Wie aus Hamburger Müll Energie wird

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Von der Krankanzel aus hievt der Kranführer tonnenweise Müll in die Verbrennung Foto: H. Hass/SRH
 
Die Müllverbrennungsanlage ist Mitglied in der „Partnerschaft für Luftgüte und schadstoffarme Mobilität“ Foto: H. Hass/SRH

Verwertungsanlage Borsigstraße bietet Führungen an

Von Sonja Schmidt
Hamburg
Was passiert mit unserem Müll, nachdem er in der grauen Hausmülltonne landet? Die Stadtreinigung Hamburg klärt auf und bietet Führungen durch die Müllverwertungsanlage Borsigstraße (MVB) an. Jeden Dienstag und Mittwoch geht es ab 16 Uhr auf eine spannende Reise: von der Kipphalle über den Kran im Müllbunker, den Verbrennungsofen und die Rauchgaswäsche bis zum Schlackenaustrag können Interessierte unter Anleitung sachkundiger Besucherführer wie Arne Popp und Gunter Hauzinski verfolgen, wie aus Müll umweltfreundliche Fernwärme, Strom oder Gips wird. „Wir machen keinen Dreck, wir machen den Dreck nur weg“, betonte Hauzinski auf dem Rundgang durch die 1994 errichtete Anlage. Helm, Schutzbrille und festes Schuhwerk sind Pflicht. Erste Station: die Kipphalle.

Tonnenweise Müll landet in Billbrook


Täglich rollen gut 150 Fahrzeuge der Stadtreinigung an und kippen allerlei Unrat in den metertiefen Bunker. 20.000 Kubikmeter Müll können hier gelagert werden. Rund um die Uhr wird der Abfall von Kranführern mit riesigen Greifern aufgelockert, gestapelt und in die Brennkessel befördert. Rund 320.000 Tonnen Abfall landeten allein 2015 in der MVB und wurden bei Temperaturen um die 1.000 Grad verbrannt. Im Zusammenspiel von rund 100 Mitarbeitern sorgt die MVB im Industriegebiet Hamburg-Billbrook dafür, dass dies möglichst umweltfreundlich geschieht. Was nach der Verbrennung durch die Schornsteine der Anlage wabert, ist sauberer als der Müll zuvor. Möglich machen es moderne Reinigungsanlagen, die die Schadstoffmengen gering halten, erklärte Hauzinski. Die Verbrennung liefe gar so effizient ab, dass die kontinuierlich überprüften Emissionswerte die strengen gesetzlichen Grenzwerte zum Teil sogar unterschreiten. Und dann geht es für die Besucher weiter durch den weit verzweigten Bunker aus Rohren, Kessel- und Filteranlagen – stündlich werden hier rund 20 Tonnen Abfall verbrannt, oder besser gesagt: thermisch verwertet. Auch Altholz wie zerkleinerte Schrankwände, Dachstühle oder Türen aus Schleswig-Holstein finden in der Borsigstraße 6 ihren Weg ins Feuer. Und das Wichtigste: Fast nebenbei wird Strom erzeugt, indem die Verbrennungswärme einen Kessel mit Wasser erhitzt und Wasserdampf entsteht, der eine Turbine antreibt.

Spannende Führungen durch die Anlage


Über das Kraftwerk Tiefstack speist die MVB diese Energie in das örtliche Fernwärmenetz zur Erzeugung von Heizwärme ein. Ein geringer Teil des Dampfes wird zudem zur Erzeugung von Elektrizität für den Eigenbedarf der Anlage genutzt. „Eine Müllverbrennungsanlage ist eine an sich saubere Sache. Ein Auto produziert im Verhältnis weitaus mehr Schadstoffe“, erklärte Hauzinski. Selbst nicht brennbare Stoffe wie Metall werden in der MVB wieder aufbereitet. Neben Gips, der an die Bauindustrie ausgeliefert wird, landet die von Salzsäure befreite Rostschlacke im Straßen- und Wegebau. Immerhin rund 63.000 Tonnen pro Jahr. Straßen, über die wieder Hamburgs Müllwagen rollen.

Müllverwertungsanlage Borsigstraße. Anmeldungen, auch für Gruppen, bis mindestens einen Tag vor der Führung unter: mvb-fuehrungen@srhh.de
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