Carlottas Mission: Tanzen in Hamburg

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Carlotta Pini (16)  bei Übungen an der Ballettstange Foto Jenssen

16-Jährige aus Florenz wird in John Neumeiers Ballettzentrum ausgebildet

Von Martin Jenssen
Hamburg. Es ist Dienstag, kurz nach 16 Uhr. Carlotta Pini, eine zierliche junge Dame aus Florenz hastet durch Hamm, vom Gymnasium am Ebelingplatz zur Caspar-Voght-Straße 54. Sie hat es eilig. Viel Zeit hat sie nicht, um sich nach der Schule in ihrem Internatszimmer noch ein wenig auszuruhen, denn um 18 Uhr beginnt das Training in John Neumeiers berühmten Ballettzentrum.

Talent

Carlottas Mission: Tanzen. Nur deshalb lebt sie seit drei Jahren in Hamburg. Dafür nimmt sie jede Menge Arbeit auf sich. Sie möchte über den Tanzboden schweben. Sie beginnt zu tanzen, der Stress verschwindet, die Freude beginnt.
Eigentlich sollte Carlotta in Florenz ihren Hochschulabschluss machen und dann Medizin studieren. So wünschte es ihre Mama. Hätte auch klappen können. Carlotta gehörte zu den besten Schülerinnen ihres Jahrgangs. Doch Carlottas Füße wollten etwas anderes. „Ich musste Tanzen, wo immer ich war“, erklärt die 16-jährige Italienerin. „Ich tanzte im Badezimmer, ich tanzte durch den Flur und ich tanzte in der Küche. Tanzen ist meine Leidenschaft.“
Dann, 2010, waren Lehrer der Ballettschule des „Hamburg Ballett“ auf Talentsuche in Italien. Carlotta tanzte vor und konnte beeindrucken. Sie wurde zur Prüfung an die Hamburger Ballettschule eingeladen, zeigte dort vor der Jury um John Neumeier ihre Künste. „Wir finden dich gut“, sagten die Lehrer.
Carlottas Hartnäckigkeit überzeugte schließlich auch ihre Eltern. Sie genehmigten ihrer Tochter den Aufenthalt im Internat der Ballettschule. Inzwischen sind sie stolz auf ihre Tochter. Einmal im Monat reisen sie nach Hamburg, um ihre Tochter zu bewundern, die schon häufig bei kleineren Aufführungen in den Hamburger Stadtteilen aufgetreten ist.
„Die Anfangszeit war sehr schwierig“, berichtet die kleine Italienerin. „Ich konnte die Sprache nicht, mochte das ungewohnte Essen nicht und hatte Heimweh.“ Das legte sich bald. Sie gewann neue Freundinnen und Freunde an der internationalen Ballettschule, die von Jugendlichen aus 19 verschiedenen Nationen besucht wird. Carlottas Tagesablauf lässt ihr nur wenig Zeit für private Unternehmungen. Punkt 7 Uhr klingelt der Wecker in ihrem Zweibett-Zimmer, dass sie sich mit einer Freundin aus Mailand teilt. Das schnelle Frühstück in der Internats-Kantine besteht meistens aus Cornflakes mit Milch. Wenn Zeit ist, wird noch ein Brötchen verdrückt. Tagsüber versorgt sie sich mit viel Obst. Das Abendessen gibt es nach dem Training wieder in der Kantine.
Zum Gymnasium geht Carlotta zu Fuß oder fährt mit dem Bus, nachdem sie sich mit ihrem Drahtesel auf dem nassen Laub langlegte. Sie beschloss: Das Fahrrad bleibt in der Garage! Eine Verletzung wäre fatal für die kleine Tänzerin.
Auf dem Gymnasium wird Carlotta in 13 Fächern unterrichtet. „Ich komme gut mit“, sagt sie. „Nur die deutsche Grammatik bereitet mir noch ein wenig Schwierigkeiten.“ Auch am Sonnabend ist Training, etwa bis mittags. Danach endlich Freizeit.
Sonnabendabend ist Ausgehzeit mit den Freundinnen und Freunden aus dem Internat. Am Sonntag werden die Schularbeiten erledigt. Auch in italienischen Büchern wird sonntags gebüffelt. „Meine Mama schickt mir auch Unterrichtsbücher aus Florenz“, berichtet Carlotta.

Perfektion

Die Lehrer des Gymnasium Hamm gelten als streng und sehr genau. Carlottas Ausbilder in der Ballettschule sind noch genauer. Jede Pose, jede Bewegung der gestreckten Arme und Beine bis hin zu den Finger- und Zehenspitzen wird überprüft. Jeder Fehler korrigiert. So ist nun mal die klassische Ausbildung im Ballett. Für Carlotta ist das absolut in Ordnung. Schließlich möchte sie Profitänzerin werden und da ist Perfektion das Ziel. Vielleicht wird Carlotta eines Tages festes Mitglied des „Hamburg Ballett“ . Die Chancen stehen gut. Rund 80 Prozent der Absolventen der Hamburger Ballettschule werden von John Neumeier übernommen.


Wer die tänzerische Kunst der künftigen „Ballettstars“ bewundern möchte, darf sich auf Juni freuen. Am 7. und 30. 6. 2014 jeweils 19 Uhr findet unter dem Motto „Erste Schritte“ eine Vorstellung aller Klassen der Ballettschule in der Hamburgischen Staatsoper statt.
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