Zahlen richtig deuten

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Matthias Tresp ist der regionale Polizeichef Foto: fbt
 
Michael Neumann analysiert sehr genau, was passiert Foto: fbt

Kriminalstatistik: Chefs von Kripo und Polizei besuchten Billstedter Regionalausschuss

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Dass Sitzungen des Billstedter Regionalausschusses spannend wie ein Krimi sein können, wurde am vergangenen Dienstag deutlich. Matthias Tresp, Chef der Region Mitte 2 der Hamburger Polizei, und Michael Neumann, Leiter der Kripo in Billstedt, unterhielten sich ausführlich mit den Abgeordneten über ihre Arbeit. Und es zeigte sich, dass statistische Zahlen allein nicht wirklich etwas über das Kriminalitätsgeschehen sagen. Die Kriminalstatistik des Jahres 2015 für Hamburg ist bekannt und öffentlich einsehbar; es gibt sogar einen nach Stadtteilen gegliederten Atlas der Polizei, der einzelne Delikte beleuchtet – auf diese Veröffentlichung bezogen sich die beiden erfahrenen Beamten. Ihre Erläuterungen zeigten an mehreren Beispielen sehr eindringlich, wie wichtig es ist, nicht nur die Zahlen zu diskutieren, sondern auch zu betrachten, wie sie entstehen und zu bewerten sind. Das rund zweistündige Gespräch im Regionalausschuss war übrigens frei von Polemik oder Schlagworten – vielmehr war ein deutliches Bemühen um differenzierte Betrachtungen spürbar.

Mehr Gewaltverbrechen


Niemandem kann gefallen, dass es laut Michael Neumann im vorigen Jahr den höchsten Stand bei Gewaltkriminalität in den letzten drei Jahren gegeben hat, von der allerdings 75 Prozent aufgeklärt wurden. Auch schwere Körperverletzungen nehmen zu (86 Prozent Aufklärung). Hier finden nach den Worten der beiden Polizisten vielen Taten im sozialen Nahbereich statt. „Beziehungsgewalt“ sei ein großes Thema. Es komme allerdings vor, dass Anzeige, Gegenanzeige und Rücknahme aufeinander folgten. Ebenso spielt eine Rolle, dass es, wie ein Abgeordneter bemerkte, in Bill-stedt nicht als Schande gilt, die Polizei zu rufen – dafür gebe es in Blankenese vermutlich ein „hohes Dunkelfeld“, also nicht angezeigte Taten.

Gelegenheit macht Diebe


Quer durch nahezu alle Deliktarten beschwor Matthias Tresp geradezu die Wichtigkeit von Prävention – Wohnungen nicht unbeleuchtet lassen, Handtasche und Geldbörse nicht einsehbar ins Auto legen sind nur zwei Beispiele. Umgekehrt sacken laut Tresp die Einbruchzahlen in der helleren Jahreszeit rapide ab. Hier geht es nach den Schilderungen der beiden Polizisten einerseits um reisende Tätergruppen, andererseits um Gelegenheitsdiebe. Auch die Beute „wechselt“, ähnlich sieht es bei Fahrzeugdiebstählen aus. Die Polizei muss es laut Tresp vermeiden, vor dem Kauf bestimmter Fahrzeuge zu warnen, weil sie gerne gestohlen würden, auch wird nicht jedes Auto oder Ersatzteil ostwärts verkauft, sondern taucht manchmal in Hamburg wieder auf, wie die Ermittler berichteten. Nicht ohne Wirkung sind offensichtlich zwei Razzien in Billstedt geblieben, die sich gegen die „Einbrecherszene“ richteten. Neumann: „Wir als Polizei des Stadtteils wollen Botschaften transportieren – wir kommen wieder“.

Taschendiebstahl ein Massenphänomen


Kein Pardon kennt die Polizei, wenn geschossen wird. Im September war das in der Dannerallee der Fall, es wurden auch Projektile gefunden. Bei der Schussfeldbestimmung seien 20 Wohnungen in einem Hochhaus ins Interesse gerückt, ein Amtsrichter habe Durchungsbeschlüsse erlassen, die entsprechende Waffe sei allerdings trotzdem nicht gefunden worden, berichteten die Beamten.
Taschendiebstähle passieren dagegen nicht nur auf dem Billstedter Marktplatz, sondern sind laut Tresp ein Massenphänomen, das sich durch ganz Hamburg zieht. Hier sind Profis am Werk, die Aufklärung scheint schwierig zu sein.Sehr deutlich stellte zum Ende der Gesprächsrunde Matthias Tresp klar, dass die neuen Flüchtlingsunterkünfte im Stadtteil „keine polizeilichen Auffälligkeiten“ böten und auch einzelne Auseinandersetzungen in den Unterkünften selbst deutlich abgenommen hätten. Bei den seit Jahren bestehenden Wohnheimen sieht das anders aus. Kripochef Neumann seinerseits schwärmte zuletzt: Billstedt sei etwas Besonderes, ein „lieber Stadtteil“. Aus der Runde der Abgeordneten kam der Vorschlag, regelmäßig Unterredungen mit den Fraktionssprechern und der Polizei zu veranstalten.
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