„Zurück ins bunte Leben holen“

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Auch die Hängelampen sind denkmalgeschützt. Ein neues Lichtkonzept soll demnächst zusätzlich moderne Akzente setzen Fotos: Dombert

Kirchengemeinde setzt auf altersgerechte Angebote

Von Stefan Dombert
Hamburg-Horn Die Martinskirche im Herzen Horns wurde nicht, wie viele denken, nach dem heiligen St. Martin benannt, sondern nach Martin Luther. Aktuell ist die Martinskirche eingerüstet, da die Fassade saniert wird. Hauptgrund dafür sind die maroden Fugen, die dafür sorgen, dass ein Teil der Steine ausgetauscht werden muss. Die Fertigstellung soll noch in diesem Jahr erfolgen. Damit wird ein weiterer von vielen Auf- und Ausbauschritten erfolgen.

4800 Mitglieder zählt
die Gemeinde

Im damaligen Dorf Horn wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Kapelle errichtet. Erst mit dem Turmbau vor 125 Jahren bekam die Martinskirche eine eigene Gemeinde. Heute gehören zur Gemeinde rund 4.800 Mitglieder, von denen 60 Prozent älter als 60 Jahre sind. Nur etwa drei Prozent der Mitglieder sind Kinder und Jugendliche – eine für Horn nicht überraschende Altersverteilung.
Menschen ins Leben zurückholen
Der Schwerpunkt der Gemeindearbeit liegt in der Diakonie, besonders an Angeboten für ältere Menschen. „Zu viele Senioren kommen nicht mehr raus aus ihrer Wohnung“, so Pastor Kiersch. „Mit unseren Hausbesuchen und Ermutigungen möchten wir sie zurück ins bunte Leben holen.“
Weiter ausgebaut werden die diakonische Jugendberatung und der soziale Bereich. Zum Ziel hat sich Pastor Kiersch gesetzt, die Gemeinde verstärkt an die gegebene Kommunalstruktur anzupassen.

Fusion sicherte Existenz

Während früher die Regel besagte, dass „kein Christenmensch länger als fünf Minuten zu Fuß zu Kirche gehen sollte“, sind heute die finanziellen Spielräume enger.
Auch die Martinsgemeinde hat erst durch die Fusionierung mit anderen Gemeinden eine existenzfähige Größe bekommen. Heute werden die Horner Marsch, Horner Geest sowie die Timotheus-Gemeinde an der Washingtonallee pastoral mitversorgt. Die Kapernaumkirche an der Sievekingsallee wurde verkauft und beherbergt heute das „Islamische Zentrum Al-Nour“.

1943: Brandbomben mit Schaufel ausgeschlagen

Die Martinskirche ist die einzige erhaltene, neu-gotische Kirche im Hamburger Osten. Ihre Rettung ist dem seinerzeitigen Küster Antholz zu verdanken, der in der Kirche Brandwache schob. Aufgrund seiner Schwerhörigkeit bekam er die infernalischen Ausmaße der „Operation Gomorrha“ gar nicht mit, die im Juli 1943 ein Großteil Horns zerstörten.
So trug er der Überlieferung nach fünf Brandbomben, die die Decke des Kirchenschiffs durchschlagen hatten, in den Vorhof und schlug mit der Schaufel die brennenden Bomben aus. Diese Aktion, während der er in der Tat Gottvertrauen bewiesen hatte, brachte ihm das Kriegsverdienstkreuz sowie eine lebenslange Zusatzrente ein.
Heute hebt sich der Innenraum erfrischend von den neu gebauten umliegenden Kirchen in Horn und Hamm ab. Allein die Wandgemälde, aber auch die Fenster lohnen den Besuch. Pastor Kiersch freut sich über alle, die Interesse an Geschichte und Gemeinde haben.
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