Was genau ist Ramadan?

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Vertreter der islamischen Zentren und Imame von Hamburger Moscheen sprachen über Aspekte und Besonderheiten des Fastenmonats
 
Ein festlich gedeckter Iftar-Tisch mit iranischen Speisen.

Muslime fasten einen Monat lang. Was erlaubt ist, wo informiert wird

Von Mai-Britt Wulf
Billstedt Für 1,5 Milliarden Muslime weltweit hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Auch in Hamburg werden viele Gläubige auf Essen und Trinken zwischen Tagesanbruch bis Sonnenuntergang verzichten. Im Gegensatz zu vielen islamisch geprägten Ländern, in denen man sich während des Ramadan auf einen anderen Lebensrhythmus einstellt, läuft in der Hansestadt der Alltag wie gewohnt weiter. Doch was genau ist Ramadan? Das Wochenblatt gibt einen Überblick.
Auch die Studentin Johanna Gorny wird weiter zur Universität gehen. Sie hat vor zwei Jahren das erste Mal gefastet. „Es ist schwierig“, sagt sie mit einem Lächeln, „aber der Ramadan gibt Kraft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“. Neben dem Fasten zählen das Ablegen des Glaubensbekenntnisses, das Gebet, die Entrichtung von Almosen und die Pilgerfahrt nach Mekka zu den fünf Säulen des Islams.

Ramadan „wandert“


Der Monat Ramadan, der neunte im islamischen Mondkalender, wandert durch das Kalenderjahr. In diesem Jahr fällt der Fastenmonat in den Hochsommer vom 28. Juni bis 27. Juli. Somit sind die Fastentage besonders lang. Etwa 19 Stunden lang dürfen fastende Muslime in Hamburg weder essen noch trinken. Auch Geschlechtsverkehr und Rauchen sind verboten. Bei Sonnenuntergang versammelt sich meist die ganze Familie, um gemeinsam zu essen. Traditionell wird das Fasten mit einer Dattel und Wasser gebrochen. „Es gehört zur Fastenzeit, dass man viel Besuch bekommt und zusammen isst“, erklärt Mohammad Khalifa, Dozent an der Universität Hamburg, die soziale Dimension des Fastens. Auch die Moscheen sind stets gut besucht, berichten Hamburger Imame. Denn der Ramadan gilt auch als Monat der Nächstenliebe und der guten Taten.
Der Schweißer Adam Caferoglu arbeitet bei Aurubis am Hochofen. Normalerweise trinkt er täglich drei Flaschen Wasser. Im Ramadan will er darauf verzichten, obwohl er großer Hitze ausgesetzt ist. Die Geistlichen raten in solchen Fällen, Rücksprache mit medizinischen Experten zu halten. Denn das Fasten soll den Gläubigen nicht schaden. „In der Regel gewöhnt sich der Körper an diese Zeit und übersteht sie gut“, sagt Mediziner Bijan Hadji Abdolrahim. Jedoch erläutert der Facharzt für Neurologie, dass bei gesundheitlichem Risiko das Fasten verboten ist. Deswegen sind Kranke, Reisende, Kinder sowie Frauen während der Schwangerschaft, des Stillens oder der Menstruation von der Pflicht ausgenommen. Ayatollah Reza Ramezani, Imam der blauen Moschee an der Außenalster, erklärt, dass der Ramadan mehr ist als der Verzicht auf Speisen und Getränke. „Es ist auch ein spiritueller Prozess“, so der Imam. „Es ist eine Zeit, sich Gott, seinen Mitmenschen und sich selbst intensiver zuzuwenden.“

Ramadan-Pavillon

Das Ende des Fastens wird mit einem großen Fest gefeiert, das auf arabisch „Eid al-Fitr“ (Fest des Fastenbrechens) genannt wird und auf Türkisch entweder „Ramazan Bayrani“ (Ramadan-Fest)oder „Seker Bayram“ (Zuckerfest) heißt.
Wer mehr über den Ramadan erfahren möchte, der kann den Hamburger Ramadan-Pavillon besuchen. Vom 4. bis zum 6. Juli findet auf dem Parkplatz am Spadenteich nahe dem Hauptbahnhof ein abwechslungsreiches Programm statt. Zum zweiten Mal lädt der Islamische Bund e.V. zu einem kulinarischen und geistigen Einblick in den Ramadan ein, um Berührungsängste abzubauen und einen gesellschaftlichen Dialog anzubieten. Ab 18 Uhr können Interessierte die Ausstellungszelte besuchen oder ein Bühnenprogramm mit Vorträgen und künstlerischen Darstellungen erleben. Nach Sonnenuntergang, so etwa gegen 22 Uhr, kann man gemeinsam das Fastenbrechen (Iftar) begehen und essen. Auch die Al-Nour-Moschee in St. Georg, Kleiner Pulverteich 17, und die afrikanische Moschee in der Wendenstraße 285 in Hamburg-Hamm laden Anwohner zum Iftar ein.
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