Tag 180 im Bröckel-Haus

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Das Wohnhaus an der Horner Landstraße 192 machte vor sechs Monaten Schlagzeilen, als Teile der Fassade einstürzten Foto: mdt

Im Sommer stürzten Teile der Außenwand ab. Seitdem stieg nur die Miete…

Von Marco Dittmer
Horn
Risse in den Wänden, Teile der Fassade fehlen, in den Wohnungen wächst der Schimmel – vor sechs Monaten stürzten metergroße Stücke der Außenwand eines Wohnhauses an der Horner Landstraße krachend auf den Bürgersteig. Nur mit Glück wurde niemand verletzt. Bewohner berichteten damals von Rissen in den Wänden und Schimmel in ihren Wohnungen.
Das alles könnte erst vergangene Woche passiert sein, diesen Eindruck bekommen Passanten heute. Nicht nur das Gerüst steht noch. Trümmer und ein abgerissenes Schild eines Sonnenstudios liegen vor dem Wohnhaus auf dem Gehweg. An der Fassade wurde ebenfalls nichts gemacht. Laut Anwohner waren zwar Gutachter wenige Tage nach dem Unfall auf dem Gerüst zu sehen. Repariert wurde die marode Rotklinker-Fassade jedoch nicht. Um ein Fenster im ersten Obergeschoss sieht man das blanke Dämmmaterial.
Warum die Arbeiten an dem Wohnhaus noch nicht begonnen haben bleibt weiter unklar. „Der Eigentümer hat unter Einhaltung der Vorschriften die Bauarbeiten durchzuführen. Eine Zeitvorgabe hierzu gibt es nicht“, sagt Norman Cordes, Sprecher Bezirksamt Hamburg-Mitte. Fragen des Hamburger Wochenblatts wollte die Wohnungsgesellschaft Dr. O. Campe & Co e. K., nicht beantworten. Das Unternehmen mit Sitz in der Hamburger Innenstadt verwaltet Immobilien für private Eigentümer, zum Bestand gehören sowohl Wohnhäuser als auch Gewerbeflächen.

Verwalter gibt keine Stellungnahme


An der Horner Landstraße bröckelt der Putz offenbar aber auch hinter der Fassade. Einige Mieter klagen über Schimmel in ihren Wohnungen, in dem Sonnenstudio im Erdgeschoss gibt es Risse in den Wänden. Die Beschwerden der Mieter beantworte die Verwaltung meist nur mit Tipps zum richtigen Lüften oder monatelang gar nicht sagen Bewohner. Schneller sind sie dagegen, wenn Bewohner ihren Müll nicht ordnungsgemäß entsorgen. Dann hängt schon nach wenigen Tagen ein Aushang im Treppenhaus auf dem die Verwaltung mit zusätzlichen Kosten droht. Eine Mieterin, die nicht genannt werden möchte, beschreibt die Stimmung der Bewohner: „Wir fühlen uns alleingelassen. Seit Januar zahlen wir auch noch mehr Miete.“ Die Mieterin zahlt 780 Euro Warmmiete für ihre 76 Quadratmeter große Wohnung. In den Mietverträgen schreibt der Vermieter eine Staffelmiete vor, die eine jährliche Erhöhung von rund zwanzig Euro vorsieht. In welchem Zustand sich das Wohnhaus dabei befindet, spielt für den Vermieter offenbar keine Rolle.
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