Konversation bei Tee und Keksen

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Die Türkinnen Cemile, Cateriye (v.li.) und Ülker nutzen das Angebot der Gesprächsrunde in der VillaR in Billstedt Fotos: Christa Möller

Besser deutsch lernen in Gesprächsgruppen der „Sprachbrücke Hamburg“

Von Christa Möller
Hamburg. Deutsche Sprache, schwere Sprache? Cateriye kam als Zwölfjährige mit ihren Eltern nach Deutschland. In der Türkei hat sie die Grundschule besucht, hier fiel niemandem auf, dass sie noch weiter hätte zur Schule gehen müssen. Zwar kann sie sich nach Jahrzehnten hier inzwischen gut auf deutsch verständigen, aber ihr fehlen manche Feinheiten der Umgangssprache.

Und deshalb kommt sie regelmäßig mittwochs in die VillaR in Billstedt. Hier trifft sie Ülker, die Schneiderin gelernt hat, ebenfalls schon lange in Deutschland lebt und ebenfalls ihre Sprachkenntnisse verbessern möchte. Ähnlich geht es der gelernten Buchhalterin Cemile, sie ist heute erstmals dabei, und einigen weiteren Frauen, die sich über ein neues Angebot des Vereins „Sprachbrücke Hamburg“ freuen. Bei türkischem Tee und Keksen oder Kuchen nutzen sie die Gelegenheit zur Konversation mit Jutta Weber, 59, und Evelin Lenz, 61. Jutta Weber wohnt in der Hafencity und hat als Diplompädagogin in der Erwachsenenbildung sowie in einer Kindertagesstätte gearbeitet. Sie sagt: „Ich habe lange Zeit im Ausland, in New York, aber auch in Asien und Afrika, gelebt und weiß, wie schwer es ist, in einem fremden Land, in fremder Kultur und teilweise weit weg von der Familie zu leben. Und wenn man dann noch die Sprache des Gastlandes nicht spricht...“ Auf der Freiwilligenbörse der Handelskammer hörte sie von dem Angebot der „Sprachbrücke“.
Seit April bietet sie nun ehrenamtlich gemeinsam mit Evelin Lenz die Gesprächsrunde in der VillaR an der Billstedter Hauptstraße 80 an. Die Planungsingenieurin aus Hohenfelde hat ebenfalls Auslandserfahrung, sie lebte drei Jahre in China und ist sicher: „Wenn man in ein Land kommt und die Sprache nicht spricht, kommt man sich dumm vor – und wird fast so aufgenommen.“

„Das ist kein Deutsch-Kurs, sondern eine Gesprächsgruppe, um das Deutsche anzuwenden.“ Jutta Weber

Die Themen wechseln, mal geht es um Kultur, mal um Hamburg, mal um Alltägliches. Zum Monatsthema im Juni, „Internationale Küche“, passt auch der Einblick in die Welt des türkischen Tees. Cemile erläutert, wie man den schwarzen Tee mit dem türkischen Caydanlik zubereitet. Aber „wir kommen sehr oft vom Thema ab“, sagt Evelin Lenz, „die Gespräche entwickeln sich. Und wir lernen etwas aus den entsprechenden Ländern.“ Ganz wichtig: „Das ist kein Deutsch-Kurs, sondern eine Gesprächsgruppe, um das Deutsche anzuwenden“, betont Jutta Weber.
Zum Abschluss soll es wie immer einen Ausflug geben, die Gruppe beratschlagt gemeinsam, wohin es gehen soll und entscheidet sich für den Besuch bei einem türkischen Lebensmittelhändler. Die beiden Ehrenamtlichen freuen sich, das ist für sie Neuland. Sehr interessant sei es auch zu erfahren, was es bedeutet, beispielsweise als Türke in Deutschland zu leben.
Ehrenamtlich engagiert sich auch Christian Personn bei der „Sprachbrücke“. Der Journalist aus Eppendorf ist, im Gegensatz zu den beiden Damen, noch berufstätig und fungiert hier als Pressesprecher. Der 58-Jährige erklärt, dass die „Sprachbrücke“ mit Kooperationspartnern in ganz Hamburg in Kontakt stehe. So ergab sich auch die Möglichkeit, die Räumlichkeiten des BHH Sozialkontors, eines Treffpunktes für Menschen mit und ohne Behinderung, in der VillaR für das Gesprächsangebot zu nutzen. „Es gab immer mal die Anfrage, wir möchten besser Deutsch lernen, aber nicht Grammatik“, erzählt Leiterin Reyhan Yilmaz. Nun kämen teilweise Menschen, die die Angebote des BHH-Sozialkontors nutzen, teilweise Personen, die über Bekannte davon gehört hätten und andere, die über den Flyer auf das Angebot der Sprachbrücke aufmerksam geworden seien, weiß sie. Zum größten Teil seien es türkische, aber auch afghanische Frauen. Männer könnten selbstverständlich auch teilnehmen.
Einige Teilnehmer sprechen besser, andere schlechter deutsch. Die Gesprächsleiterinnen sorgen dafür, dass jeder zu Wort kommt, was durch die geringe Gruppengröße erleichtert wird. „Es ist ein offenes Konzept, bewusst anonym, kostenlos und nicht verpflichtend“, betont Christian Personn. Allerdings sollten die Teilnehmer möglichst vier Wochen dabei bleiben. Der erst seit eineinhalb Jahren bestehende Verein mit sieben Mitgliedern beschäftigt bereits 100 Ehrenamtliche, die in 24 Gesprächsgruppen tätig sind.

Sprachbrücke Hamburg, Telefon 28 47 89 98 oder 8 47 89 99,
www.sprachbruecke-hamburg.de, Freie Plätze gibt es aktuell in: Billstedt: Vereinigung Pestalozzi, Möllner Landstraße 43, dienstags, 17 - 18 Uhr
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