„Timo“-Gemeinde braucht Hilfe

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Harte Zeiten für St. Timotheus Foto: fbt
 
Die Kandidaten nahmen nach der Versammlung schon mal gemeinsam an einem Tisch Platz Foto: fbt
Hamburg: Washingtonallee 65 |

Neuer Kirchengemeinderat in Horn wird am 12. März gewählt. Finanzielle Lage ist dramatisch

Von Frank Berno Timm
Horn
Die evangelische Gemeinde St. Timotheus an der Washingtonallee steckt in Schwierigkeiten. Aus der Sicht des Kirchenkreises Hamburg Ost gibt es ein erhebliches finanzielles Defizit, das noch weiter anwachsen wird. Seit der bisherige Kirchenvorstand im letzten Sommer zu überwiegenden Teilen zurücktrat, stehen die Zeichen offensichtlich auf Sturm: Zum regulären Wahltermin des Kirchengemeinderats kurz vor Weihnachten gab es keine Kandidaten. Nun wird die Wahl am 12. März nachgeholt. „Ich möchte, dass es hier weitergeht.“ So oder ähnlich äußerten sich sechs Frauen und Männer, die sich am vergangenen Dienstag in St. Timotheus ihrer Gemeindeversammlung als Kandidaten für den neuen Kirchengemeinderat vorstellten. Dieses Gremium ist in einer evangelischen Gemeinde der Nordkirche die Leitung, in St. Timotheus gehören ihm sieben Personen an – einschließlich Pastor Holger Beermann. Sie kümmern sich unter anderem auch um die Finanzen – und die haben es in sich.

Kirchenkreis-Ost gibt keine Gelder mehr


Seit Sommer wurde „Timo“, wie die Gemeinde allgemein genannt wird, von einem „Beauftragtengremium“ geleitet. Weil aus dem letzten Kirchenvorstand vier von sieben Mitgliedern ihren Rücktritt erklärt hatten, amtierten Mitarbeiter des Kirchenkreises an ihrer Stelle. Zu ihnen gehörte Bau- und Finanzexpertin Sabine Schmitz, die nun vor den Gästen des Abends ein mehr als dramatisches Bild über Timos Situation zeichnete. Nach einem Beschluss der Kirchenkreissynode erhalte die Gemeinde mittelfristig keine Mittel mehr, um ihre Gebäude in Ordnung zu halten (das Wochenblatt berichtete). In der gesamten Nordkirche gebe es täglich 118 Kirchenaustritte, mit jedem Kirchenglied gingen 234 Euro Steuern verloren, „das ist eine halbe Stelle“. Die Timotheusgemeinde werde, so Sabrina Schmitz, schon 2017 ein Defizit von rund 41.000 Euro haben, bis 2021 werde es auf 100.000 Euro/Jahr anwachsen. Für die Versorgung der Gebäude gebe es zweckgebundene Rücklagen von 51.000 Euro. Für fällige Baumaßnahmen müsse man mit 100.000 Euro rechnen. Wolle man eine neue Kindertagesstätte errichten, würden dafür zwei Millionen Euro notwendig sein. Jahrelang, hieß es in der Runde, sei die offizielle Auskunft gewesen, dass Timo eine schwarze Null schreibe.

Sanierungsstau in der Gemeinde


„Ich bin sehr erschüttert über die Zahlen“, so eine Teilnehmerin. Sabrina Schmitz brachte als Alternative ins Spiel, mit der Nachbargemeinde zusammen zu gehen und auf dem Timo-Grundstück Wohnungen zu bauen, um damit Geld zu verdienen. Auch die Mieteinnahmen in Timo von 85.000 Euro im Jahr retten es nach ihren Worten nicht – sie seien in die Bilanz schon eingerechnet. Die zuständige Pröpstin Astrid Kleist bekräftigte, zur Schließung der Gemeinde habe sie „nicht die Autorität“. Die Autonomie der Gemeinde sei „ein hohes Gut“, Fusionen könnten „nicht verordnet werden“. In der Gemeinde gebe es einen Sanierungsstau. Kleist betonte, es sei jetzt noch Zeit, „nach Lösungen zu suchen“ und es gehe darum „gute Ideen zu entwickeln“.

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