Wie Horn nach 1945 neu entstand

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Bild 1943: Archiv Bürgerverein Horn
 
Bild 2015: Gerd von Borstel

70 Jahre nach dem Kriegsende und Wiederaufbau eines Stadtteils. Teil 4 der Serie

Von Gerd von Borstel
Horn
Unter dieser Überschrift hat die Geschichtswerkstatt Horn für das Stadtteilfest am 6. Juni eine neue Ausstellung zusammengestellt, damit die schrecklichen Ereignisse des zweiten Weltkrieges nicht in Vergessenheit geraten und jüngeren Generationen als Mahnung dienen. Es werden dabei erstmalig Bilder gezeigt, die im letzten Jahr in einem Ordner des ehemaligen Bürgervereins entdeckt wurden. Bis dahin gab es nur wenige Fotos, die die Zerstörungen in unserem Stadtteil dokumentierten. Fast 80% der Gebäude waren zumindest schwer beschädigt und in vielen Fällen komplett zerstört!

Bombennächte


Die Bilder aus dem Nachlass des Bürgervereins zeigen das Ausmaß der Zerstörung vorrangig rund um die Weddestraße am östlichen Zipfel Horns bis hin zur Ilextwiete. Aus dieser Serie stammt unser heutiges Damals-Heute-Foto: Es zeigt das Haus Weddestraße 63/Ecke Vierbergen mit den nachfolgenden Nummern 65 bis 71. Die Häuserzeile wurde 1940 im Zuge der Errichtung von Arbeiterwohnungen rund um die Washingtonallee vom Baugeschäft Emil Prignitz erbaut. Prignitz war auch Besitzer der Immobilie. Allerdings hieß die Weddestraße zu dieser Zeit „Klefekerdamm“. Die Nationalsozialisten hatten 1934 ein Gesetz zur „Umbenennung der nach Juden oder Marxisten benannten Straßen in Hamburg“ beschlossen, worunter auch die 1929 nach Johannes Wedde benannte Straße fiel.
Die Bewohner konnten sich aber nur drei Jahre an ihrem neuen Zuhause erfreuen. In den Bombennächten der „Operation Gomorrha“ fiel es – wie der Großteil der Häuser in Horn – den Bomben zum Opfer. Operation Gomorrha war der militärische Codename für eine Serie von Luftangriffen, die vom Bomber Command der Royal Air Force und der Eighth Air Force der USAAF im Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs vom 25. Juli bis 3. August 1943 auf Hamburg ausgeführt wurden. Im Rahmen dieser Aktion kam es zu fünf Nachtangriffen durch die Royal Air Force und zwei Tagesangriffen durch die United States Army Air Forces (USAAF). Zur Bombardierung wurde eine Mischung von Luftminen, Spreng-, Phosphor- und Stabbrandbomben verwendet. (Quelle: Wikipedia) Das abgebildete Haus in der Weddestraße wurde direkt von einer Sprengmine getroffen und zerstört.
Bei der Ausstellung auf dem Stadtteilfest zeigt das Stadtteilarchiv eine Luftaufnahme der Engländer aus dem Jahre 1945, auf der deutlich zu erkennen ist, dass in Horn fast überall die Dächer fehlten und man bis tief in die Häuser hineinsehen konnte.

Blick ins Adressbuch


Bei den schweren Luftangriffen Ende Juli 1943 kamen in Hamburg etwa 35.000 bis 45.000 Menschen ums Leben und eine Million wurden obdachlos. Auch die Häuser in der Weddestraße waren bis 1951 unbewohnbar. Erst das Adressbuch von 1952 listet dann drei Familien in Nummer 67 und zwei in Nr. 69 auf, die sich die Kellerräume als „Wohnung“ eingerichtet hatten. 1953 sind alle vier Geschosse (incl. Dachwohnungen) in den fünf Hauseingängen wieder regulär bezogen. Wie viele Menschen in dem zerstörten Haus ihr Leben ließen, ist nicht überliefert.
Die Geschichtswerkstatt zeigt die Ausstellung auf der Grünfläche am Bauerberg/Ecke Beim Pachthof im Gemeinschaftszelt mit dem Stadtteilverein.

Ausführlich im Internet auf www.horner-geschichte.de

Lesen Sie auch: Die Geschichte vom Horner Berg. Teil 1

Lesen Sie auch: Villen in Blohms Park. Teil 2

Lesen Sie auch: Als Pelikane in Horn lebten. Teil 3
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