Dachdecker in Billbrook abgestürzt

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Der Dachdecker starb an den Folgen des Sturzes. Arbeitgeber muss sich jetzt vor Gericht verantworten Symbolfoto: thinkstock

Hamburger Arbeitgeber muss sich jetzt vor Gericht verantworten

Billbrook Auf dem Dach einer riesigen Firmenhalle am Pinkertweg in Billbrook hatten sie den Vormittag damit verbracht, Sturmschäden zu reparieren. Die Mitarbeiter der kleinen Baufirma von Ulrich K. (48) sollten beschädigte Aluminiumprofile an den Lichtkuppeln auswechseln. Gegen Mittag des 15. Aprils 2015 kam starker Wind auf. Um 12.40 Uhr erklärte der Vorarbeiter, der die Verantwortung für das Team hatte: „Wir brechen für heute ab!“ Nur das Arbeitsgerät musste noch eingesammelt werden. Da geriet der 24-jährige Hilfsarbeiter Marko F. ins Straucheln. Er trat auf eine der Lichtplatten und stürzte durch das Dach zwölf Meter in die Tiefe. In der Halle einer Stahlbaufirma prallte er auf dort liegende Stahlträger. Marko F. erlitt zahlreiche schwere innere Verletzungen. Ein Rettungshubschrauber flog den Arbeiter sofort in die Asklepios-Klinik St. Georg. Der schnelle Einsatz half ihm nicht. Er verstarb wenig später an den Folgen des Sturzes.

Anklage gegen Chef


Vor dem Amtsgericht in St. Georg muss sich nun Arbeitgeber Ulrich K. wegen „fahrlässiger Tötung“ verantworten. Die Staatsanwaltsschaft wirft ihm unter anderem vor, dass er es pflichtwidrig unterlassen habe, für eine Seitenabsicherung des etwa 60 Zentimeter breiten Verkehrsweges auf dem Dachfirst der Halle zu sorgen. Die Frage ist außerdem, ob man den Hilfsarbeiter überhaupt auf dem Dach hätte arbeiten lassen dürfen? Marko F. war dem Unternehmen durch eine Firma für Leiharbeit vermittelt worden. „Die wissen, dass wir für unsere Arbeiten Leute brauchen, die sich auf einem Dach bewegen können“, sagt der Angeklagte. Doch Marko F. gehörte an diesem Tag keines Falls an einen gefährlichen Arbeitsplatz. Er hatte während der Arbeiten auf dem Dach unter dem Einfluss von Haschisch gestanden, ergab die Obduktion. Zur Klärung der Schuldfrage sind noch mehrere Termine angesetzt. (je)
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