Unterwegs…getroffen: Gianni Basso, der „letzte Gutenberg von Venedig“.

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Der letzte Buchdrucker von Venedig: Gianni Basso mit dem Buchgeschenk "Eddie will leben" . Foto: Rainer Neumann

Außergewöhnliche Zeitgenossen, über die es zu berichten gibt, hat es in der Lagunenstadt immer gegeben.

Ein Blick in die Literatur genügt. Diese wundervolle Stadt aus Stein und Wasser lebt auch von ihren Geschichten. Unglaublich, wer sich alles über Venedig äußerte; wer über diese Stadt schrieb. Die italienischen Buchdrucker hatten einst in der Stadt ein großes Refugium. Das ist lange her. Im 15. und 16. Jahrhundert waren es vor allem auch Mönche, die die Kunst des Buchdrucks erlernten und weitergaben. Die Digitalisierung hat diese alte Handwerkskunst abgelöst. Berufsbilder sind verschwunden. Auch in Italien. Aber es gibt Gianni Basso (61), ein Drucker wie er im Buche steht. Gelernt hat der Venezianer tatsächlich noch bei Mönchen. Seit über 30 Jahren ist er selbständig. In Venedig. Seine kleine Werkstatt im Stadtteil Cannaregio ist auch ein funktionierendes Museum. Hundertjährige Pressen werden noch genutzt – für seine kunstsinnigen Karten, Visitenkarten, edles Briefpapier. Alles vom Feinsten und handgemacht. Seine Kunden mögen diese exclusive Handarbeit und kommen zwischenzeitlich aus der ganzen Welt. Er arbeitet ohne Computer, ohne Mail – nur ein Telefon ist sein Werkzeug für den Kundenkontakt. Seine kleine Werkstatt hat nun Zuwachs bekommen. Nebenan entstand ein kleines Privatmuseum. Die Welt des Buchdrucks, liebevoll zusammengestellt. Der kommunikative Venezianer, der auch deutsch spricht, freut sich über das große Interesse an seiner Handwerkskunst. Dieser Tage blickte er in das Gastgeschenk aus Hamburg: „Eddie will leben“ aus dem Norderstedter Kadera Verlag. Der Quickborner Autor Peter Jäger beschreibt die großen Veränderungen in der Druckbranche. Spannend und authentisch werden die Sorgen, Nöte, aber auch Hoffnungen in einem kleinen Druckbetrieb dargelegt. „Ich habe keine Zukunftssorge“, sagt Gianni Basso, „denn ich bin der letzte Gutenberg von Venedig“. Ein Happy End gibt es im Roman von Peter Jäger; wünschen wir es dem fröhlichen Gutenberg aus der Calle del Fumo ebenso. Sein Sohn Stefano ist bereits in die Fußstapfen seines Vaters getreten und soll einmal die Nachfolge Gutenbergs antreten.
(Rainer Neumann von Schnieder Reisen hat für eine Reise „venezianische Spaziergänge“ auch die Werkstatt von Gianni Basso besucht und schreibt über diesen ungewöhnlichen Buchdrucker)
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