Wie junge Leute die Stadt sehen

Anzeige
Dorothea Grießbach mit den Projektteilnehmern René Ratsch (v.l.), David Dev und Oskar Attiogbe Foto: Timm

Mediengruppe vom Stadtteilprojekt Sonnenland zeigte Fotos und Videos von Billstedt bis Niendorf

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Von außen ist das Gebäude Sonnenland 13 wirklich keine Schönheit. Am Wochenende zeigte die Mediengruppe des Stadtteilprojekts eine wirklich sehenswerte Präsentation aus rund 700 Fotos und Videos, die den schmucklosen Containerbau gewaltig aufwertete. Zusammen mit der Filmemacherin und Journalistin Dorothea Grießbach erschließen sich Billstedter Jugendliche auf ihre eigene Weise die Stadt. Sie wohnen im Sonnenland oder kommen aus Mümmelmannsberg herüber. Jungs und Mädchen zwischen 17 und 20, die mit Filmemacherin Dorothea Grießbach gemeinsam Projekte realisieren. „Wir versuchen, das Haus mitspielen zu lassen“, sagt Dorothea Grießbach zur Präsentation: Links und rechts vom Eingang des Erdgeschoßraums laufen Bänder aus einzelnen Fotos in den Raum hinein und treffen sich an zwei Projektionsleinwänden. Die zeigen jeweils Videos von den Marktplätzen in Billstedt und Niendorf. Der Raum füllt sich an diesem Sonnabendnachmittag ein wenig zögerlich. Dorothea Grießbach möchte, dass die Jugendlichen der Mediengruppe ihre Arbeit selbst vorstellen – die sind zu Anfang doch etwas ungeübt im öffentlichen Reden und überlassen das Feld lieber der Profifrau.
Dorothea Grießbach berichtet, Idee des Gemeinschaftsprojekts sei gewesen, was sich am anderen Ende der U2 in Niendorf finde. Die Jungs und Mädchen stellten sich mit der Kamera auf die jeweiligen Marktplätze und dokumentierten mit Fotos, welche Läden es dort gibt – die rund 700 Fotos montierten sie in dem beschrieben Streifen – auf der einen Seite Billstedter, auf der anderen Niendorfer Motive. Und, so unterschiedlich sich beide Teile geben, habe sich doch herausgestellt, dass die Märkte sonnabends recht ähnlich seien.
Jürgen Wolf, Vorsitzender des Stadtteilprojekts, ist ebenfalls gekommen. Die Projektidee einer Mediengruppe existiere schon lange, zunächst arbeitete Filmemacher Hannes Köhler mit den Jugendlichen, dann kam Dorothea Grießbach. „Was Ihr hier seht, ist ohne Hilfe nicht machbar“, sagt Wolf: Die Präsentationstechnik ist zum Teil geliehen, die Jugendlichen teilen sich einen (!) Fotoapparat und eine Kamera.
Wer sich mit den Jugendlichen näher unterhält, findet schnell heraus, dass sie nicht nur begabt sind, sondern auch längst eigene Ziele haben. „Ich würde es am liebsten beruflich machen“, sagt Patrick Uetermann über sein Verhältnis zur Fotografie: Er hat seinen Realschulabschluss an einer Medienschule absolviert und will nun mit dem Abitur weitermachen. Die Gruppe begibt sich auf Rundgang durch das Haus, wo noch mehr Bilder hängen: Baumeinfassungen in Billstedt und Niendorf finden sich, Himmelaufnahmen aus dem Hafen, ein Nachtfoto vom Hamburger Hof am Jungfernstieg.
Wer mag, kann Filme schauen, die auf Computern laufen, mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen und die Bewirtung der Frauengruppe des Stadtteilprojekts genießen. Soviel steht fest: Die Mediengruppe sollte ihre Arbeiten häufiger zeigen können.

Mehr hier: Stadtteilprojekt Sonnenland
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
803
Erich Heeder aus Billstedt | 19.11.2015 | 16:11  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige