U4-Führung auf die Geest steht

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Auch für Anwohner der Legienstraße werden neue Strecken gebraucht Foto: fbt

Horner bekommen anderen Anschluss

Von Frank Berno Timm
Horn/Billstedt
Die U4, derzeit unterwegs nach Billstedt, soll zukünftig von der Horner Rennbahn auf die Horner Geest fahren. Die Hochbahn hat die Machbarkeitsuntersuchung so gut wie abgeschlossen. Schon seit die SPD in der vergangenen Legislaturperiode allein regierte, kam die Idee, in Hamburg wieder eine Stadtbahn zu bauen, vom Tisch. Auch der jetzige rot-grüne Senat blieb dabei und treibt, außer der Busbeschleunigung, wieder den U-Bahn-Bau voran. Außer um die U5, die Steilshoop und Bramfeld mit U-Bahn versorgen soll, geht es auch um die U4. Derzeit ist in der Hafencity die Verlängerung zu den Elbbrücken im Bau. Auf der anderen Seite wird die Streckenführung ebenfalls verändert: Die Züge sollen nicht mehr nach Bill-stedt, sondern auf die Horner Geest fahren. Von Seiten der Hochbahn ist zu hören, die Streckenführung stehe „schon seit einiger Zeit“ fest. Technisch anspruchsvoll sei die Ausfädelung an der Horner Rennbahn – mindestens eine Fahrtrichtung muss nämlich unter- oder überquert werden, und das unterirdisch. Dann werden die Schienen unter der Manshardtstraße verlegt – gehalten werden soll an der Stoltenstraße und der Dannerallee. „Damit“, heißt es, „bekommen rund 13.000 Anwohner Zugang zur U-Bahn“. Gebaut werden soll ab 2019, die Inbetriebnahme, sagt Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum, ist für 2024 geplant. Weitere Netz-erweiterungen seien derzeit nicht vorgesehen.

Busse sind ständig voll


Heute fahren hier – außer dem manchmal recht umfangreichen Individualverkehr – vor allem volle Busse. Sie stellen Verbindungen von der Horner Rennbahn zum Öjendorfer Friedhof und zum Wandsbeker Markt (vorbei an der Bundeswehr Universität) her. Die eingangs erwähnte Straßenbahn, die man heute als Stadtbahn bauen würde, ist hier wohl nie gefahren. Die „Sambawagen“ verkehrten zur Horner Rennbahn, nach Jenfeld, zum Letzten Heller und fuhren bis Billstedt. Dort, wo heute der Schiffbeker Weg Anlauf nach Billbrook nimmt, war die Billstedter Endstation, einen Betriebshof gab es an der Horner Rampe (heute parkt hier die Hochbahn-Tochter Jasper einen Teil ihrer Busse). Insgesamt befindet sich die Hamburger Hochbahn auf einem durchaus aufsteigenden Ast. Gerade hat sie beim Herstellerkonsortium Alstom/Bombardier weitere 27 Triebwagen vom Typ DT5 bestellt. Dieser Schritt passt zu steigenden Fahrgastzahlen – der schicke Wagen in Edelstahloptik ist seit einigen Wochen auch auf der U4 unterwegs, weil ein Kurzzug des Vorgängermodells in der Hauptverkehrszeit laut Hochbahn nicht mehr ausreicht.

Kommentar: Gut gemeint, aber nicht genug

Wer täglich den HVV nutzt, weiß: Es fehlt etwas. Vor allem: Querverbindungen. Zwischen Billstedt, Jenfeld und Tonndorf muss die Hochbahn längst Gelenkbusse einsetzen, weil sonst der Platz nicht reicht. Ähnliches gilt zwischen Horner Rennbahn und Wandsbek Markt: Hier tuckern so genannte Standardbusse dreier Linien, die manchmal noch am späten Abend rammelvoll sind. Wer es eilig hat, muss mit der Bahn über Hauptbahnhof oder Berliner Tor „turnen“, wenn er aus Billstedt nach Wandsbek und darüber hinaus will. Ohne Auto, versteht sich.
Immer wieder zeigt sich: Der politisch gewollte Abschied von der Stadtbahn – moderne Konzepte eines solchen Verkehrsmittels gibt es weltweit hundertfach – ist ein Fehler. Er führt nicht nur zu überfüllten Bussen, sondern zu einer Belastung der Infrastruktur, die durchaus nicht zukunftsorientiert ist. Wer ein wenig im Netz
surft, findet schnell diverse Seiten, die sich noch heute mit Hamburgs Abschied von der Straßenbahn auseinander setzen. Das ist nur auf einen ersten flüchtigen Blick hin Spinnerei.
Die Hochbahn prognostiziert, die U4-Ausfädelung auf die Horner Geest werde 13.000 Menschen U-Bahn-Anschluss bringen. Das ist nicht allzu viel. Was ist mit Jenfeld (rund 24.000 Einwohner)? Und Rahlstedt (rund 87.000)? Müssen sich diese beiden Stadtteile auf Dauer mit der Lübecker Bahn begnügen, um schnell in die Innenstadt zu kommen? Wann die geplante S4 nach Bad Oldesloe in diese Richtung tatsächlich fahren wird, ist die Frage. (Von Frank Berno Timm)
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