Streit um Parkraum in Billstedt

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Die Fußgängerzone in der Möllner Landstraße soll neu überplant werden. Das wird aber nicht sofort passieren Foto: Timm
 
Die Brücke über die Billstedter Hauptstraße soll abgerissen werden Foto: Timm

Billstedter Zentrum: Kompromiss für Wohnbebauung und ruhenden Verkehr gesucht

Kontroversen um das Sanierungsgebiet im Bill-stedter Zentrum zeichneten sich in der gemeinsamen Sitzung des Regionalausschusses Billstedt und des Ausschusses für Wohnen und Stadtteilentwicklung am letzten Dienstag ab. Während Fachamtsleiter Michael Mathe eindringlich dafür warb, die Projekte mit Mut anzugehen, forderten Abgeordnete vernünftige Lösungen für den ruhenden Verkehr.
Zu den Flächen, die bebaut werden sollen, gehören nämlich die derzeitigen Parkplätze an der Reclamstraße und am Geesthang. Seit Monaten laufen Gespräche und Planungen für das Sanierungsgebiet im Billstedter Zentrum (das Hamburger Wochenblatt berichtete). Zwischen Schiffbeker Weg, Maukestieg, Reclamstraße und Billstedter Hauptstraße soll in den nächsten acht Jahren saniert und umgebaut werden. Der Hamburger Senat hatte im Mai den förmlichen Aufstellungsbeschluss für das Sanierungsgebiet gefasst. Die Verwaltung plant, mit dem Umbau der Billstedter Hauptstraße zu starten – die Fußgängerbrücke wird abgerissen, das Billstedter Zentrum soll außerdem mit einer Art „Piazza“ eröffnet werden.

Michael Mathe umreißt drei Ziele: Nach seinen Worten soll das Billstedter Zentrum wieder Strahlkraft entwickeln, das Wohnen im Bestand verbessert und neue Zielgruppen angelockt werden, außerdem will die Verwaltung die Aufenthaltsqualität im Billstedter Zentrum steigern. Das Bezirksamt hat 14 Potenzialflächen auf dem 47 Hektar großen Sanierungsgebiet ausgemacht, auf denen Veränderungsmöglichkeiten geprüft werden. In Arbeit ist ein integriertes Entwicklungskonzept, außerdem wird ein städtebaulicher Rahmenplan, der die Perspektiven bis zum Jahr 2030 umreißt, vorangetrieben.

Der Amtsleiter skizzierte mehrere Ideen: So könnte das Grundstück eines Discounters auf dem Schiffbeker Weg neu bebaut werden – der jetzige Markt würde an die Straße rücken. Dazu sieht Mathe Wohnbebauung in zwei Reihen. An der Kreuzung Schiffbeker Weg/ Billstedter Hauptstraße könnte die einstöckige Bebauung gegenüber des Hotels zugunsten eines Geschäftshauses verschwinden. Auf dem Geestparkplatz hinter dem anderen Hotel stellt sich die Behörde Wohnbebauung vor mit Tiefgaragen darunter und einer transparenten Lärmschutzwand zur B5 – dies könne „ein Stück Image für Billstedt“ werden, glaubt Mathe. Am Parkplatz Reclamstraße sehen die Planer Wohnbebauung in zwei Schritten – bei behutsamem Umgang mit Baumbestand und teilweisem Erhalt der Parkplätze.

Mathe räumte vor den Ausschussmitgliedern gleich mehrfach ein, dass der ruhende Verkehr „ein total ernstes Thema“ sei. Aus seiner Sicht gibt es Alternativen für Parker, der Platz an der Reclamstraße sei nur zu 30 Prozent ausgelastet. „Einen kleinen Tod muss man sterben, wenn man Entwicklung haben will“, so der Amtsleiter. Das derzeitige Konzept sieht laut Mathe für das Sanierungsgebiet 500 neue Wohneinheiten vor.

Kaum Parkplätze

Die Debatte spitzte sich im Kern auf die Frage zu, was mit den Parkplätzen geschehen soll. Während Mathe argumentierte, dass es Entwicklung nur geben könne, wenn man für Parken genutzte Flächen in die Überlegungen einbeziehe, stießen sich die Abgeordneten daran, dass schon gegenwärtig nicht aus-reichend Parkplätze existierten. Das Parkhaus an der Bill-
stedter Hauptstraße habe nicht nur eine schlechte Zufahrt, sondern sei schon sehr voll – ebenso wie die ECE-Parkplätze.
Frank Ramlow (SPD) monierte erneut den Umgang mit den Marktbeschickern, die durch die Bewirtschaftung des Reclamstraßen-Parkplatzes keine Parkmöglichkeiten hätten: Die ersten drei Marktbeschicker hätten sich bereits abgemeldet. Wolfdietrich Thürnagel (Piraten) merkte in sehr scharfen Tönen an, dass die Preise steigen würden, Kleingewerbe Schaden nehmen, er wolle so nicht zustimmen. Michael Mathe will den Maßstab im Städtebau zurückholen – unabhängig von kurzfristigen Leitbildern. Nichts von den Planungen sei „in Stein gemeißelt“, natürlich gebe es Konflikte, wenn man in Straßenräume eingreife. (fbt)

Infoveranstaltung des
Bezirks Mitte zum Sanierungsgebiet am Mittwoch,
19. Juli , 19 Uhr,
Kultur Palast, Großer Saal, Öjendorfer Weg 30a
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