Hamburgs ältester Verein wird 200

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Vier fesche Jungs: die Lagenstaffel der HT 16 von 1915 Foto: HT16
 
Hielten Ansprachen beim Empfang: Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Andre Nöbbe, Vorsitzender, und Innensenator Andy Grote (v.l.) Foto: Hanke

Senatsempfang zum runden Geburtstag der Hamburger Turnerschaft von 1816

Von Christian Hanke
Hamm
Einen vermutlich weltweit einmaligen Geburtstag feiert in diesem Jahr ein Sportverein aus Hamm: Die Hamburger Turnerschaft von 1816 r.V. (HT 16) am Sievekingdamm begeht ihren 200. Namenstag. Es ist der einzige Sportverein, der seit 200 Jahren ununterbrochen existiert. Als Verein wurde er zwar nicht gegründet, aber nur deshalb, weil die Bezeichnung Verein 1816 noch nicht existierte. Am 2. September 1816 eröffnete der Leutnant, Fecht- und Gymnasiallehrer Gotthard Nicolai die „Hamburger Turn-Anstalt“ auf einem Platz vor dem Brooktor auf dem Großen Grasbrook, heute HafenCity. Gemeinsam mit zwei jungen Turnbegeisterten aus Berlin, Wilhelm Benecke und Karl Krutisch, die mit einigen Gleichgesinnten auf selbst gebauten Turngeräten im Garten des Gastgebers von Benecke in Hamburg turnten und damit die Ideen von Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) aufgriffen.

Empfang im Rathaus


Exakt 200 Jahre später wurde der 200. Geburtstag der HT 16 im Rathaus mit einem Senatsempfang begangen, bei dem eine Showgruppe des Verbandes die 200-jährige Geschichte tänzerisch darstellte. Das beeindruckte Innensenator Andy
Grote, der das Grußwort sprach. Grote hob die Vorreiterstellung der HT 16 in ihrer Geschichte hervor: „Über Generationen verlieh die HT 16 dem Sportleben unserer Stadt immer wieder entscheidende Impulse“. So bot dieser Verein bereits 1888 Frauen-Turnkurse an, was damals als unvorstellbar galt. Die Gründung selbst war neuester Trend, denn die Turnbewegung befand sich 1816 noch in den Kinderschuhen. 1815 gerieten die Turner ins Visier staatlicher Observation. Turnvater Jahn wurde 1819 verhaftet, verbrachte sechs Jahre hinter Gittern. In Hamburg zerbrach das Bündnis zwischen dem Leutnant Nicolai, der einen kommerziellen Betrieb mit schulisch-militärisch durch exerzierten Turnunterricht aufziehen wollte, und Benecke und den meisten anderen, die sich als freie selbst bestimmte Gemeinschaft verstanden. Nicolai zog von dannen, und die übrigen verlegten ihre Aktivitäten in die leer stehenden Kirche des umgezogenen Johannisklosters. Rund 200 Mitglieder turnten dort. In den folgenden Jahren hatten die Turnvereine mit Turnverboten und Mitgliederschwund zu kämpfen. Weil die Johanniskirche baufällig geworden war, errichtete man 1828 einen neuen Turnplatz auf der ehemaligen Festungsbastion Groß-Ericus. Die politische Begeisterung für Demokratie und nationale Einigung blieb. Ihr Vorsitzender Glitza forderte 1848 in einer feurigen Rede ein geeintes demokratisches Deutschland. Demokratie lebte der Verein mit der Gleichberechtigung aller Mitglieder und der Wahl des Vorsitzenden bereits vor. Bis auf die Nazizeit, in der Juden nicht mehr Mitglieder sein durften, wurde nie eine Bevölkerungsgruppe ausgeschlossen. Der derzeitige erste Vorsitzende der HT 16, Andre Nöbbe, betonte auf dem Senatsempfang: „Wir unterscheiden nicht, aus welchem Land jemand kommt.“ 1849 baute sich die HT 16 ihre erste Turnhalle. Vor dem Steintor hatte der Verein eine Wiese vom Senat erworben, dort entstanden Turnplatz, eine Halle und eine Festhalle. Nachdem die Turnhalle 1942 durch Fliegerbomben schwer beschädigt wurde, räumte der Verein in der Nachkriegszeit das Gelände, auf dem der zentrale Omnibus Bahnhof (ZOB) erbaut wurde, und zog nach Hamm um, wo 1959 die heutige Halle eingeweiht wurde. Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich die HT 16 zum zeitweise mitgliederstärksten Hamburger Sportverein. Anfang der 1990-er Jahre waren es über 8.000 Mitglieder. Tennis wurde im Hammer Park gespielt und seit dem Tennisboom der 1980-er Jahre im neuen Sportpark Öjendorf, zusammen mit Badminton und Squash. Ein Fußballplatz entstand an der Legienstraße. Über 20 Sportarten können heute bei der HT 16 betrieben werden.

Stark in die Zukunft

Nachdem der Verein ab der Jahrtausendwende ein wenig den Anschluss an aktuelle Entwicklungen verlor und die Mitgliederzahlen auf etwa 4.500 zurückgingen, befindet er sich heute wieder im Aufwind und macht seinem alten Ruf als Trendsetter alle Ehre.Parcour und Capoeira sind nur zwei Beispiele für aktuelle neue Sportarten. Mit dem Programm SportFüxxe ist die größte Kindersportschule der Stadt entstanden. Die HT 16 kooperiert mit 16 Schulen. Zehn Voll- und Teilzeitkräfte sowie rund 100 ehrenamtlich tätige Trainer halten den Betrieb aufrecht. Die Mitgliederzahl liegt wieder bei rund 5.100. Höhepunkt dieser Entwicklung wird ein neues Sportzentrum gleich neben dem derzeitigen mit Sport- und Kletterhalle, Sportkindergarten, Kursräumen, Sauna und Dachterrasse sein. Die Bauarbeiten haben gerade begonnen. Der älteste Sportverein wird wieder ganz neu, getreu dem aktuellen Slogan: Neu seit 1816.

Weitere Infos: Hamburger Turnerschaft von 1816
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