Hammerbrook: Schönheit des Vorläufigen

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In der alten Kesselhalle könnte man sich eine Fülle kultureller Nutzungen vorstellen. Dorothee Halbrock ist die Vorsitzende des Vereins Viele Grüße, der für die Schaltzentrale zuständig ist Foto: fbt
Hamburg: Bullerdeich 14 b |

Besuch im Stadteilzentrum Schaltzentrale am Bullerdeich

Frank Berno Timm

Hammerbrook
Die Szenerie ist schon eigen: TÜV und Stadtreinigung, Landesbetrieb Verkehr, unzählige Autohöker und ein Bunker neben dem anderen. Es gehört Phantasie dazu, hier Kultur zu machen: Aber die Leute von der Schaltzentrale im ehemaligen Kraftwerk am Bullerdeich bringen genau diese mit.Seit ein paar Jahren arbeitet ein kleiner Verein daran, das ehemalige Kraftwerk am Bullerdeich zu einem Stadtteilzentrum mit ganz viel Kultur weiter zu entwickeln. Der Name ist nicht ohne Reiz: Schaltzentrale heißt das Zentrum. Ende August trafen sich Leute aus dem Billstedter Stadtteilprojekt Sonnenland mit Schaltzentrale-Mitgliedern, um zwei Tage lang Hammerbrook mit der Kamera zu erkunden. Unter den Teilnehmern waren nicht nur Leute mit Erfahrung, sondern auch ein paar Afghanen aus einem nahen Asylbewerberheim, die eine ganz eigene Sicht auf Hamburg in ihren Bildern zeigen. „Das war eine der schönsten Veranstaltungen, die in der letzten Zeit hier stattgefunden haben“, sagt Dorothee Halbrock. Die Bilder sind bis Mitte Oktober zu sehen.

Schaltzentrale

Die 230 Quadratmeter des Vereins wurden gerade renoviert, aber man sieht, dass man in einem alten Haus ist. Im Caféraum, wo man sich freitags treffen kann, ist der Tresen wieder aufgerichtet. Stühle und Tische stehen bereit. Es gibt einen Raum voller Zimmerpflanzen und einen weiteren, der entfernt an ein Amphitheater erinnert: In der Mitte steht eine alte E-Orgel, drum herum sind aufsteigende, hölzerne Bänke montiert, die Kissen darauf sind sandgefüllt und selbstgemacht. Die Anlage ist riesig. Es geht quer über einen Innenhof in ein Treppenhaus in einen großen Raum, in dem Theaterproben stattfinden. Und um die Ecke dann üppige Hallen, wo mal Trafos und Kessel standen. Und es geht nochmal ein Treppenhaus hinauf: Hierfür wird ein Musiktheaterstück über mehrere Etagen vorbereitet, das in einem Null-Dezibel-Raum endet – einen tollen Blick auf die Nachbarschaft, bis zum Hafen, inbegriffen. Apropos Nachbarschaft: Die Gegend ist, nach wie vor, als Industriegebiet ausgewiesen. „Wir wollen mit dem anwesenden Gewerbe den Stadtteil gemeinsam gestalten“, meint Dorothee Halbrock, auch in die angrenzenden Viertel soll es gehen. Die Schaltzentrale ist ein „experimentell-kulturelles Stadtteilzentrum“. Was das heißt? Viel Eigeninitiative der Beteiligten, unter denen Künstler, Architekten und Kulturmanager sind. Sichtlich sympathisch ist das Provisorische, das Vorläufige.
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