35-Jähriger nimmt in Mümmelmannsberg einen Mercedes als „Geisel“

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In St. Georg steht ein Mann wegen Erpressung vor Gericht Symbolfoto: thinkstock

Opfer soll „Lösegeld“ für Zugfahrzeug zahlen. Erpresser jetzt vor Gericht

Von Martin Jenssen
Mümmelmannsberg/St. Georg
Für den erfahrenen Kripobeamten Ralf H. (58) von der „Fachdienststelle für Diebstahl hochwertiger Fahrzeuge“ war es eine ganz neue Erfahrung. „Eine Auto-Erpressung habe ich noch nie erlebt. Für mich ist das ein einmaliger Fall!“, erklärte er vor dem Amtsgericht St. Georg. Das war passiert: Der russische Auto-Transporteur Pavel S. sollte einen gebrauchten Mercedes Benz S 63 AMG von Marokko nach St. Petersburg transportieren. In Hamburg legte er eine Pause ein, um in Mümmelmannsberg ein befreundetes Ehepaar zu besuchen. Er wollte sich dort nur kurz ausruhen, um dann zur Fähre nach Travemünde zu fahren.

Lösegeld für Auto


Am 9. September gegen 19 Uhr hatte er sein Zugfahrzeug mit dem Anhänger an der Kandinskyallee abgestellt. Gegen 22 Uhr war der Anhänger mit dem Mercedes verschwunden. Den Wert des kostbaren Gebrauchtwagens schätzte der Polizeibeamte auf rund 180.000 Euro. Am 10. September fand Pavel S. am Scheibenwischer seines Zugfahrzeugs einen Zettel mit dem Vermerk: „30.000 Euro!“ Dahinter stand eine Handynummer. Der Fuhrunternehmer schaltete die Polizei ein. Nach intensiver Fahndung konnte am 30. September ein Tatverdächtiger festgenommen werden. Es war Evgeniy T. (35), der sich jetzt vor dem Amtsgericht St. Georg verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Diebstahl, Hehlerei und versuchte Erpressung vor. Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Bei seiner Festnahme in Allermöhe wurden bei ihm vier Handys, ein gefälschter Pass und ein gefälschter Führerschein gefunden. Mit seinen Handys hatte er die Polizei drei Wochen genervt. Auf eine Nachfrage per SMS, warum er das Auto entführt habe, antwortete der Erpresser: „Die 30.000 Euro sind eine Transitgebühr!“

Geld im Eimer


Mehrere Übergaben scheiterten. Das Geld sollte unter anderem in einem Eimer vor einem Fitnessstudio in Seevetal hinterlegt werden. Schließlich war der Mercedes-Entführer auch mit einem Lösegeld von 4.000 Euro einverstanden. Beim letzten Übergabeversuch gelang es der Polizei, den Verdächtigen nach einer mehrstündigen Handyüberwachung festzunehmen. Nach seiner Festnahme führte Evgeniy T. die Beamten zum Konrad-Veix-Stieg. Dort stand der Mercedes auf einem Parkplatz. Der Prozess wird fortgesetzt. Urteil vermutlich erst im April.
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