Tierschützer verklagen Rennclub

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Hürdenrennen gehören seit vielen Jahren zum Rennprogramm in HornFoto: Frank Sorge

Tödlicher Galoppunfall: Nach Peta überlegt auch HTV, ob er Anzeige erstattet

Von Hans-Eckart Jaeger
Horn. Die Staatsanwaltschaft am Gorch-Fock-Wall in Hamburg hat Post erhalten. Absender: Dr. sc. agr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung von PETA Deutschland e.V. in Gerlingen. In einem sechsseitigen Schreiben, das dem WochenBlatt vorliegt, erstattet Haferbeck im Namen der Tierrechtsorganisation PETA, die nach eigenen Angaben weltweit über mehr als drei Millionen Unterstützer verfügt, wegen des Verdachts des vorsätzlichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz Strafanzeige gegen „Peter Tasch und andere Verantwortliche des Pferde-Hindernisrennens in Hamburg-Horn”. Beate Raack vom Hamburger Tierschutzverein (HTV) kündigte an: „Wir überlegen, ob wir uns der Strafanzeige anschließen sollen.“
Peter Tasch ist Vorsitzender der Rennleitung des Hamburger Renn-Clubs (HRC), die beim alljährlichen Galoppermeeting den ordnungsgemäßen Ablauf der Rennen überwacht und Verstöße gegen die Rennordnung wie zuviele Peitschenhiebe ahndet.
Am 6. Juli waren in einem Hürdenrennen am ersten Hindernis drei Pferde reiterlos geworden. Sie galoppierten weiter. Vergeblich bemühten sich Streckenposten, die Vierbeiner einzufangen. Diese drehten überraschend um und liefen dem Feld entgegen. Es kam zu Zusammenstößen, die Pferde Cool Kid und Glad Royal starben. Der Jockey erlitt schwerste Handverletzungen.
Warum ging das Rennen weiter, warum brach die Rennleitung die Prüfung nicht vorher ab? HRC-Präsident Eugen-Andreas Wahler, früher selbst Hindernisreiter und Rennleitungschef Tasch versicherten übereinstimmend: „Es war dazu keine Zeit mehr.“
Hier hakt PETA-Berater Haferbeck in seinem Schreiben an die Staatsanwaltschaft ein: „Die Ausreden des hier Beanzeigten, dies hätte alles weniger als eine Minute gedauert und deshalb wäre eine Rennunterbrechung nicht möglich gewesen, ist als reine und plumpe Schutzbehauptung einzuordnen. Es werden vorsätzlich erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden, auch bis zum Tod von Pferden, in Kauf genommen.“ Und weiter: „Genau dieses vorsätzliche und bewusste Verhalten ist den Verantwortlichen der Rennleitung nachzuweisen, die hier dieses schweren Zusammenstoß nicht verhindert haben, was ohne weiteres möglich gewesen wäre.“
HRC-Präsident Wahler weist diese Behauptung zurück: „Ich sehe der Sache gelassen entgegen. Es sind alle Vorschriften eingehalten worden.“ Auf der HRC-Vorstandssitzung am Montag wurde entschieden: Erst im Dezember oder Januar wird darüber beraten, ob Hürdenrennen in Hamburg abgeschafft werden. Die Besitzer der beiden toten Galopper werden von ihrer Versicherung entschädigt, an Schadenserssatzforderungen denken sie nicht.
Glaubt PETA-Rechtsbeistand Haferbeck, dass es überhaupt zu einer Gerichtsverhandlung kommen wird?: „Wir sind das Bohren dicker Bretter gewohnt. Sobald das Aktenzeichen eingetroffen ist, werden wir noch weiter vortragen, auch hinsichtlich des Verstoßes der Rennleitung gegen § 13 StGB (Unterlassung), da uns hierzu mittlerweile weitere Augenzeugenberichte vorliegen“, so Edmund Haferbeck.
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