Vom Kuhstall bis zum Hausbau

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März 1928 Haupthaus und zweite Scheune von Behrmann‘s Hof. Ganz links die Wand der Garage Foto: Archiv Gerd Rasquin
 
Seit 1956 stehen an dieser Stelle die viergeschossigen Wohnhäuser Foto: Gerd von Borstel

Horn – damals und heute. Teil 15 der Serie

Von Gerd von Borstel
Horn
In der 15. Folge unserer Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn bummeln wir entlang der Keimzelle unseres Stadtteils. Heute erinnern nur die Straßennamen „Bauerberg", „Beim Pachthof" und „Beim Hirtenkaten" daran, dass hier einmal vier große Höfe mit ihren Nebengebäuden gestanden haben. Am heutigen Bauerberg 37-39, an der Ecke zum Dunkersweg, lag Behrmann's Hof – anno 1775 von Peter Behrmann errichtet. Der Horner Chronist Gerd Rasquin weiß davon folgendes zu berichten: Der hier schon 1762 dokumentierte Peter Behrmann war Vollhufner, ein Bauer, der als Grundbesitz eine, mehrere oder einen Teil einer Hufe Land besaß – etwa 30 Morgen. Er bewirtschaftete den Hof jahrzehntelang, später zusammen mit Sohn Peter Heinrich, der anno 1826 als Besitzer ausgewiesen ist. Nach ihm übernahm sein Sohn Heinrich den Hof. Er führte ihn ebenfalls viele Jahre und war noch 1878 im Adressbuch vermerkt.

Ein Hof mit langer Tradition


Eine Skizze vom 17. Februar 1902 weist den Scheunenbereich des Haupthauses als Stall für zwölf Pferde aus, und die bereits im Sommer 1826 rechts neben dem Hofhaus erbaute zweite Scheune beherbergte weitere neun Pferde. Im dahinter liegenden Stallgebäude hielt man zwölf Kühe. Unweit des Hofgebäudes lag neben der alten Dorfschule ein kleiner Teich, ursprünglich einmal als Wasservorrat für Brandfälle angelegt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war er als „Schulteich“ ein Begriff. Später sprach man nur noch von „Behrmann’s Teich“. Hier konnten Kinder im Winter herrlich rutschen und im Sommer jagten sie Kaulquappen und Wasserflöhe. Bis 1930 war der Hof stets im Familienbesitz. Das Adressbuch vermerkt als letzten Besitzer Heinrich Bernhard Behrmann. Nach dem Ersten Weltkrieg war es mit Landwirtschaft und Fuhrhaltung bergab gegangen. Schließlich musste der gesamte Bestand versteigert werden. Das Haus wurde nicht mehr gepflegt und verfiel langsam. Als dann noch ein Sturm das Strohdach zerstörte, ließ man es im Juni 1939 für 150 Mark abreißen. Links vor dem Hauptgebäude war am 24. Oktober 1927 Horns erste Autogarage fertig gestellt worden. Der „Kraftwagenraum“ gehörte Dr. med. Schwarze, der rechts vom Hof in der „Weißen Villa" seine Praxis betrieb. Er hatte sich schon im Frühjahr 1925 bei der Baupolizei nach den Bestimmungen zum Unterstellen eines Elektromobils erkundigt. Später entschied er sich jedoch für eine Opel-Limousine. Nach Abriss des Hofes blieb über Jahre nur die Garage auf der Fläche stehen. Erst 1956 wurden die jetzigen Häuser errichtet. Sie hatten zu dem Zeitpunkt die Adresse „Alter Bauerberg" 22 und 24. Diese Straße führte vom Dunkersweg vorbei am Bunker bis zum Elektromann am Horner Weg. Sie wurde mit Einweihung der U-Bahn 1967 aufgehoben. Das vordere Stück wurde Teil der neuen Trassenführung der Straße „Am Gojenboom".

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