Und plötzlich ist die Ampel weg...

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„Ohne Ampel kommen wir hier nicht über die Straße“, beschweren sich die Grundschüler. Für ein Parkverbotschild blieb der alte Ampelmast noch stehen Foto: Grell
 
Julia Gotwich sammelt spontan Unterschriften gegen den Abbau der Ampel. Die Eltern wollen sofort aktiv werden, bevor ein Unfall passiert Foto: Grell

Schulweg in Billstedt ungesichert. Was Behörde und Polizei sagen

Von Karen Grell
Billstedt
Am Anfang der vergangenen Woche kehrten viele der Kinder von der Grundschule An der Glinder Au in Billstedt auf ihrem Schulweg wieder um und liefen zurück nach Hause. Nicht, weil sie plötzlich keine Lust mehr auf den Unterricht hatten, sondern weil ihnen über Nacht die einzige Ampel zum Überqueren der Straße Steinbeker Markt genommen worden war.

„Ich habe alles versucht, um die Straße zu überqueren“ Schüler Lucio

Julia Gotwich wollte ihrem Sohn Nico zuerst gar nicht glauben, überzeugte sich dann selbst vor Ort. Der Mast stand noch, daran ein Parkverbotsschild. Die Ampel aber, die war weg. „Hier fahren gerade in der Dämmerung am Morgen viele Autos und nur wenige halten sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit von immerhin 50 Stundenkilometern. Die Bedarfsampel an dieser Stelle ist absolut notwendig, damit unsere Kinder sicher über die Straße kommen“, sagt die Frau. Sie und weitere Mütter fragten in der Schule nach. Dort war das Verschwinden der Ampel bereits aufgefallen. Eine Nachfrage beim Bezirksamt aber ohne Erfolg geblieben. „Man konnte uns nicht erklären, warum die Bedarfsampel ohne Vorankündigung entfernt und ersatzweise nicht einmal ein Zebrastreifen installiert wurde. Wir sind fassungslos angesichts dieses Vorgangs“, sagt Lehrer Hannes Köhler.
Für die Kinder ist die Situation nicht schön. „Ich habe alles versucht, um die Straße zu überqueren“, erklärt Lucio, sogar die Hand habe er herausgehalten, konnte damit aber keinen der Autofahrer zum Stoppen bewegen. Die Eltern sind sprachlos. „Bis ein Unfall passiert warten wir auf keinem Fall“, ärgert sich Julia. Ohne Ampel oder Zebrastreifen geht es hier gar nicht, meinen alle betroffenen Eltern, die nun Unterschriften für die Wiederanbringung einer Ampel sammeln wollen.
Schulsekretärin Silke Lange, seit über 20 Jahren im Amt, kann zumindest die Geschichte erzählen, die überhaupt zum Aufstellen der Ampel
geführt hat. „Vor Jahren gab es noch eine weitere Schule am Oststeinbeker Weg, die allerdings seit zwölf Jahren geschlossen ist“, sagt sie. Diese Schule sei damals der Grund für das Aufstellen der Ampel gewesen. Das bestätigt auf Nachfrage Tanja von der Ahé von der Polizeipressestelle. In einer schriftlichen Stellungnahme begründet sie auch die Demontage der Ampel. Wörtlich heißt es: „Die Fußgängerbedarfsampel wurde an dieser Stelle ursprünglich aus Gründen der Schulwegsicherung für Schulkinder aus dem Wohnquartier Brockhausweg-Letternkamp über Landjägerstieg zum Schulgelände Oststeinbeker Weg eingerichtet. Der Schulbetrieb im Oststeinbeker Weg wurde vor einigen Jahren eingestellt. Lediglich die Sporthalle wird noch von einigen Schulkindern der Schule Möllner Landstraße / Oberschleems 9 genutzt. Verkehrszählungen haben ergeben, dass die Verkehrsbelastungszahlen für die Einrichtung / Beibehaltung der Ampel nicht ausreichend sind. Fußgänger können im Bereich der Steinbeker Marktstraße die Fahrbahn ungefährdet überqueren. Zusätzlich trägt die Demontage auch zur Reduzierung der Schall- und Abgasemissionen durch die Verringerung der Halte- und Anfahrvorgängen bei. Die Notwendigkeit der Einrichtung eines Fußgängerüberweges wurde verneint.“
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2 Kommentare
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Michael Kahnt aus Barmbek | 27.01.2015 | 14:11  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 30.01.2015 | 13:31  
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