„Wohlfühlmorgen“ sehr nachgefragt

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Benedict und Hubert helfen gern und servieren den Obdachlosen das FrühstückFotos: Grell
 
Gratis-Schnitt beim Friseur

Zur Herbstaktion der St. Ansgar-Schule für Wohnungslose und Arme kamen 500 Menschen

Von Karen Grell
Hamburg. Reiches Hamburg, armes Hamburg: Während die einen in großen Villen leben, beziehen 107.250 Hamburger Familien, darunter 51.754 Kinder, öffentliche Unterstützung (Hartz IV). Mehr als 4.000 Obdachlose kämpfen sich in der Hansestadt durchs Leben. Dass die Probleme größer werden, zeigt dass ein Hilfsangebot der St. Ansgar-Schüler diesmal - leider mag man sagen - besonders gut angenommen wurde: 500 Menschen kamen zum sogenannten „Wohlfühlmorgen“.
Obdachlose, die auf der Straße leben, können sich nur sehr spärlich pflegen. Keine Möglichkeit zum Duschen, immer dieselbe Kleidung und kaum geregelte Mahlzeiten sind an der Tagesordnung. Doch auch diejenigen, die noch ein Dach über dem Kopf haben und mit sehr wenig Geld auskommen müssen, können sich vieles nicht leisten, was für andere selbstverständlich ist. Ein Besuch beim Friseur mag nur 20 Euro kosten, doch wer jeden Pfennig umdrehen muss, kann auch dieses Geld nicht aufbringen. Mit einem Wohlfühlprogramm für Arme und Obdachlose helfen die Schüler der St. Ansgar Schule deshalb zwei Mal im Jahr zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst, der Caritas und dem Alimaus, dem Sozialdienst Katholischer Frauen, Menschen von der Straße. Angefangen mit einem reichhaltigen Frühstück ging es drei Stunden lang durch die verschiedenen Etagen des Schulgebäudes zu unterschiedlichsten Dienstleistungen. Ein ehrenamtlich tätiger Friseur, Maniküre, Akupunktur und Schuldnerberatung – die Angebote waren vielfältig. Die Gänge füllten sich schnell und wer eine Nummer gezogen hatte, konnte auf seinen neuen Haarschnitt und andere Hilfeleistungen warten. Mehr als 20 Schüler, mehr als 60 Ehrenamtliche und zahlreiche Sponsoren stellen immer wieder sicher, dass alle Angebote gratis genutzt werden können. Bei über 50.000 überschuldeten Haushalten in Hamburg und der Tatsache, dass jedes vierte Kind von Hartz IV lebt, wollen die Schüler ein Zeichen der Solidarität setzen.
Schon zum achten Mal haben Jugendliche aus der Profilgruppe „Leib und Seele“ mit dem Schwerpunkt Religion mitangepackt, wenn es darum geht, Armen und Obdachlosen ganz direkt zu helfen. „Berührungsängste gibt es dabei wenige“, weiß Lehrer und Schulseelsorger Jürgen Brinkmann, „die Schüler absolvieren bei uns alle ein Sozialpraktikum von drei Wochen und sind auf die Hilfe am Menschen eingestellt“. So ist es für Benedict (16) und Hubert (19) ganz selbstverständlich, die Besucher an diesem Morgen mit Brötchen und Croissants zu versorgen. Während die Gäste danach beim Friseur saßen, sich im Zahnmobil behandeln ließen oder die Rechtsberatung nutzten, konnte ihr Hund beim Malteser Freiwilligendienst abgegeben werden. Die Jugendlichen kümmerten sich dort liebevoll um die Tiere und ein Arzt untersuchte die tierischen Freunde, die krank mitgebracht wurden. „Die Schüler reifen durch dieses soziale Engagement“, weiß auch der Schulseelsorger. Er berichtet von großer Nachfrage: Waren es beim „Wohlfühlmorgen“ im Frühjahr 400 Besucher, lag die Zahl jetzt weit über 500.
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