sind die 164 verbliebenden Parzellen, die noch von Dauernutzern bewohnt werden. Nach dem Krieg dienten viele Lauben als Behelfsheime und wurden mit den Jahren zu schmucken Einzelhäuschen hergerichtet. Aus dem Schornstein qualmt Rauch, vor den Fenstern hängen gemütliche Gardinen und die Fassaden sind ordentlich verputzt. Wer in einem dieser Steinhäuschen bis heute wohnt, darf bleiben. „Allerdings läuft das Wohnrecht aus“, erklärt die erste Vorsitzende des Vereins Christina Saunus, die selber fest vor Ort wohnt und ihr Leben dort als „das absolute Paradies“ beschreibt.

Große Vielfalt


Verlässt der bisherige Mieter seine Unterkunft, wird das Haus abgerissen und das Grundstück wieder als Kleingarten vergeben. In der Horner Marsch gibt es somit die unterschiedlichsten Gartennutzer. Die vielen Kleingärtner, die aus ihren engen Mietwohnungen entfliehen wollen und einfach ein bisschen Zeit in der Natur verbringen möchten, die Dauerbewohner, die hier ein Stück Idylle gefunden haben und dann auch immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund, die in den letzten Jahren das so typisch deutsche Vereinsleben auch für sich entdeckt haben. „Da kommt eine große Vielfalt an Lebensformen zusammen“, erzählt Ingrid Möller, die ebenfalls eine kleine Laube hier mit Garten gepachtet hat. Das bringe jede Menge neuer Kontakte, so die Mutter eines Sohnes, aber eben auch immer mal wieder ein paar Unstimmigkeiten und Missverständnisse. Um die Vereinsmitglieder besser zu vernetzen und bei über tausend Gartenfreunden eine gemeinsame Linie zu finden, hatte Ingrid Möller eine außergewöhnliche Idee: „Wir spielen einfach zusammen“. Von dem Brettspiel „Der Stadtspieler“ inspiriert, bei dem es um Kommunikation, Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung in den Quartieren geht, hat Ingrid vorgeschlagen, auch den eigenen Verein ans Brettspiel zu bringen. Das Gesellschaftsspiel, das Georg Pohl vor 15 Jahren entwickelte, hat schon in vielen Institutionen großen Beifall bekommen und soll nun dazu beitragen, auch die Vereinsmitglieder der Horner Marsch ins Gespräch und an einen gemeinsamen Tisch zu bringen. „Mir hat die Idee sofort super gefallen“, meint auch Christina Saunus, die für den Verein außerdem ein interkulturelles Gartenfest plant. In den vergangenen Jahren sei es einfach mit der Gemeinschaft weniger geworden. Der Verein hofft auch wieder auf Zuwachs, denn immerhin 50 Parzellen stehen zurzeit leer und könnten neue Schreber gebrauchen. „Jedes Neumitglied hat zwei Jahre Zeit, um sich eine Laube zwischen 12 und 24 Quadratmetern aufzustellen“, erklärt die erste Vorsitzende. Den Garten könne jeder dann so gestalten, wie er wolle, nur ordentlich solle es eben aussehen. Ingrid und Christina setzen nun zunächst auf den ersten Spieleabend im Verein und dann wird sich zeigen, ob dieser zu einer dauerhaften Veranstaltung wird und dem Vereinsleben einen neuen Impuls geben kann. Wer mitspielen will, ist herzlich willkommen. (kg)

Stadtspiel, 11. März, ab 18 Uhr, Beginn 18.30 Uhr im Kleingartenverein Horner Marsch 142, Vereinshaus auf dem großen Spielplatz, Kontakt Ingrid Möller, 43267783, die Teilnahme ist kostenlos
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