Vom „Redder“ zum Weg

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Der Horner Weg um 1925 auf Höhe der heutigen Wichern-Schule mit Blick in Richtung Osten. Links im Hintergrund die Horner Meierei, rechts die Gebäude des Rauhen Hauses Foto: Archiv der Geschichtswerkstatt Horn, Quelle: Unteutsch

Geschichtswerkstatt Horn zeigt Diavortrag über Entwickung des Horner Wegs

Horn Nachdem der „echte“ Rundgang bereits zweimal stattgefunden hat, bieten die Hobbyhistoriker vom Stadtteilarchiv Horn nun die Geschichte des Horner Wegs in einem Diavortrag im Stadtteilhaus an. Ursprünglich hieß dieser Weg bei den Bürgern nur „Redder“. 1865 erhielt er seinen heutigen Namen. Es war schon immer die etwas ruhigere Verbindung zwischen Hamm und Horn, abseits der hektischen Horner Landstraße. Wer die steileren Straßen von der Marsch hinauf zur Geest im Horner Bereich mit seinem Fuhrwerk meiden wollte, nutze den „Redder“ ab Burgstraße. Die Besiedelung im Horner Bereich erfolgte erst spät, zuerst säumten nur kleine Höfe, die Gemeindewiesen und die Meierei den Weg. Als im September 1833 der damals 25-jährige Theologe Johann Hinrich Wichern zwischen dem Hohlerweg (heute „Beim Rauhen Haus) und dem „Redder“ sein „Rettungsdorf“ für die verwahrlosten Kindern aus den Elendsvierteln der Stadt gründete, kam etwas mehr Leben in die beschauliche Gegend auf dem Geestrücken. Auf dem staatseigenen nördlichen Teil der ehemaligen Bullenkoppel wurde zwischen 1910 und 1912 Horns zweite Volksschule errichtet, mit dreißig Klassenräumen seinerzeit eine der größten Hamburgs. Am 14. Oktober 1912 begann hier der Unterricht. Da es den Rhiemsweg noch nicht gab, hieß sie „Schule Morahtstraße“. Großstädtischen Charakter bekam der Horner Weg in den 1920iger Jahren, als links und rechts von der kopfsteingepflasterten Straße Großwohnhäuser errichtet wurden. Besonders prägend war die Siedlung gegenüber dem Rauhen Haus, die von der „Baugenossenschaft freier Gewerkschafter“ (BGFG) für kinderreiche Familien errichtet und 1928/29 bezogen wurde. Auch die Familie Glaser mit ihrer Tochter Loki bekam hier eine Wohnung. Später heiratete sie den ehemaligen Innensenator und Bundeskanzler Helmut Schmidt. Hier wohnten auch einige jüdische Familien, die im „Dritten Reich“ plötzlich aus ihren Wohnungen verschwunden waren. Stolpersteine erinnern heute an ihr Schicksal. Mit der Trümmerbahn begann die Nachkriegsgeschichte dieser Straße. In den wieder aufgebauten Häusern entstanden auch kleine Ladenzeilen, die den Anwohnern alles boten, was man zum täglichen Bedarf benötigte. Bilder vom Fleischer Feil und dem Fischgeschäft Beitel werden diese Zeit in Erinnerung rufen. Und auch für ein gemütliches Bier nach Feierabend war in den Gaststätten des Horner Wegs gesorgt. In einem 90-minütigen Vortrag lässt die Geschichtswerkstatt Horn den alten Horner Weg mit vielen Bildern aus dem Archiv noch einmal aufleben. (wb)

Diavortrag: Dienstag, 19. April, 19 Uhr, Saal des Stadtteilhauses „Horner Freiheit“, Am Gojenboom. Eintritt: 4 Euro. Weitere Infos: www.geschichtswerkstatt-horn.de
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