Haft für Vatermord

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Richterin sprach bei Urteilsverkündung von einer Vater-Sohn-Tragödie Foto: wbv

Gericht verurteilte 20-Jährigen zu einer mehrjährigen Jugendstrafe

Horn In einer Minute hat sich für Adnan Z. (20) das ganze Leben verändert. Am Abend des 29. Oktober 2013 ergriff er eine Eisenstange und schlug damit auf seinen Vater ein. Amza Z. (46) starb unter 14 wuchtigen Schlägen. Eine große Jugendstrafkammer des Hamburger Landgerichts verurteilte den Sohn jetzt wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

Gedemütigt


Die Richterin sprach in der Urteilsbegründung von einer „Vater-Sohn-Tragödie“, die zeigt, wie Liebe und Respekt in plötzlichen Hass umschlagen kann, und wie leicht Täter zu Opfern und Opfer zu Tätern werden können. Die Tragödie hatte sich in der kleinen Wohnung der Familie in der Culinstraße in Horn abgespielt. Adnan Z. war im Mai 2011 aus Mazedonien zu seinem Vater nach Hamburg gezogen. Amza Z. lebte seit vielen Jahren in Deutschland, war mit einer deutschen Frau verheiratet. Adnan hatte eine schwere Jugend - vom Vater geschlagen und gedemütigt. Zur Eskalation kam es am 29. Oktober 2013. Der Vater war von einer Reise aus Mazedonien zurückgekommen, machte seinem Sohn Vorwürfe, beschimpfte ihn, weil keine Lebensmittel in der Wohnung waren. In seinem Zorn griff er den Sohn sogar mit einem Stuhl und einem Messer an. Adnan Z. erlitt eine Wunde am Handrücken. Das Gericht: „Die Wut, die sich bei dem jungen Mann jahrelang angestaut hatte, entlud sich jetzt. Er nahm die Eisenstange, die er sonst für Klimmzüge nutzte, und schlug zu.“
Vor Gericht hatte Adnan Z. ein Geständnis abgelegt und alle Schuld auf sich genommen. Unklar geblieben ist aber, welche Rolle sein Bruder Fatmir (26) hatte. Fatmir hatte sich nach Mazedonien abgesetzt, seinem Bruder aber vorher bei der Beseitigung der Leiche geholfen. Die Brüder wickelten den Leichnam in ein Laken und verstauten ihn in einem Koffer. Mit dem Auto ihres Vaters oder einem Taxi fuhren sie nach Harburg und versenkten den Koffer im Regenrückhaltebecken am Sinstorfer Kirchenweg. Dort entdeckten zwei 16-jährige Pfadfinder im Februar diesen Jahres die Leiche von Amza Z. Kurz danach wurde der Sohn festgenommen. (je)
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