Prügelnde Autohändler vor Gericht

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So berichtete das Wochenblatt im Juni 2015. Ein Polizist musste damals einen Warnschuss absetzen Rerpo: wb

Ein banaler Anlass uferte in eine Massenschlägerei aus – Angeklagter Ali H. streitet Vorwürfe ab

Von Martin Jenssen
Hammerbrook/Rothenburgsort
Jeder Autofahrer kennt sie, und für die Stadtreinigung sind sie ein Problem: die Visitenkarten der Autohändler aus Rothenburgsort. Ständig sind die Händler auf der Suche nach Gebrauchtwagen. Die alten Autos werden nach Afrika verschifft und dort verkauft. Das Verteilen der Visitenkarten sieht einfach aus. Doch dahinter steckt ein gnadenloser Revierkampf. Die Gebiete sind aufgeteilt zwischen den Händlern. Wer seine Karten im falschen Gebiet verteilt, der muss mit Strafe rechnen.

Raub und Körperverletzung

Vor dem Amtsgericht Mitte muss sich jetzt Gebrauchtwagenhändler Ali H. (44) verantworten. Er soll den 52jährigen Kartenverteiler S. schwer verprügelt haben. Das Opfer hatte im „falschen“ Revier Visitenkarten für den Autohändler N. aus Rothenburgsort an die Fensterscheiben von parkenden Autos gesteckt. Die Staatsanwaltschaft wirft Ali H. schweren Raub und gefährliche Körperverletzung vor. In der Anklage heißt es: Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 3. Juni 2015 gegen 12 Uhr in der Kippingstraße den Geschädigten S. zunächst von hinten zu Boden gestoßen und ihm sodann mit einem Stein mehrfach auf den Nacken geschlagen zu haben. Anschließend soll er S. mit dem Tragegurt seiner Umhängetasche so lange stranguliert haben, bis dieser die Tasche losließ. In der Tasche befanden sich die umstrittenen Visitenkarten und 170 Euro Bargeld. Vor Gericht behauptete der Angeklagte, er habe seinen Konkurrenten nur geschubst. Am Vormittag des 3. Juni habe er in der Nähe vom Schlump seine Karten an Autoscheiben geheftet. Gegen 12 Uhr habe er dann in der Kippingstraße gesehen, wie sein Konkurrent die von ihm gesteckten Karten entfernte und dafür seine eigenen Karten an die Autos gesteckt habe. Dadurch sei es zu der Schubserei gekommen.

Prozess wird fortgesetzt

Das Opfer kann sich nur schwer an den Vorfall erinnern. Der Zeuge behauptete, der „Schock“ habe ihn verwirrt. Der Vorfall vom Schlump löste damals einen brutalen Streit zwischen den Autohändlern aus, der drei Tage später zu einer Massenschlägerei ausuferte. Etwa 40 Männer, die meisten stammten aus dem Libanon, prügelten auf dem Gelände eines Händlers in Hammerbrook mit Baseball-Schlägern aufeinander ein. Die prügelnden Männer konnten erst durch den Warnschuss eines Polizisten zum Einhalten gebracht werden. Der Prozess wird fortgesetzt.
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