Ernst Freitag wird 100

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Ernst Freitag wird am 15. Februar 100 Jahre alt und ist dabei noch topfit Foto: Grell
Hamburg: Hammer Landstraße 168 |

Am 15. Februar feiert der rüstige Senior, der noch gerne im Stadtteil spazieren geht, ein rundes Jubiläum

Von Karen Grell
Hamm
Ernst Freitag wird am 15. Februar stolze 100 Jahre alt und ist dabei noch topfit. Zum Interview erscheint er in schicken senffarbenen Cordhosen mit einem flotten Wollpulli in Grau und modisch großer Brille. Niemand würde den sympathischen älteren Herrn, der von sich selber behauptet, ein Eigenbrötler zu sein, auf dieses hohe Alter einschätzen.

Familie lebte in Hammerbrook

Unter den Damen im Haus an der Hammer Landstraße, einer Senioreneinrichtung der Wohnungsbaugesellschaft Süderelbe, in dem Ernst Freitag seit einem halben Jahr lebt, gibt es viele betagte Seniorinnen, die Männer allerdings hat Ernst Freitag bereits alle überlebt. Deshalb ist er auch der letzte aus seiner eigenen Familie mit damals zehn Kindern, der noch geblieben ist. In Hamburg aufgewachsen hat die Familie lange im Stadtteil Hammerbrook gelebt und Ernst Freitag kann sich gut an diese alten Zeiten erinnern. „Wir hatten natürlich wenig Platz. Zu dritt schliefen wir in einem Bett, zwei nebeneinander und einer am Fußende und auch die Weihnachtsgeschenke mussten wir Geschwister uns immer teilen.“ Dennoch sei es auch eine sehr gemütliche Zeit gewesen und trotz der vielen Arbeit habe man immer für einen Klönschnack Zeit gehabt. „Wenn ich mit meiner Mutter zum Einkaufen ging, wurde sie an jeder Ecke angesprochen und es kam mir vor, als würden wir den Laden nie erreichen“, sagt der Hundertjährige schmunzelnd, wenn er an seine Kindheit denkt.

Rätsel und Fußball

Beim Essen habe ein strenges Regiment geherrscht, so Freitag, der noch weiß, dass kein Kind bei Tisch lachen oder sprechen durfte. „Das war damals einfach so und wir haben uns daran gehalten.“ Heute lebt Ernst Freitag eher zurückgezogen in seinem kleinen Zimmer mit dem schmalen Balkon und macht gern Kreuzworträtsel oder sieht sich die Spiele des HSV an. Fußball mochte er schon immer gern und war auch selber früher sehr sportlich, nur „mit dem Lesen geht es nicht mehr so gut, die Augen sind zu schlecht“. Zu den Mahlzeiten geht Ernst Freitag runter ins Restaurant und hat auch „den einen oder anderen Kontakt zu den Nachbarn am Tisch“. Von einem Stiefsohn hat der Senior Enkel und Urenkel, die allerdings nicht in Hamburg wohnen und daher selten vorbeischauen können.

„Gelassen bleiben“

Ernst Freitag hat aber auch ohne viel Besuch genug zu tun. Mit seiner kleinen Gehhilfe ist er im ganzen Stadtteil unterwegs und streift durch die Läden im Viertel oder macht auch mal einen seiner weiteren kleinen Ausflüge, zu Fuß den Berg hinauf, bis zur Karl-Petersen-Straße. Einen Geheim-Tipp für sein hohes Alter? Ernst Freitag zuckt mit den Schultern: „Gelassen bleiben und die Dinge so akzeptieren, wie sie sind.“ (kg)
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