Schule Pröbenweg fördert und unterstützt

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Sergo hat Spaß daran, im Garten zu arbeiten Foto: fbt
 
Anja Rauf zeigt ihren Schützlingen, wie man Haare schneidet und Kosmetik einsetzt Foto: fbt
Hamburg: Pröbenweg 24 | Schüler mit Beeinträchtigungen werden durch viel Praxis aufs Arbeitsleben vorbereitet

Von Frank Berno Timm
Hamm
In der Schule am Pröbenweg lernen Kinder mit „sonderpädagogischem Förderbedarf“. Die Jungs und Mädchen zwischen der fünften und zehnten Klasse können in verschiedenen Kursen ausprobieren, welcher Beruf ihnen liegen würde. Sergo Feradovic (14) trägt Arbeitsklamotten. Gemeinsam mit ein paar Mitschülern und Lehrer Torsten Frommolt (61) arbeitet er im Schulgarten auf dem Schulgelände am Pröbenweg. Wobei das Wort Schulgarten eine Untertreibung ist: Zwischen den nicht mehr taufrischen Gebäuden ist ein kleines Paradies entstanden mit einem Teich, in dem Fische schwimmen, einem Kräutergarten, einer geschwungenen Sitzbank, die auf mit Granit eingefassten Palisaden ruht. Als nächstes wird noch eine Steinterrasse, auf der man sich niederlassen kann, gebaut.

Schüler bringen Garten auf Vordermann

Man sieht, „was man erreicht hat“, sagt Sergo: „Es bringt voll Spaß!“. Dann trägt er einen noch zusammengerollten Zaun aus Holzstäben und Draht, der ein Beet einfassen soll, durch den Garten und rollt ihn mit einem Kollegen und Lehrer Frommolt aus. Sergo hat auch Zuhause Spaß am Gärtnern. „Das ist schwere körperliche Arbeit“, erzählt Frommolt, hier machten auch nur Jungs mit. Schulleiter Michael Möller (51) schaut zu. Und berichtet, ursprünglich sei der Garten eine totale Brache gewesen, nun überlege man sogar, ein weiteres Grundstück auf dem Schulgelände hinzu zu nehmen.

Fahrradspenden für Werkstatt gesucht

Solche Aktivitäten, sagt Lehrer Frommolt, seien nur mit Hilfe von Sponsoren möglich – das gilt auch für andere Projekte im Haus, wie etwa die Fahrradwerkstatt. Dort habe ein Lehrer einen Haufen herrenloser Räder aus der Uni besorgt und zusammen mit den Schülern wieder flott gemacht. Hier stehen gleich ein paar „Drahtesel“ aufgebockt auf Arbeitsständen, nebenan liegt ein Haufen Reifenmäntel, die darauf warten, wieder auf die Felgen gezogen zu werden. Möller lässt durchblicken, dass sie hier froh über weitere Fahrradspenden wären. Im Haus an der Straße betreut Erzieherin Anja Rauf (34), die auch gelernte Friseurin ist, eine Mädchengruppe, die sich mit Kosmetik und Frisuren beschäftigen. Ein paar Räume weiter ist Honorarkraft Martin Haß (34) zusammen mit Lehrer Björn Schwark (45) und ein paar Schülern in der Holzwerkstatt aktiv. Hier entsteht zum Beispiel die Holzeinfassung für einen Kasten im Schulgarten.

Kinder mit „Behinderungsbildern“

Der Pröbenweg ist einer von drei Orten des Regionalen Bildungs- und Beratungszentrums (RBBZ). Hierher, so Direktor Möller, kommen Kinder, deren Eltern sich nicht für den Inklusionsunterricht in einer „normalen“ Schule entschieden haben. Die Jungen und Mädchen hätten „Behinderungsbilder“ unterschiedlichster Art: Lern- und Sprachprobleme, Autismus, emotionale Schwierigkeiten, Entwicklungsverzögerungen. Vorsichtig lässt der Schulleiter erkennen, dass auch die Elternhäuser nicht immer einfach seien – lobt aber zugleich, wie gut die Zusammenarbeit mit Müttern und Vätern sei.

Jedem wird geholfen

Die Schülerinnen und Schüler lernen in kleinen Gruppen, es gibt ein Kooperationsprojekt mit einer Stadtteilschule, in dem die Kinder den ersten Schulabschluss (früher: Hauptschulabschluss) anstrebten. Es gebe auch Kinder, die keinen Abschluss schafften – auch diese würden intensiv beraten. Die unterschiedlichen Werkstätten von Gartengestaltung über Fahrradwerkstatt bis hin zu Textilarbeiten, Frisör und Kosmetikschule sowie Kochen gehen auf Möllers Vorgänger Stefan Romey zurück. Es geht darum, die Mädchen und Jungs „auf das wirkliche Leben vorzubereiten“. Das sei, sagt Möller, arbeits- und zeitintensiv. Zugleich betont er, wie wichtig es seine Kollegen und er finden auftretende Probleme sofort zu lösen. Offensichtlich hilft dabei auch eine offene Atmosphäre.

Weitere Infos: Schule Pröbenweg
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1 Kommentar
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Mike Rain aus Billstedt | 16.06.2017 | 07:01  
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