Trotz Demenz in den eigenen vier Wänden leben

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Die Robbe als Kuscheltier soll den Betroffenen Emotionen entlocken. Andreas Günther und Gabriela Magiera-Schütt stellten das Tier vor Foto: kg

Mit Kleinigkeiten lässt sich für Betroffene viel bewirken

Von Karen Grell
Horn
Menschen, die an Demenz erkrankt sind, haben zwar meist noch gute Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, finden sich im normalen Alltag aber immer weniger zurecht. Deshalb sei die Gestaltung der Wohnung, auf die neue Gegebenheit angepasst, besonders wichtig, meinen Beate Stiebitz und Michael Günther von Pflegen und Wohnen am Holstenhof, die in der vergangenen Woche in der Horner Freiheit eine solche Wohnungseinrichtung vorgestellt haben. „Wichtig sind Kontraste“, so Stiebitz, denn dadurch könnten die Betroffenen verschiedene Gegenstände voneinander unterscheiden. „Das fängt schon beim Geschirr an“, erklärt Michael Günther. „Ist ganz in weiß gedeckt, dann hebt sich die Suppenschüssel nicht von der Tasse ab und kann verwechselt werden.“ Der Tipp der Veranstalter von der Arbeitsgruppe „Leben mit Demenz“ ist deshalb, mit einfachen Mitteln in der bereits möblierten Wohnung konkrete Zeichen zu setzen.
Da reiche schon ein Klebeband, um den Rand eines Waschbeckens zu markieren, das Beschriften der Schränke, um daran zu erinnern, was in ihnen steckt oder das Verhängen der Spiegel und das Ausleuchten von dunklen Ecken, die bei den Demenzerkrankten Ängste auslösen können. „Man muss nicht viel investieren, um die Wohnsituation für die Betroffenen einfacher zu gestalten“, meint Beate Stiebitz.

Demenz kein Tabu-Thema

Die Musterwohnung, die zur Diakonie-Stiftung MitMenschlichkeit gehört, tourt das ganze Jahr über durch Hamburg. „Demenz ist heute kein Tabu-Thema mehr“, sagt das Beraterteam. Man wisse heute sehr viel über den Verlauf des Krankheitsbildes und könne sich deshalb gezielt auf die Entwicklung einstellen. Im Fokus sollte immer die ganz individuelle Biografie-Arbeit stehen, um den Erkrankten dann dort abzuholen, wo ihm am besten geholfen werden kann. „Wir spielen dann Kartenspiele, die aus der Kindheit der Demenzerkrankten stammen oder sprechen über die alten Zeiten.“ Oft komme bei der Pflege der Betroffenen auch eine Stofftier-Robbe zum Einsatz, die auf Knopfdruck mit den Augen blinzelt und schnurrt, wenn sie gestreichelt wird. „Dabei zeigen die Menschen dann auch wieder Emotionen“, sagt Gabriela Magiera-Schütt, die zum Team von Pflegen und Wohnen gehört und „Robbie“ in der Beratungswoche vorgestellt hat. „Wer an Demenz leidet, der soll ein möglichst schönes Leben behalten, sich auch in der eigenen Wohnung lange allein orientieren können.“

Weitere Infos und Kontakt: Leben mit Demenz im Hamburger Osten, Telefon 65 57 336; Diakonie-Stiftung MitMenschlichkeit, Telefon 30 620-261
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