Streit um die Hauptstraße

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Ralph Ziegenbalg, Leiter der Geschichtswerkstatt, plädiert für eine weitere Verkehrsberuhigung an der Billstedter Hauptstraße Foto: Jenssen
 
Testweise wurde 2013 der Fahrradverkehr zugunsten breiterer Gehwege auf die Fahrbahn verlegt Foto: wb

Geschichtswerkstatt will Zeichnungen zur Verkehrsberuhigung. Bezirksamt lehnt ab

Von Martin Jenssen
Billstedt
Der Anfang wurde gemacht. Doch die Fortsetzung lässt auf sich warten. Es geht um die Umgestaltung der Billstedter Hauptstraße. Im Frühjahr 2012 wurde Teile zwischen Reclamstraße und Am alten Zoll verkehrsberuhigt. Realisiert wurde die Verengung dadurch, dass der Radweg zu beiden Seiten auf die Fahrbahn verlagert und entsprechend ummarkiert wurde. Außerdem richtete man auf Höhe der veralteten Fußgängerbrücke eine Sprunginsel ein, um eine ebenerdige Querung zu ermöglichen. Ein Umfrage ergab, dass 75 Prozent der befragten Billstedter sich für eine „weitere Reduzierung der Billstedter Hauptstraße auf zwei Fahrstreifen plus Radfahrstreifen“ aussprachen.

„Die Anwohner wollen eine vollständige Neugestaltung.“ Ralph Ziegenbalg, Leiter der Geschichtswerkstatt

Die Geschichtswerkstatt Billstedt möchte deshalb zeigen, dass aus der Billstedter Hauptstraße, die heute von vielen Anwohnern als „Schandfleck“ gesehen wird, doch wieder ein „Schönheit“ werden kann. Um das zu beweisen will die Geschichtswerkstatt Billstedt einen Architekten beauftragen, Zeichnungen zu erstellen, die zeigen, wie die Straße nach einer weiteren Verkehrsberuhigung aussehen könnte. „Die Anwohner wollen“, so Ralph Ziegenbalg, der Leiter der Geschichtswerkstatt, „eine vollständige Neugestaltung.“
Nach Ansicht der Geschichtswerkstatt gehört dazu ein zweispuriger Radweg auf der Nordseite der Billstedter Hauptstraße, der vom Tal des Schleemer Baches bis zur Washington Allee geführt wird. Die hässliche Fußgängerbrücke zum Billstedt Zentrum soll abgerissen werden. Die Kosten der Visualisierung dieser Projekte durch einen Architekten betragen 1800 Euro. Um die Zeichnung im Herbst auf dem „BilleVue“-Festival vorzustellen, werden weitere 700 Euro benötigt. Der Betrag von 2.500 Euro wurde von Ziegenbalg aus Mitteln des Verfügungsfonds Billstedt-Horn beantragt. Der Fond, der über 30.000 Euro verfügt, soll kleinere Projekte fördern, die das Leben in den Stadtteilen bereichern. Es ist ein Bürgergremium, das diese Mittel vergibt. Der Antrag der Geschichtswerkstatt wurde von dem Gremium genehmigt, vom Bezirksamt aber abgelehnt. Mit dem Hinweis, dass mit der Präsentation schon Fakten geschaffen würden.
Wörtlich heißt es in dem Ablehnungsschreiben: „Wir begrüßen Ihr Engagement für das Projekt Umgestaltung der Billstedter Hauptstraße ausdrücklich. Es ist aber leider so, dass es sich bei Ihrem Projekt nicht um eine ‚in sich abgeschlossene Maßnahme‘ handelt, denn es zielt explizit auf einen Millionenschweren Umbau der Billstedter Hauptstraße, für den hier geworben werden soll. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Finanzierung der baulichen Umsetzung der dauerhaften Reduzierung auf zwei Fahrstreifen sowie die Arbeiten in den Nebenanlagen jedoch nicht geklärt. Es wäre hierfür auch kontraproduktiv, wenn durch eine Visualisierung bereits Fakten geschaffen würden, die anderen interessierten Bürgern dann die Beteiligung und eigene Ideenfindung erschweren würde.“
Über diese Absage ist Ralph Ziegenbalg empört. Er argumentiert: „Durch die Visualisierung werden keine Fakten geschaffen, sondern es wird ein Diskussionsimpuls gesetzt, der dazu anregt, sich Gedanken darüber zu machen, was sein kann und soll. Dass im Moment keine Aussicht auf Realisierung besteht, ist kein Argument. Wie finanzielle Mittel eingesetzt werden, ist eine politische Entscheidung. Nach letzten Schätzungen hat die Stadt Hamburg im vergangenen Jahr einen Überschuss von 400 Millionen Euro erwirtschaftet.“

Weitere Vorschläge


Es gibt noch viele weitere Vorschläge für die Umgestaltung der Billstedter Hauptstraße: Der Platz unter der Brücke an der Abzweigung zur Möllner Landstraße könnte zu einer lebendigen Piazza umgestaltet werden. An den Abzweigungen Reclamstraße/Billstedter Hauptstraße und Möllner Landstraße/Reclamstraße sollten Kreisverkehre entstehen. Die Unterführung unter der Billstedter Hauptstraße im Tal des Schleemer Baches sollte abgerissen und durch eine ebenerdige Querung ersetzt werden. Im gesamten Bereich der Straße sollte eine neue Beleuchtung geschaffen werden.
Sollte es bei der Ablehnung durch das Bezirksamt bleiben, ist zu hoffen, dass sich vielleicht ein andere Möglichkeit findet, das Projekt zu fördern, denn in den Plänen des Senats mit dem „Sprung nach Osten“ sollte die Verschönerung der Billstedter Hauptstraße ein wichtiges Anliegen bleiben.
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