Vom Sohn an die Heizung gefesselt

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In Mümmelmannsberg hat ein Sohn seinen Vater an eine Heizung gefesselt Symbolfoto: thinkstock

Gericht verurteilt Täter zu einer Geldstrafe

Mümmelmannsberg/St.Georg Hilferufe aus einem Badezimmer in einem Reihenhaus im August-Macke-Weg in Mümmelmannsberg. Es war kurz vor 11 Uhr am 24. Juli vergangenen Jahres. Die alarmierten Beamten machten schnell das Haus ausfindig, aus dem die Rufe kamen. Ein verstörter, angetrunkener Mann öffnete ihnen die Haustür. Ein Stockwerk höher fanden sie Milan N. (80), einen ehemals bekannten Tennisspieler. Er war mit Handschellen an die Heizung gekettet. Wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung wurde jetzt Jan-Martin N. (39), der Sohn von Milan N., vom Amtsgericht St. Georg zu einer Geldstrafe von 1.800 Euro verurteilt. Der Angeklagte, der in Prag lebt und dort als Übersetzter rund 800 Euro monatlich verdient, darf die Strafe in Raten abbezahlen. Milan N. spielte in den 1960-er Jahren im Daviscup und trat auch bei den Turnieren am Rothenbaum auf. Später verdiente er sein Geld als Tennislehrer in Billstedt. Inzwischen kann er sich nur noch mühsam an einem Rollator fortbewegen.
Vor Gericht gab Jan-Martin N. zu, seinen Vater gefesselt zu haben. Er beteuerte aber, er habe ihn nur schützen wollen. Der alte Herr dürfe nicht stürzen. Er selbst sei nach Hamburg gekommen, um seine Mutter zu entlasten. In der Nacht zum 24. Juli hatte er mit Freunden gefeiert, war gegen 8 Uhr morgens nach Hause gekommen. „Mein Vater saß in der Badewanne und fuchtelte mit einem Föhn herum“, erklärte Jan-Martin N. in seinem Geständnis. „Ich habe ihm den Föhn abgenommen und das Wasser abgelassen. Er wurde aggressiv. Deshalb habe ich ihn zu seinem eigenen Schutz an die Heizung gekettet.“ Zum Zeitpunkt der Tat war der Angeklagte noch stark betrunken. Ein mittags durchgeführter Alkoholtest ergab einen Wert von 1,69 Promille. Der Vater ist bis heute böse auf ihn. Als Zeuge erklärte er: „Mein Sohn drohte außerdem damit, mich mit einem Gürtel aufzuhängen, sollte ich um Hilfe schreien. Er muss in eine Anstalt!“ Das sah das Gericht anders, zumal die Polizeibeamten berichteten, dass sich der Sohn friedlich verhalten habe. Er sei allerdings allem Anschein nach mit der Pflege des Vaters überfordert gewesen. (je)
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